KI-Hype: Ein aktiver Anlageansatz schützt vor unrealistischen Gewinnerwartungen
Hohe Bewertungsmultiples, konvergierende Gewinntrends zwischen den «Magnificent 7» und dem übrigen globalen Aktienmarkt sowie geopolitische Unsicherheiten könnten zu Marktineffizienzen führen, die aktive Anlageentscheide (Stockpicking) begünstigen.
Passive Anlageinstrumente, insbesondere ETFs, bieten bekanntermassen eine kosteneffiziente Möglichkeit, um breit diversifiziert an Aktienmärkten zu partizipieren. Dieser Ansatz bewährt sich insbesondere in einem stabilen und klaren Trendmarkt. Aufgrund der aktuellen Marktlage sollten Anleger allerdings vermehrt aktive Strategien in Betracht ziehen. Die Bewertungsmultiples sind weltweit, insbesondere aber in den USA, vergleichsweise hoch. Gleichzeitig steigt in mehreren Regionen die Konzentration in den Indizes, begleitet von einer höheren Volatilität. Unter diesen Bedingungen erscheint es ratsam, besonderes Augenmerk auf das Risikomanagement zu legen und exponierte, stark konzentrierte sowie potenziell überbewertete Marktsegmente bewusst zu meiden. Wir sind überzeugt, dass in einem solchen Umfeld ein aktives Management entscheidend sein kann, um Risiken gezielt zu navigieren.
Alex Tedder, Head of Global Equities, SchrodersEs stellt sich die Frage, ob Anleger hinsichtlich der KI-Euphorie möglicherweise zu optimistisch sind und die realen, kurzfristigen Umsatz- und Gewinnchancen überschätzen.
Die Marktkonzentration in den USA befindet sich aktuell auf dem höchsten Stand der letzten 40 Jahre, ist im globalen Kontext jedoch nicht ungewöhnlich hoch. Die «Magnificent 7» bilden dabei keine homogene Einheit. Microsoft unterscheidet sich deutlich von Apple oder Amazon, genauso wie Alphabet von Meta oder Nvidia von Tesla. Gemeinsam ist ihnen jedoch der Fokus auf künstliche Intelligenz (KI). Alle nutzen generative KI-Modelle, zur Verbesserung ihrer Plattformen und revolutionieren damit die Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Der daraus resultierende Optimismus hinsichtlich zukünftiger Gewinne hat die Kursentwicklungen dieser Unternehmen massgeblich getrieben. Dabei stellt sich die zentrale Frage, ob Anleger hinsichtlich der KI-Euphorie möglicherweise zu optimistisch sind und die realen, kurzfristigen Umsatz- und Gewinnchancen überschätzen. Denn der aktuelle Kapitaleinsatz für KI-Initiativen steht oft in einem Missverhältnis zum kurzfristig realisierbaren Ertragspotenzial. Tatsächlich bestehen berechtigte Zweifel an einer kurzfristigen Profitabilität dieser Investitionen. Neue Technologien etablieren sich selten ohne Verzögerungen und unerwartete Herausforderungen. Möglicherweise befinden wir uns bereits jetzt in einer solchen Konsolidierungsphase, in der Enttäuschungen auftreten könnten – vor allem dann, wenn sich die Nachfrage nach KI-bezogener Infrastruktur (wie Halbleiter oder Netzwerkausrüstung) abschwächt.
Historisch betrachtet haben sich hochkonzentrierte Märkte früher oder später verbreitert. In einem Umfeld, in dem über 30 Prozent des US-Aktienmarkts auf wenige Titel entfallen, haben sich solche Schwergewichte als Gruppe langfristig betrachtet eher unterdurchschnittlich entwickelt. Einzelne Unternehmen könnten ihren Wachstumskurs fortsetzen, doch aufgrund des Gesetzes der grossen Zahlen dürften andere Schwierigkeiten haben, ihr bisheriges Wachstumstempo zu halten oder sogar Rückgänge verzeichnen. Viele Marktsegmente wurden durch die KI-Euphorie bislang vernachlässigt, wodurch sich für aktive Manager Chancen eröffnen, durch selektive Titelwahl Mehrwert zu schaffen.
KI wird in Zukunft zweifellos allgegenwärtig sein und einen zunehmenden Einfluss auf unseren Alltag gewinnen. Doch neben dem langfristigen strukturellen Potenzial existiert aktuell auch ein erheblicher Hype. Diese beiden Aspekte klar voneinander zu trennen, ist von entscheidender Bedeutung. Im letzten Jahr, auf dem Höhepunkt der Euphorie um Nvidia, hätten wir als Value-Investoren nicht in Nvidia-Aktien investiert, sondern alternative Möglichkeiten genutzt, um indirekt von diesem Trend zu profitieren. Beispielsweise haben wir in Hon Hai (Foxconn) investiert – einen führenden Auftragsfertiger für Nvidia-Chips, dessen Bewertung zu diesem Zeitpunkt vergleichsweise attraktiv erschien. Genau diese Art von Opportunitäten stehen im Zentrum eines aktiven Anlageansatzes.