Könnte das Jahr des Büffels ein «Bullen»-Omen sein?

Der Büffel gilt als Symbol für Zuverlässigkeit, Stärke, Geduld und Vorsicht. Er ist auch mit Ernte, Fruchtbarkeit und Wohlstand verbunden. Nach einem turbulenten Jahr 2020 werden viele Anleger Finanzmärkte begrüssen, die zuverlässig, stark und erfolgreich sind, wenngleich dort auch ein geduldiges und vorsichtiges Handeln geboten ist.

China war die einzige grosse Volkswirtschaft weltweit, die dank ihres wirksamen Umgangs mit der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 ein positives Wachstum verzeichnete. Strenge Lockdown-Massahmen, grossangelegte Tests, eine folgsame Bevölkerung und umfangreiche staatliche Konjunkturmassnahmen scheinen der Erfolgsschlüssel gewesen zu sein.

Im vierten Quartal des vergangenen Jahres stieg das Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Prozent, während sich die Normalisierung fortsetzte. Damit belieft sich das Wachstum für das Gesamtjahr 2020 auf 2,3 Prozent. Im Gegensatz dazu schrumpfte die Wirtschaft der USA um 3,5 Prozent und die der Eurozone um 6,8 Prozent.

Das Wirtschaftsteam von Schroders prognostiziert für 2021 ein Wachstum der chinesischen Wirtschaft von 9 Prozent. Im ersten Quartal könnte das Wachstum im Jahresvergleich um 15 Prozent bis 20 Prozent steigen. Bedingt ist dies durch die verzögerten Auswirkungen der Anreizmassnahmen sowie die sehr niedrige Vergleichsbasis nach dem Wirtschaftseinbruch im ersten Quartal 2020. Darüber hinaus erwartet das Wirtschaftsteam für 2022 eine Normalisierung der chinesischen Wirtschaft in Richtung eines Trendwachstums von rund 5,5 Prozent.

Was könnte dies für Aktien bedeuten?
Die Finanzmärkte haben sich auf diese wirtschaftliche Stärke konzentriert: Der chinesische Aktienmarkt legte 2020 gemessen am MSCI China Index um fast 30 Prozent zu und hat 2021 bisher ein Plus von 15 Prozent verzeichnet (Quelle: Refinitiv, 9. Februar 2021). Die weiterhin geringe Positionierung globaler Anleger in chinesischen Aktien und die attraktiven Bewertungen gegenüber globalen Pendants könnten 2021 weitere Mittelzuflüsse in den Markt zur Folge haben. Insbesondere der A-Aktienmarkt in Festland-China dürfte weiterhin grössere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, da internationale Investoren versuchen, ihre langfristigen Allokationen auf dem Markt zu erhöhen.

Investoren haben sich aggressiv in «Lockdown-Gewinner» eingekauft, darunter E-Commerce und Online-Gaming, Gesundheitswesen, Cloud-Computing und Technologie im weiteren Sinne – wobei die Gewinne von einer sich beschleunigenden Verschiebung der Konsummuster nach der Krise profitieren. Auf Sektorebene werden gemäss Schroders die Sektoren weiter besonders gut abschneiden, die ein Engagement in langfristigen Wachstumsthemen des Landes ermöglichen. Technische Hardware ist eine solche Branche, da die Menschen auch 2021 weiterhin von zu Hause aus arbeiten werden. Dies führt zu einer erhöhten Nachfrage nach technischer Hardware, einschliesslich Netzwerkleistung, aber es gab bisher keine signifikante Reaktion auf der Anbieterseite. Diese Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage dürfte die Aussichten für Gewinnmargen in diesem Bereich begünstigen.

Insgesamt sind die Investment-Experten von Schroders jedoch angesichts der hohen Bewertungen und der im November eingeführten Antimonopolregulierung bei Internet-/E-Commerce-Unternehmen vorsichtig. Dafür stossen Bereiche wie die industrielle Automatisierung, Elektrofahrzeuge und -komponenten, sowie die Lokalisierung von Lieferketten angesichts internationaler Handelsspannungen auf ihr Interesse. Eine breit angelegte globale Konjunkturerholung im Anschluss an die erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffes sollte für zyklische Sektoren günstig sein, in denen die Bewertungen im Vergleich zu Wachstumssektoren nach wie vor günstig sind. Da eine Normalisierung des Handels aufgrund der Fortschritte bei den Impfkampagnen und dem täglichen Rückgang bei den neuen Coronavirus-Infektionen weltweit immer wahrscheinlicher wird, dürften diese Sektoren ebenfalls zulegen.

Was sind die Risiken?
Seit der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen im letzten Quartal 2020 haben die Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie und eine Erholung des Wirtschaftswachstums zugenommen. Es besteht daher ein Enttäuschungspotenzial, und jede Änderung des positiven Ausblicks hätte wahrscheinlich Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte im Allgemeinen. Der langfristige strategische Wettbewerb mit den USA ist ein weiterer Bereich, den es zu beobachten gilt. Die Handelsspannungen eskalierten und dehnten sich unter der Trump-Regierung auf andere Bereiche wie Technologie und Kapitalmärkte aus. Es ist zu erwarten, dass die US-Politik unter Präsident Biden berechenbarer wird. Aber gemäss dem Schroders-Basisszenario wird der Konflikt zwischen beiden Seiten die Investitionen und das globale Wachstum in den kommenden Jahren weiter belasten.

Als Reaktion auf diese zunehmenden Spannungen hat China eine grössere «Selbstversorgung» in Bezug auf Technologie betont und verstärkt Anstrengungen unternommen, um Unternehmen in strategischen Branchen zu unterstützen. Dazu gehören Luft- und Raumfahrt, IT, Halbleiter und Robotik. Hier könnten sich attraktiven Gelegenheiten für Anleger anbieten, sobald sich die ersten «nationalen Champions» formieren.