Trumps Wahlsieg sorgt für Verunsicherung am M&A-Markt
Erhöhte wirtschaftliche und politische Unsicherheit in für die Schweizer Wirtschaft wichtigen Märkten dürften in den nächsten zwölf Monaten zu weniger Firmenübernahmen und -zusammenschlüssen führen. Sinkende Multiples und ein besseres Finanzierungsumfeld könnten dennoch Chancen eröffnen.
Entscheidungsträger entschliessen sich eher zu Unternehmenszusammenschlüssen oder -übernahmen, wenn sie das notwendige Vertrauen in die Wirtschaftslage haben. Spätestens seit Donald Trumps zweitem Wahlsieg und seinen Zolldrohungen hat die Unsicherheit jedoch wieder zugenommen. Dazu kommen die politischen Turbulenzen in Deutschland und Frankreich, beides wichtige Märkte für die Schweiz. Wenig überraschend gehen nur noch 26 Prozent der Befragten in den nächsten zwölf Monaten von einer guten oder eher guten Konjunkturentwicklung aus.
Jürg Stucker, Partner, Oaklins SwitzerlandDas Spannungsfeld zwischen Herausforderungen wie der erhöhten geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten und Chancen wie dem verbesserten Finanzierungsumfeld wird den M&A-Markt in den kommenden Monaten prägen.
Etwas positiver betrachten die Befragten das Finanzierungsumfeld. Dank der Zinssenkungsschritte der Schweizerischen Nationalbank hat sich die Verfügbarkeit von Fremdkapital wieder verbessert. 42 Prozent der Umfrageteilnehmenden beurteilen die Verfügbarkeit von Fremdkapital als hoch oder eher hoch. Gleich viele Befragte schätzen die Verfügbarkeit von Cash als hoch oder eher hoch ein. Beide Werte liegen aber noch unter dem langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig erwartet fast die Hälfte der Umfrageteilnehmenden sinkende Multiples – die fallenden Zinsen schlagen sich noch nicht in den Preiserwartungen nieder, unter anderem wegen der erhöhten wirtschaftlichen Unsicherheit in Europa.
Ebenfalls etwas unterdurchschnittlich ist der Fokus auf M&A: 55 Prozent der befragten Unternehmen planen, in den kommenden zwölf Monaten eine Akquisition zu tätigen oder ziehen eine solche ernsthaft in Betracht. Entsprechend ist der Oaklins M&A-Index seit Mitte 2024 leicht zurückgegangen.
Weniger Vertrauen in eine gute Konjunktur

Insgesamt zeichnet sich in den kommenden zwölf Monaten keine grosse Transaktionswelle mit Schweizer Beteiligung ab – lediglich in den Branchen Life Sciences, Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) und im Dienstleistungsbereich wird eine etwas höhere Aktivität erwartet. Verkäuferseitig sind nach wie vor Nachfolgeregelungen die treibende Kraft hinter Übernahmen und Zusammenschlüssen. Käuferseitig liegt der Fokus auf der Realisation von Synergiepotenzial, Marktanteilsgewinnen und geografischer Expansion. Letzteres hat seit Mitte 2024 klar an Bedeutung gewonnen.
Insbesondere in Europa wollen die befragten Unternehmen über Akquisitionen wachsen – der Fokus verschiebt sich jedoch weg von Deutschland hin zu den übrigen europäischen Ländern. 29 Prozent der akquisitionswilligen Unternehmen planen Übernahmen in der Schweiz. Der langfristige Trend für Akquisitionen nordamerikanischer Unternehmen ist trotz Trumps zweitem Wahlsieg relativ konstant, während Asien tendenziell an Bedeutung verliert.
Das Spannungsfeld zwischen Herausforderungen wie der erhöhten geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten und Chancen wie dem verbesserten Finanzierungsumfeld wird den M&A-Markt in den kommenden Monaten prägen. Gut vorbereitete Unternehmen mit einer langfristigen und nachhaltigen Akquisitionsstrategie haben jetzt die besten Karten, um von den entstehenden Opportunitäten zu profitieren.