Gewinne ohne Illusionen: Was Anleger beim EBITDA wirklich verstehen müssen
Das Akronym EBITDA steht für «Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization», also Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte. Das EBITDA ist eine wichtige Kennzahl bei der Beurteilung der Ertragskraft eines Unternehmens. Es zeigt auf, wie profitabel das eigentliche Kerngeschäft ist, ohne den Einfluss von Investitionen (Abschreibungen), Schulden (Zinsen) oder steuerlichen Rahmenbedingungen.
Zuletzt wurde das Akronym jedoch auch anders ausgelegt. EBITDA steht in dieser Lesart für «Earnings Before Iran, Tariffs and Donald Announcements». Was scherzhaft daherkommt, hat einen wahren Kern. Die drei Begriffe stehen für politische Unsicherheiten, die die Märkte bewegen können. Die Unternehmen bewegen sich derzeit in einem Umfeld, das tatsächlich massgeblich vom Irankrieg, dem Handelskonflikt und dem anhaltend erratischen Kommunikationsverhalten des US-Präsidenten geprägt ist. Und jeder einzelne dieser Aspekte kann einen direkten Einfluss auf den Geschäftsgang eines Unternehmens haben.
Thomas Heller, Chief Economist, Frankfurter Bankgesellschaft GruppeDie gerade angelaufene Berichtssaison für das erste Quartal 2026 wird erste konkrete Hinweise darauf geben, wie die Unternehmen etwa vom Nahostkonflikt betroffen sind.
Die gerade angelaufene Berichtssaison für das erste Quartal 2026 wird erste konkrete Hinweise darauf geben, wie die Unternehmen etwa vom Nahostkonflikt betroffen sind. Weniger anhand der eigentlichen Resultate für das Auftaktquartal, das mehrheitlich noch nicht vom Krieg tangiert war, sondern vielmehr in den begleitenden Ausführungen des Managements zur Betroffenheit im herrschenden Umfeld. Welche Unternehmen sind so aufgestellt, dass sie auch schwierige Phasen vergleichsweise gut überstehen können, und welche weniger?
Diese «neue» EBITDA-Kennzahl gibt es so natürlich nicht. Sie ist ein Gedankenkonstrukt und besagt, dass operative Exzellenz allein nicht als Erklärung reicht, um die wahre Unternehmensleistung zu erkennen. Auch gute Unternehmen sind abhängig vom politischen Geschehen, derzeit besonders ausgeprägt. Es geht genau darum, die Betroffenheit eines Unternehmens von solchen externen Faktoren wie dem Irankonflikt (bzw. eigentlich von den stark gestiegenen Erdöl- und Gaspreisen sowie der drohenden Energieknappheit) einzuschätzen und wie sich das auf das «echte» EBITDA auswirken wird. Dabei gilt es, die Qualität der Gewinne zu hinterfragen. Also nicht nur, wie hoch ist das EBITDA, sondern auch wie stabil? Wie resilient ist das Geschäftsmodell? Verfügt das Unternehmen über eine starke Marktstellung, über Preissetzungsmacht und robuste Margen?
Die Botschaft in dieser ironischen EBITDA-Definition: Eine Trennung zwischen operativer Leistung und externen Einflussfaktoren ist schwierig, eine Bereinigung geht oft an der Realität vorbei. Analyse bedeutet nicht, mehr zu bereinigen, mehr herauszurechnen. Analyse bedeutet, zu verstehen, was man nicht herausrechnen kann.