Die US-Regierung kann den Dollar-Kurs beeinflussen, aber sie kontrolliert ihn nicht

Am 23. Januar 2026 führte die Federal Reserve Bank of New York (NY Fed) sogenannte «Rate Checks» am Devisenmarkt durch. Vertreter der NY Fed fragten am Markt gezielt Dollar/Yen-Kurse nach. Auftraggeber der Anfrage war das US-Finanzministerium. Rate Checks sind kein direkter Eingriff in den Devisenmarkt, sondern ein Instrument zur Marktbeobachtung, etwa zur Prüfung der Marktliquidität. Aber sie haben Signalwirkung. Nach Bekanntwerden der Anfrage schwächte sich der US-Dollar gegenüber dem Yen deutlich ab.

Das bringt uns zum «Mar-a-Lago-Accord» (MALA). Zunächst muss man festhalten, dass es sich beim MALA nicht um ein formelles Abkommen, einen Vertrag oder eine offizielle Regierungspolitik handelt. Es ist eher ein politisch-ökonomisches Konzept aus dem Umfeld von Donald Trump, das unter anderem auf einen schwächeren Dollar abzielt. Der Name spielt auf das «Plaza-Abkommen» von 1985 an. Damals kam es zu einer internationalen Koordination mehrerer Industriestaaten (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien) zur kontrollierten Abwertung des Dollars. Der Dollar-Index gab von Februar 1985 bis Dezember 1987 um rund 50% nach.

Donald Trump sagte zur Dollar-Schwäche nach dem 23. Januar (nicht nur gegenüber dem Yen, sondern etwa auch zum Euro): «The Dollar is doing great.», dem Dollar gehe es bestens. War das also der «Startschuss» für eine aktive Dollar-Schwächung seitens der USA, die Aktivierung von MALA?

Der grösste Teil der Dollar-Schwäche dürfte hinter uns liegen.

Thomas Heller, Chief Economis, Frankfurter Bankgesellschaft Gruppe

Welche Möglichkeiten hat die US-Regierung, um den Dollar zu schwächen? Politischer Druck auf die US-Notenbank (Fed) wäre denkbar, ist aber – trotz neuem Fed-Chef – unwahrscheinlich. Die Fed ist unabhängig und hat kein Wechselkursmandat. Ein schwächerer Dollar ist zudem inflationstreibend und läuft dem Mandat der Preisstabilität entgegen. Eine koordinierte internationale Aktion wie beim «Plaza-Abkommen» 1985 gilt angesichts unterschiedlicher geopolitischer Interessen und eigenständiger Notenbanken ebenfalls als unrealistisch. Realistischer und machbar wäre eine Anordnung an das US-Finanzministerium, am Devisenmarkt Fremdwährungen zu kaufen und Dollar zu verkaufen. Das würde den Greenback schwächen. Fragt sich, wie nachhaltig. Es bleiben indirekte Massnahmen, wie eine expansive Fiskalpolitik (wobei hier der Rest der Welt auch gut mithält) oder eine gezielte verbale Kommunikation gegen einen starken Dollar. Diese sind im Gang und haben den Dollar dorthin gebracht, wo er heute steht.

Fazit: Die Regierung kann den Dollar-Kurs beeinflussen, aber sie kontrolliert ihn nicht. Die Marktreaktionen auf mögliche aktive Schwächungsmassnahmen, insbesondere auf der Zinsseite (steigende Zinsen, höhere Risikoprämien), auf die Donald Trump sensitiv reagiert, schränken die Möglichkeiten zudem ein. Es gab zuletzt keine Hinweise auf ein aktives Eingreifen der USA. MALA bleibt vorerst ein Konzept. Die Währungslage hat sich entsprechend wieder etwas beruhigt, EUR/USD notiert aktuell um die 1.19, den oberen Rand der Bandbreite seit Mitte letzten Jahres. Die Wechselkurs-bestimmenden Faktoren für und gegen den Dollar (u.a. Zinsdifferenz, Inflation, Wachstum/Produktivität, Aussenhandel) halten sich derzeit die Waage. Natürlich kann man eine weitere Abschwächung nicht ausschliessen, der grösste Teil der Dollar-Schwäche dürfte allerdings hinter uns liegen. Eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung scheint vorerst ein plausibles Szenario. Aber: Die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit dem japanischen Yen haben die Unsicherheit rund um den US-Dollar tendenziell erhöht. Das fundamentale und/oder das politische Umfeld können sich ändern und Bewegung ins Währungsgefüge bringen. Das grösste Risiko ist, dass der Vertrauensverlust in die USA und den US-Dollar wie im vergangenen Jahr die übrigen Faktoren überlagert.

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