Konjunkturrisiken nehmen zu

Nach einer vorübergehenden Erholung in der zweiten März-Hälfte, haben die globalen Aktienmärkte im April ihre Korrektur fortgesetzt. Der globale Aktienindex von MSCI hat in US-Dollar rund 7% eingebüsst, was eine sehr starke Monatsbewegung darstellt. Aufgrund der starken Aufwertung des US-Dollars in den letzten Wochen nimmt allerdings ein in Schweizer Franken denkender Investor diese Korrektur weniger stark wahr.

Die globalen Obligationen haben ebenfalls einen weiteren schlechten Monat hinter sich, was sicherlich mit dem anstehenden «Tightening» der Geldpolitik in Europa und vor allem in den USA zu tun hat. Die seit Jahresbeginn kumulierten Verluste an den Obligationenmärkten sind nicht mehr weit von der 10%-Marke entfernt und unterscheiden sich nicht gross von denjenigen der Aktienmärkte. Es überrascht deshalb nicht, dass Portfolios mit einer Aktienquote von 25% oder 50% in den letzten Monaten eine ähnliche Performance-Entwicklung ausgewiesen haben.

Obwohl die Rezessionsrisiken für das nächste Jahr klar zunehmen, gibt es einige Faktoren, die gegen eine schwere Rezession sprechen.

Anastassios Frangulidis, Chefstratege, Pictet Asset Management

Konjunkturrisiken nehmen zu
Der Preisanstieg der letzten 12 Monaten hat das realverfügbare Einkommen der Haushalte in den USA so stark reduziert, dass der 6-jähriger Vor-Covid-Trend unterboten wurde (Grafik 1). Das hat negative Folgen für das Konsumentenvertrauen, welches ebenfalls stark rückläufig ist. Dieses Bild gilt auch für die meisten europäischen Staaten, welche noch stärker als die USA von den Folgen des Krieges in der Ukraine betroffen sind.

Grafik 1: Rückläufiges verfügbares Einkommen der US-Haushalte Bildnachweis: Pictet Asset Management, Datastream, 26.04.2022

Die steigenden Zinsen belasten zusätzlich die konjunkturellen Aussichten. Bereits jetzt stellen wir einen Rückgang der Anfragen nach Hypothekarkrediten aufgrund der höheren Hypothekarzinsen fest (Grafik 2). Im Zusammenhang mit der abnehmenden Immobilienkaufaffordabilität führt dies zu einem nachlassenden Momentum bei den Bauaktivitäten. Die restriktivere Geldpolitik wird auch andere zinssensitive Bereiche der US-Volkswirtschaft beeinträchtigen, so dass für die nächsten Quartale mit einer deutlichen konjunkturellen Abschwächung zu rechnen ist.

Grafik 2: Steigende Zinsen belasten den US-Hypothekarmarkt Bildnachweis: Pictet Asset Management, Datastream, 26.04.2022

Verursacht die Fed eine Rezession?
Die US-amerikanische Notenbank hat mit ihrer Zinserhöhung von 50 Basispunkte aber auch mit ihrer Kommunikation signalisiert, dass sie das als neutral geschätzte Leitzinsniveau von ca. 2.5% schnell wieder erreichen und falls notwendig darüber hinaus gehen will. Die Märkte gehen mittlerweile davon aus, dass der Fed Funds-Satz vor Ende des Jahres die Marke von 2.75% erreicht haben wird. Damit dies möglich wird, sollte es mehrere Zinsschritte von 50 Basispunkte geben. Dazu kommt auch die Reduktion der verfügbaren Liquidität, welche zu einer Erhöhung der Risikoprämien führt und die Finanzmärkte zunehmend belastet. Diese Politik wird die Nachfrageseite der US-amerikanischen Volkswirtschaft beeinträchtigen. Damit ist bereits in den nächsten Quartalen mit einer klaren Abschwächung der Konjunkturkräfte zu rechnen. Obwohl die Rezessionsrisiken für das nächste Jahr klar zunehmen, gibt es einige Faktoren, die gegen eine schwere Rezession sprechen. Einer davon ist die gute Verfassung der US-amerikanischen Haushalte, welche im letzten Jahrzehnt eine Deleveraging-Politik betrieben haben und ihre Schulden deutlich reduziert haben (Grafik 3).

Grafik 3: Tiefer Schuldenstand der US-Haushalte Bildnachweis: Pictet Asset Management, Datastream, 26.04.2022

Folglich war ihre Nachfrage in dieser Periode schwach, was auch die Investitionen negativ tangiert hat und dazu führte, dass der Kapitalstock weitgehend veraltet ist. Deshalb ist beim nächsten Abschwung nicht damit zu rechnen, dass es zu einer sehr starken Reduktion der Konsum- und Investitionsausgaben kommen wird.

Anlagepolitik in Zeiten einer restriktiver werdenden Fed
Die Verschlechterung der Wachstumsperspektiven im Zusammenhang mit dem hohen Preisdruck und der zunehmend restriktiveren Haltung der Notenbank hat uns in den letzten Monaten dazu veranlasst, den defensiven Grad unserer Anlagepolitik zu erhöhen, indem wir die Struktur des Aktienportfolios zugunsten von defensiven Sektoren wie Versorger, nicht- zyklische Konsumgüter oder defensiveren Aktienmärkten wie dem Schweizer Aktienmarkt, verändern. Zudem bleiben wir weiterhin in Metals und Mining investiert, welche von der Inflationsdiskussion profitieren. Bei den globalen Obligationen bauen wir unsere Positionen wieder etwas auf. Dagegen wird die starke Untergewichtung der Schweizer Obligationen zugunsten der Liquidität vorerst beibehalten. Zuletzt haben die chinesischen Anleihen zwar an Attraktivität verloren, sie offerieren aber trotzdem einen positiven Realzins und sind deshalb Teil unseres Portfolios.

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