Ölpreis rauf, Aktien runter: Wie gefährlich die Iran-Krise für Investoren wird
Der Krieg im Iran zieht sich dahin und dauert nun schon einen Monat. Für die Finanzmärkte ist aber nur die faktische Schliessung der Strasse von Hormuz und der unterbrochene Transport von Erdöl und Flüssigem Erdgas ein Thema. Eine rasche Lösung dieses Problems ist unwahrscheinlich.
Der Trend zu einem höheren Ölpreis ist ungebrochen, was die Aktienkurse unter Druck setzt. Der Swiss Performance Index hat seit seinem Höchststand Ende Februar 9% verloren. Die amerikanischen Aktien, die sich lange gut gehalten haben, sind in den letzten Tagen auch ins Rutschen geraten und verlieren gemessen am S&P 500 10%. Damit bewegen sich die Aktienmärkte im Durschnitt ihrer Bewegungen während den vorherigen Kriegen der Amerikaner im Nahen und Mittleren Osten.
Thomas Stucki, Chief Investment Officer, St.Galler KantonalbankFür die weitere Entwicklung der Aktienmärkt ist neben dem zeitlichen Rahmen der Kämpfe im Iran deren Auswirkungen auf das Wachstum der Wirtschaft und auf das Verhalten der Zentralbanken entscheidend.
Bei den Ölpreisen gibt es interessante Konstellationen. Der Preisunterschied zwischen den verschiedenen Sorten ist aussergewöhnlich hoch. Dass das Öl aus dem Oman deutlich teurer ist als andere Sorten, ist nachvollziehbar. Dass aber das Nordseeöl Brent fast 15 US-Dollar pro Fass teurer ist als die amerikanische Sorte WTI, ist erklärungsbedürftiger. Normalerweise beträgt der Preisunterschied ein paar wenige US-Dollar. Auffallend ist auch, dass der Preisanstieg für Erdöl mit Lieferung im Herbst oder im nächsten Frühjahr deutlich geringer ausgefallen ist als beim Erdöl für den nächsten Liefertermin im Mai 2026. Brent-Öl mit Lieferung im Oktober ist 23 US-Dollar pro Fass billiger als der Spotpreis. Normalerweise beträgt der Unterschied zwei bis der US-Dollar. Das zeigt, dass die Marktteilnehmer noch davon ausgehen, dass die Versorgungsprobleme nicht bis in den Herbst hinein anhalten werden.
Blick auf die Inflationserwartungen
Für die weitere Entwicklung der Aktienmärkt ist neben dem zeitlichen Rahmen der Kämpfe im Iran deren Auswirkungen auf das Wachstum der Wirtschaft und auf das Verhalten der Zentralbanken entscheidend. Die Erwartungen diesbezüglich haben sich in den letzten Wochen grundlegend geändert. Von allen wichtigen Zentralbanken wird nun eine oder mehrere Zinserhöhungen noch in diesem Jahr erwartet. Dies obschon mit Ausnahme der EZB alle betont haben, dass sie zuerst die weitere Entwicklung verfolgen wollen, die sehr unsicher ist. Wichtig für sie wird sein, wie sich die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen verändern. Sollten diese steigen, nimmt die Gefahr von Zweitrundeneffekten auf die Inflation zu. In den USA ist die aus den Inflation Linked Bonds herauszulesende erwartete Inflation für die nächsten zwei Jahre deutlich von 2.2% auf 3.2% gestiegen. Das widerspiegelt vor allem die höheren Benzinpreise. Die mittelfristig für die nächsten fünf Jahre erwartete Inflation ist auch gestiegen. Der Anstieg hält sich mit einer Erhöhung von 2.3% auf 2.6% allerdings in Grenzen. Von der Fed ist keine überstürzte Zinserhöhung oder Anpassung der Kommunikation in diese Richtung zu erwarten. Das gleiche gilt auch für die SNB.
Gefahr von Verleiderverkäufen steigt
Bei den Umfragen unter den Investoren nimmt der Anteil der Bären zu. Er ist mittlerweile höher als derjenige der Bullen, liegt aber immer noch deutlich unter dem Niveau vom letzten April nach der amerikanischen Zollankündigung. Je länger die Unsicherheit andauert, desto stärker werden die Nerven der Anleger aber strapaziert und nimmt die Wahrscheinlichkeit von Verleiderverkäufen zu. Das sind die gleichen Leute, die dann wieder auf den Zug aufspringen wollen, wenn die Erholung an den Märkten einsetzt. Für Anleger, welche die in den nächsten Wochen immer wieder zu erwartenden Dellen finanziell und emotional aushalten können, ergeben sich jedoch immer mehr gute Chancen in Aktien, die überproportional abgestraft werden.