Goldrausch bei der Zentralbanken – den Privatanlegern wird es zu teuer
Die weltweite Goldnachfrage lag im dritten Quartal mit 1'369 Tonnen ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Bei einem durchschnittlichen Goldpreis von 4'262 US-Dollar je Feinunze stieg der Wert der Nachfrage im Vorjahresvergleich um 22 Prozent auf 188 Milliarden US-Dollar.
Zentralbanken und andere offizielle Institutionen erhöhten ihre Reserven im dritten Quartal um netto 321 Tonnen. Dies entspricht einem Anstieg von 42 Prozent im Vorjahresvergleich und dem höchsten Quartalswert seit dem vierten Quartal 2024. Portfoliodiversifikation und Risikomanagement blieben die wichtigsten Nachfragetreiber. Seit Jahresbeginn summieren sich die Käufe auf 675 Tonnen und liegen damit sechs Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Louise Street, Senior Markets Analyst, World Gold CouncilGeopolitische Risiken und Sorgen um die Budgetdisziplin stärkten das Interesse institutioneller Anleger. Privatanleger hielten sich dagegen angesichts der unsicheren Aussichten für den Goldpreis zurück.
Physisch goldgedeckte ETFs verzeichneten im dritten Quartal wieder Zuflüsse – eine deutliche Trendwende gegenüber dem zweiten Quartal. Mit 211 Tonnen lagen diese nur sechs Prozent unter den starken Zuflüssen des dritten Quartals 2025. Die Bestände stiegen auf einen Rekordwert von 4'256 Tonnen. Die Nachfrage im OTC-Markt und in der Kategorie «Sonstige» erreichte 143 Tonnen, gegenüber 101 Tonnen im Vorjahresquartal. Sie blieb jedoch unter den hohen Werten der vorangegangenen Quartale dieses Jahres. Die Nachfrage nach Barren und Münzen sank im Vorjahresvergleich um 19 Prozent auf 268 Tonnen. Privatanleger hielten sich zurück, da eine klare Richtung beim Goldpreis fehlte. China bildete eine deutliche Ausnahme: Dort stieg die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent.
Die hohen Preise belasteten weiterhin die Schmucknachfrage. Sie fiel im Vorjahresvergleich um 17 Prozent auf 313 Tonnen – den niedrigsten Wert für ein drittes Quartal in unserer Datenreihe. Konsumentinnen und Konsumenten setzten weiterhin auf leichtere Schmuckstücken mit geringerem Feingehalt. Wertmässig legte die weltweite Schmucknachfrage hingegen leicht auf 43 Milliarden US-Dollar zu. Die Goldnachfrage im Technologiesektor stieg im Vorjahresvergleich um drei Prozent auf 85 Tonnen und erreichte damit den höchsten Quartalswert seit dem vierten Quartal 2021. In der Elektronikindustrie nahm die Nachfrage um fünf Prozent auf 72 Tonnen zu, unterstützt durch die Produktion im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz.
Das gesamte Goldangebot sank im Vorjahresvergleich um ein Prozent auf 1'369 Tonnen. Die Minenproduktion stieg um drei Prozent auf 1'071 Tonnen – ein Rekordwert für ein drittes Quartal. Gleichzeitig ging das Recycling trotz höherer Preise um acht Prozent auf 314 Tonnen zurück und erreichte damit den tiefsten Stand seit dem vierten Quartal 2023.