Netflix: Warum Anleger die Aktie jetzt neu bewerten sollten
Eine Streaming-Plattform mit begrenztem Potenzial? Diese Sichtweise könnte sich als Fehler erweisen. Neue Erlösquellen und steigende Margen eröffnen dem Konzern attraktive Wachstumsperspektiven.
Anleger sollten Netflix gerade jetzt neu bewerten. Die Streaming-Pionierin hat sich vom Wachstumsunternehmen zu einem hochprofitablen globalen Medienkonzern entwickelt. Während früher vor allem die Zahl der Abonnenten im Fokus stand, rückt heute die Monetarisierung der bestehenden Nutzerbasis in den Vordergrund. Genau darin liegt die Chance für Anleger.
Christoph Wirtz, Portfolio Manager, Rothschild & Co BankDie entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, wie viele neue Kunden gewonnen werden können, sondern wie stark bestehende Nutzer monetarisiert werden.
Mit rund 325 Millionen zahlenden Abonnenten verfügt Netflix über die grösste Streaming-Plattform der Welt. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen hochprofitabel. Für 2025 wurde eine operative Marge von über 29 Prozent ausgewiesen, für 2026 strebt das Management rund 31.5 Prozent an. Diese Kombination aus Wachstum und Profitabilität ist selten. Viele Wettbewerber kämpfen mit stagnierenden Nutzerzahlen oder tiefen Margen. Netflix hingegen generiert bereits heute substanzielle freie Cashflows.
Die nächste Wachstumsphase beginnt
Viele Investoren betrachten Netflix als reife Plattform mit begrenztem Wachstumspotenzial. Doch die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, wie viele neue Kunden gewonnen werden können, sondern wie stark bestehende Nutzer monetarisiert werden. Hier spielt Werbung eine zentrale Rolle. Noch vor wenigen Jahren schloss Netflix Werbung kategorisch aus. Heute gehört das werbefinanzierte Abo-Modell zu den wichtigsten strategischen Initiativen des Unternehmens. Bereits mehr als 100 Millionen Nutzer verwenden entsprechende Angebote. Analysten rechnen damit, dass die Werbeerlöse in den kommenden Jahren deutlich steigen werden. Netflix kann denselben Nutzer sowohl über Abogebühren als auch über Werbung monetarisieren. Zudem steht das Werbegeschäft noch am Anfang. Fortschritte bei Zielgruppenansprache und Werbetechnologie dürften die Erträge weiter steigern.
Ein starker Wettbewerbsvorteil
Netflix investiert jährlich rund 20 Milliarden Dollar in Inhalte. Diese hohen Ausgaben sind zugleich ein zentraler Wettbewerbsvorteil. Kein anderer Anbieter kann sie auf eine vergleichbar grosse globale Nutzerbasis verteilen. Dadurch entsteht ein selbstverstärkender Kreislauf: Mehr Nutzer führen zu höheren Einnahmen, diese ermöglichen bessere Inhalte, die wiederum neue Nutzer anziehen. Über Jahre hat Netflix so eine starke Marktposition aufgebaut. Auch künstliche Intelligenz spielt eine wichtige Rolle. Netflix nutzt sie bereits heute für Empfehlungen, personalisiertes Marketing und die internationale Vermarktung von Inhalten. Nach Unternehmensangaben basieren rund 80 Prozent der angesehenen Inhalte auf KI-gestützten Empfehlungen. Auch das Nutzerwachstum ist noch nicht abgeschlossen. Vor allem in Europa, Afrika und Asien verfügt Netflix weiterhin über erhebliches Potenzial. Besonders die Asien-Pazifik-Region bietet langfristig attraktive Perspektiven. Zusammen mit Werbeerlösen und Preissetzungsmacht entsteht dadurch eine robuste Wachstumsbasis.
Hier sollten Anleger genau hinschauen
Natürlich ist Netflix kein risikoloses Investment. Disney, Paramount, Amazon, Apple und weitere Anbieter investieren weiterhin Milliarden in Inhalte. Zudem konkurriert Netflix zunehmend mit Plattformen wie YouTube, TikTok oder Videospielen um die Aufmerksamkeit der Nutzer. Weitere Risiken sind steigende Kosten für Inhalte und Sportrechte, regulatorische Unsicherheiten rund um KI sowie eine mögliche Zurückhaltung der Konsumenten bei zusätzlichen Streaming-Abonnements. Dennoch spricht vieles für Netflix: die grösste Nutzerbasis, eine starke globale Marke, hohe Profitabilität und mehrere voneinander unabhängige Wachstumstreiber. Netflix entwickelt sich zunehmend von einem Streaming-Dienst zu einer globalen Unterhaltungsplattform. Die nächste Wachstumsphase dürfte weniger von neuen Abonnenten als von steigender Monetarisierung geprägt sein. Genau darin liegt die Chance für langfristig orientierte Anleger.