Rolex: Präzision mit fünf Buchstaben
Der noch junge Hans Eberhard Wilhelm Wilsdorf legte 1905 im Alter von 24 Jahren den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Uhrenmarke «Rolex». Er gründete in London ein Unternehmen mit dem Ziel, eine neuartige Uhr, die am Handgelenk getragen werden konnte, zu entwickeln. Zu dieser Zeit waren Armbanduhren noch nicht sehr präzise, der junge Wilsdorf war jedoch überzeugt davon, dass seine Zeitmesser nicht nur durch Eleganz, sondern auch durch Genauigkeit bestechen müssen.
Als Hans Eberhard Wilhelm Wilsdorf im Jahr 1881 in Bayern das Licht der Welt erblickte, wurden Uhren noch über eine Kette mit der Kleidung verbunden oder man trug sie in der Tasche. Es gab zwar bereits Uhrmacher, die sich an Armbanduhren versuchten, diese galten aber eher als weibliche Schmuckstücke. Eine Armbanduhr für Männer, die robust genug für den Alltagsgebrauch war, konnte sich zu dieser Zeit kaum jemand vorstellen. Um die Zuverlässigkeit seiner Armbanduhren sicher zu stellen, rüstete Wilsdorf sie mit kleinen, höchst präzisen Uhrwerken aus, die von einer Schweizer Uhrenmanufaktur in Biel hergestellt wurden.
Harmonie auf dem Zifferblatt
Wilsdorf suchte verzweifelt einen Namen für seine Uhren. Er sollte kurz, leicht zu behalten und in allen Sprachen gut auszusprechen sein. Zudem sollte dessen Schriftzug harmonisch auf das Zifferblatt und das Uhrwerk der Armbanduhr aufzubringen sein. Er kombinierte die Buchstaben des Alphabets in alle Richtungen und stellte eine lange Liste mit Vorschlägen zusammen, die er jedoch alle wieder verwarf. Doch dann kam eines Tages die grosse Idee …
Hans Eberhard Wilhelm Wilsdorf (1881 – 1960)Eines Morgens, ich sass gerade auf dem Oberdeck des Pferdeomnibusses, der die Cheapside in der City of London entlangfuhr, flüsterte mir ein guter Geist zu: Rolex.
Die erste wasserdichte Armbanduhr der Welt
Niemand hätte gedacht, dass Wilsdorf, der mit zwölf Jahren seine Eltern verlor, aus dem Nichts die Weltmarke Rolex erschaffen würde. Als junger, nahezu mittelloser Mann, verfügte er über keine nennenswerten finanziellen Mittel, dafür aber über eine grosse Beharrlichkeit und einen unerschütterlichen Glauben an die Zukunft. So wurde er zum Erfinder der ersten wasserdichten Armbanduhr der Welt mit rotorbetriebenem, automatischen Aufzugmechanismus, auch als Perpetual-Rotor bekannt. Eine Armbanduhr, die bis heute eine Referenz in punkto Qualität und Prestige ist.
Ein Meister der Vermarktung
Wilsdorf war aber auch ein begnadeter Marketingmann. Als die britische Schwimmerin Mercedes Gleitze 1927 den Ärmelkanal durchschwamm, trug sie öffentlichkeitswirksam eine Rolex am Handgelenk. Das war sozusagen die «Wasserprobe» und eine überaus überzeugende Wasserdichtheitsprüfung für das Modell «Oyster». Ein weiterer Rolex-Botschafter war der britische Pilot Charles Douglas Barnard, der in den 1920er Jahren an vielbeachteten Luftrennen und Rekordflügen teilnahm – natürlich mit einer Rolex am Handgelenk. Nach der bestandenen Luftprobe zeigte auch er sich begeistert. «Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften ist diese Uhr vortrefflich für die Fliegerei geeignet, und ich werde sie künftig bei all meinen Langstreckenflügen mitnehmen», liess er sich vernehmen.
Die Uhrenmarke Rolex gehört heute der in Carouge (Kanton Genf) domizilierten Stiftung Hans Wilsdorf. Von den weltweit 14’000 Beschäftigten arbeiten 9’000 in der Schweiz. Hautpsitz des Unternehmens ist Genf.