Staatsverschuldung der Schweiz bleibt im internationalen Vergleich moderat
Dieses Jahr zeigt die Schweizer Wirtschaft ähnlich wie andere Länder eine deutliche Erholung. Doch während diese beispielsweise in den USA hauptsächlich dem Umstand grosszügiger staatlicher Geldgeschenke geschuldet ist, schafft die Schweiz die Erholung aus eigener Kraft. Dadurch bleibt die Staatsverschuldung der Schweiz auch im internationalen Vergleich moderat. Ebenso bleibt die Inflation in der Schweiz tiefer als in anderen Ländern.
Nachdem letztes Jahr die Schweizer Wirtschaft mit -3% klar besser abschnitt als die Wirtschaft der Eurozone oder der USA, stellt sich uns inzwischen die Frage, wie sich die Schweiz in diesem Jahr konjunkturell schlägt. Zwar dürfte die US-Konjunktur bis Ende Jahr besser laufen als die Schweizer Wirtschaft. Dies mehr oder weniger dank den wiederholten und massiven Konjunkturpaketen der US-Regierung, welche bekanntlich mit der Versendung von Geldschecks auch dieses Jahr nochmals stark den Konsum unterstützt.
Die Kehrseite dieser Politik ist jedoch, dass die USA 2021 ein Budgetdefizit von rund 15% des Bruttoinlandproduktes (BIP) in ihrem Haushalt aufweisen werden, während die Schweiz ein Budgetdefizit von etwa 3% zeigen dürfte. Die stärkere Berücksichtigung der Gedanken der «Modernen Monetären Theorie» führt zu einer gewaltigen Erhöhung der US-Staatsverschuldung, was auch im Zusammenhang mit dem Linksrutsch der Politik der gegenwärtigen US-Administration unter Joseph «Joe» Biden stehen dürfte.
Gérard Piasko, Chief Investment Officer, Maerki Baumann & Co.Es ist zu erwarten, dass dank den graduellen Corona-Lockerungen und der guten Export-Konjunktur die Arbeitslosigkeit in der Schweiz verglichen mit anderen Ländern 2021 tief ausfallen wird.
Der Inflationsdruck ist in den USA ebenfalls klar ausgeprägter als in der Eurozone oder der Schweiz. Dies darum, weil die Kapazitätsauslastung der Konjunktur in den USA viel weiter fortgeschritten ist. Das Risiko ist daher ein grösserer Lohnauftrieb in den USA als in der Eurozone und der Schweiz. Daher dürfte die Inflation in der Schweiz mit rund 0,5% bis 0,75% für 2021 weit weniger ansteigen als in den USA und in der Eurozone.
Auch der Arbeitsmarkt zeigte sich in der Schweiz letztes Jahr viel stabiler als jener in den USA oder anderen europäischen Ländern. Es ist zu erwarten, dass dank den graduellen Corona-Lockerungen und der guten Export-Konjunktur die Arbeitslosigkeit in der Schweiz verglichen mit anderen Ländern 2021 tief ausfallen wird. Das verarbeitende Gewerbe, also die Produktionsseite der Schweizer Wirtschaft, profitiert dieses Jahr sowohl von der anziehenden Nachfrage der USA als auch von einer bereits erholten Auftragslage chinesischer Kunden. Die Ausfuhren nach China erreichten bereits in diesem Frühjahr einen neuen Rekordstand! Wir gehen davon aus, dass auch die stärkere Konjunktur der Eurozone neben der guten chinesischen und amerikanischen Nachfrage zu stärkeren Exporten für die Schweizer Wirtschaft führen wird.
Generell könnte – allerdings von der Corona-Entwicklung abhängig – die Schweizer Wirtschaft in den nächsten Monaten eine gewisse Verlagerung der Wachstumsdynamik von der Produktions- in Richtung Dienstleistungsseite sehen. Die vorsichtigen Öffnungen des Gastgewerbes und der Hotellerie bzw. des Tourismus sollten die inländischen Dienstleistungssektoren sukzessive mehr unterstützen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird das Wachstum durch ihre expansive Geldpolitik unterstützen. Dieses Jahr waren zwar klar weniger Deviseninterventionen nötig als 2020, jedoch wird die SNB auch in den kommenden Monaten darauf achten, dass der Schweizer Franken nicht zu stark wird, um die gute Exportaktivität nicht zu gefährden.
Das verbesserte fundamentale Umfeld ist am Aktienmarkt nicht unbemerkt geblieben: Seit Anfang Jahr zeigen Schweizer Aktien eine gute Performance und können sich mit anderen Indizes verglichen durchaus sehen lassen.