US-Midterms 2026: Amerika hat die Wahl – und die Welt ist gebannte Zuschauerin
Die US-Zwischenwahlen (Midterms) vom 3. November 2026 sind weit mehr als ein innenpolitischer Stimmungstest. Sie entscheiden darüber, wie handlungsfähig Washington in den kommenden zwei Jahren sein wird – und damit auch über wichtige Rahmenbedingungen für Handel, Inflation, Zinsen, Währungen und Finanzmärkte. Das Economic Research der Migros Bank hat drei mögliche Wahlausgänge untersucht.
«Eines ist sicher: Für die exportorientierte Schweiz sind die US-Zwischenwahlen keine politische Randnotiz, sondern ein wirtschaftlicher Faktor ersten Ranges», erklärt Santosh Brivio, Leiter Economic Research der Migros Bank. Das Economic Research hat die möglichen Ausgänge der Zwischenwahlen einer vertieften Analyse unterzogen.
Drei Krisen, eine Wahl Die Ausgangslage ist aussergewöhnlich angespannt: Der Krieg mit Iran hat einen Energieschock ausgelöst, die Inflation wieder angeheizt und die Lebenshaltungskosten ins Zentrum der politischen Debatte gerückt. Gleichzeitig sind die Zustimmungswerte von Präsident Trump deutlich gefallen.
Am wahrscheinlichsten ist ein geteilter Kongress: Kontinuität durch Blockade. Das klingt wenig inspirierend, könnte für die Märkte aber gerade der Reiz dieses Szenarios sein.
Santosh Brivio, Leiter Economic Research, Migros Bank
Das erhöht den Druck auf die Republikaner – doch die institutionelle Ausgangslage bleibt komplex: Im Senat verteidigen die Republikaner zahlreiche umkämpfte Sitze, während die Demokraten im Repräsentantenhaus nur wenige Mandate für einen Machtwechsel benötigen. «Die Midterms finden damit in einem Umfeld statt, in dem geopolitische Risiken, hohe Energiepreise, fiskalische Sorgen und eine zunehmend polarisierte Gesellschaft zusammenwirken», so Brivio. «Märkte reagieren bereits empfindlich auf jede Veränderung bei Inflation, Fed-Kommunikation, Treasury-Emissionen und Handelspolitik.»
Drei Szenarien für Politik und Märkte Das Economic Research der Migros Bank untersucht in seiner Szenario-Analyse drei mögliche Wahlausgänge:
Der eigentliche Treiber bleibt die Geopolitik Die Wahl allein erklärt jedoch nicht die Märkte. «Entscheidend bleibt der Konflikt am Persischen Golf. Er hat Energiepreise, Inflationserwartungen und langfristige US-Renditen nach oben getrieben – mit Folgen weit über Amerika hinaus. Gleichzeitig dürfte die US-Zollpolitik in allen drei Szenarien restriktiv bleiben. Eine rasche Rückkehr zu einem freieren Welthandel ist kaum zu erwarten», erläutert Brivio. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet dies: Die politische Kulisse kann Sektorrotationen an der Börse und kurzfristige Aktienmarktbewegungen auslösen. Die grossen makroökonomischen Fragen aber bleiben dieselben: Wie dauerhaft ist der Inflationsschub? Wie unabhängig bleibt die US-Notenbank Fed? Wie tragfähig ist die US-Fiskalpolitik? Und wie weit eskaliert der Konflikt zwischen geopolitischen Interessen und wirtschaftlicher Vernunft? Die Analyse der Migros Bank zeigt, welche Branchen in welchem Szenario profitieren oder verlieren könnten, wie sich US-Dollar und Zinsmärkte entwickeln dürften – und weshalb die Wahl zwar wichtig ist, der Energieschock aber der eigentliche Taktgeber des globalen Konjunkturzyklus bleibt.