Vom binären Markt zur breiten Chance: Die neue Logik der Geldanlage 2026
2026 dürften die Aktienmärkte weniger von einer einzigen, dominanten Story geprägt werden, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Nach Jahren, in denen vor allem wenige grosse US-Tech-Titel die Renditen getrieben haben, zeichnet sich eine zunehmende Marktbreite ab. Wir bewegen uns weg von einem binären Markt hin zu einem ausgewogeneren Umfeld mit vielfältigen Chancen.
Gleichzeitig bleiben bestimmte Risikofaktoren präsent: Bewertungen sind in Teilsegmenten ambitioniert und geopolitische sowie handelspolitische Entscheidungen können jederzeit neue Volatilität auslösen. Zudem verläuft die Inflationsentwicklung nicht überall geradlinig. Auch deshalb plädieren wir dafür, Portfolios nicht auf wenige binäre Szenarien auszurichten, sondern aktiv und diversifiziert zu positionieren.
Dynamisches Wachstum: KI als Produktivitätshebel, nicht als Einbahnstrasse
Die Künstliche Intelligenz (KI) wird auch 2026 ein zentraler Wachstumstreiber bleiben. Der Investitionszyklus rund um Chips, Rechenzentren, Software und Infrastruktur ist intakt. Und die Effekte reichen über den Technologiesektor hinaus in zahlreiche weitere Branchen. Die Diskussion über eine mögliche Überhitzung nehmen wir aber ernst, halten pauschale Urteile jedoch für verfrüht. Anleger sollten die Chancen durch KI wegen der Angst vor einer Blase nicht vorschnell ausblenden.
Christophe Braun, Equity Investment Director, Capital GroupNach Jahren, in denen vor allem wenige grosse US-Tech-Titel die Renditen getrieben haben, zeichnet sich eine zunehmende Marktbreite ab.
Aus unserer Sicht kommt es auf Differenzierung an: Neben offensichtlichen Profiteuren kann auch die zweite und dritte Reihe der Wertschöpfungskette interessant sein, etwa Unternehmen, die die KI-Infrastruktur ermöglichen, wie beispielsweise die Bereiche Energieversorgung, Netzwerktechnik, Kühlung oder Halbleiter-Equipment. Massstab sind Fundamentaldaten und Kapitaldisziplin. Am Ende zählt die Fähigkeit, Erträge planbar in freien Cashflow zu übersetzen.
Global investieren: Europa und Asien als zusätzliche Renditequellen
Es spricht vieles dafür, Portfolios international breiter aufzustellen. Die relative Stärke der USA bedeutet aus unserer Sicht keine Exklusivität. Auch Europa und Asien werden über Investitionen, Modernisierung und Produktivitätsgewinne Impulse setzen. In Europa könnten Infrastruktur- und Industrieprogramme sowie Investitionen in Energieeffizienz als zusätzliche Wachstumskatalysatoren wirken. Wenn Investitionsbudgets in Europa wieder nach oben drehen, entstehen entlang ganzer Wertschöpfungsketten neue Chancen. In Asien sehen wir strukturelle Rückenwinde durch Governance-Verbesserungen, steigende Kapitaldisziplin und aktionärsfreundlichere Massnahmen wie Rückkäufe oder höhere Ausschüttungen. Dadurch gewinnt das Anlageargument an Substanz. Es geht nicht nur um Bewertung, sondern auch um bessere Unternehmensführung und eine klarere Ausrichtung auf Kapitalrenditen. Gleichzeitig ist zu unterstreichen, dass Internationalisierung nicht bedeutet, passiv «alles» zu kaufen. Währungseffekte, unterschiedliche Konjunkturverläufe und politische Risiken müssen aktiv gemanagt werden. Global investieren heisst nicht, überall gleich viel zu besitzen, sondern dort zu investieren, wo Katalysatoren, Qualität und Bewertung zusammenpassen.
Dividenden als Stabilitätsbaustein – Verteidigung in volatilen Phasen
Mit Blick auf erwartbare Volatilitätsschübe ist die Rolle von Dividenden als Stabilitätsbaustein zu betonen. Ausschüttungen können in schwächeren Marktphasen einen Teil der Gesamtrendite stützen, ohne die Partizipation an Aufwärtsphasen grundsätzlich zu verhindern. Dividenden sind zwar kein Ersatz für Wachstum, sondern eher ein Qualitäts- und Disziplinfilter im Portfolio. Wichtig ist die Selektion: Das Dividendenuniversum ist heute breiter als klassische «Value»-Segmente und umfasst unterschiedliche Geschäftsmodelle und Sektoren. Ausgewählte Dividendenzahler können Ertragsqualität und Bewertung im Portfolio zusammenbringen und damit helfen, die Schwankungsanfälligkeit zu reduzieren, ohne Renditeambitionen aufzugeben.
Fazit
2026 wird ein Jahr, in dem Anleger widersprüchliche Signale in ein robustes, ausgewogenes Portfolio übersetzen müssen. KI bleibt ein bedeutender Wachstumstreiber, internationale Chancen nehmen zu, und Dividenden können die Widerstandsfähigkeit erhöhen. Am Ende geht es darum, mehrere Renditetreiber zu kombinieren und dabei konsequent auf Fundamentaldaten zu setzen.