Englisch im deutschen Text – Lektion 3: Nomen + Nomen (oder: Können ist cool)
Integriert man englische Wörter nahtlos im deutschen Text, betrachtet sie also als eingedeutscht und setzt sie nicht in Originalschreibweise und Anführung ab, so gelten die Regeln des Deutschen. Vor allem eine Regel wird dabei öfter verletzt: Ein Ding – ein Wort.
Ein Ding – ein Wort
Das Deutsche liebt Komposita – das längste im Duden-Korpus besteht aus acht Nomen.* Grundsätzlich wird zusammengeschrieben: der Zentralbankenstrategiehorizont. Längere können zur besseren Lesbarkeit gekoppelt werden: Zentralbanken-Strategiehorizont. Ganz im Gegensatz zum Englischen, das Wörter unverbunden aneinanderreiht: «stock screener». Eher selten und erst bei klarer Etablierung als Gesamtbegriff wird zusammengeschrieben: So wurde aus «birth rate» (BrE) «birthrate» (AmE).
Engl. Nomen + engl. Nomen: generell mit Bindestrich koppeln
Wird ein «open compound» ins Deutsche integriert, dann gelten Gross- und Zusammenschreibung, am besten generell mit Bindestrich: der Stock-Screener. Viele finden das uncool und schreiben zwar gross (als wärs deutsch), aber ungekoppelt (als wärs englisch): der Stock Screener. Kommt ein deutscher Begriff hinzu, schreiben sie – immerhin konsequent: der Stock Screener Vergleich. Das tut zwar weh, breitet sich aber aus – auch im Deutschen. Kürzlich gelesen: ein Winter Märchen. Viele Gestalter empfinden Binde- oder Trennstriche überdies als ästhetisch nicht korrekt, vor allem gegenüber einem makellos kompakten Grauraum (sprich Text). Ich finde Können immer cool – und schön.
Engl. Nomen + engl. Nomen, als Gesamtbegriff etabliert: zusammen, ohne Bindestrich
Ist eine englische Fügung voll integriert, gilt nur noch Zusammenschreibung: Roadtrip, Pokerface. Manchmal erlaubt der Duden beides, es liegt dann im Ermessen des Schreibenden und am Kontext, wie etabliert die Fügung ist. So gilt Dream-Team wie auch Dreamteam – aber nur Teamleader. Lieber einfach konsequent koppeln: Team-Leader.
Engl. Nomen + dt. Nomen: zusammen
Komposita aus englischem und deutschem Nomen schreibt man grundsätzlich zusammen: das Aktienscreening, die Managementschule.
Engl. Namen: original
Namen werden original übernommen – gross, nicht gekoppelt, ohne Genitiv-s: das/des Empire State Building. Wird ein deutsches Wort angereiht, durchkoppeln: der Empire-State-Building-Besuch. Auch hier ist die Falschschreibung – insbesondere bei Brandingspezialisten – eine beliebte Extravaganz: Man will dem Brandnamen ein optisches Alleinstellungsmerkmal verpassen und verzichtet auf Bindestriche: das Xem Konzept, Roche Geschichten.
Transkription von Namen: deutsch
Es gibt keinen Grund, in einem deutschen Text englisch zu transkribieren – es heisst also Tokio, nicht Tokyo; Singapur, nicht Singapore. Eine Ausnahme bilden weltbekannte Persönlichkeiten, die öffentlich einen englisch transkribierten Namen führen – zum Beispiel Maria Sharapova (deutsch: Marija Scharapowa). Auch Namedropping läuft besser, wenn mans kann.
PS: Nominalgruppen mit Präposition wie im Deutschen offen: der/des State of the Art, ebenso Adjektiv + Nomen: der/des Smart Contracts. Zu letzteren gibts noch mehr zu sagen – Lektion 4.
* Rinderkennzeichnungsfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz