Julius Bär: Wenn der CEO das Personalwesen zum Experimentierfeld erklärt

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Stefan Bollinger, CEO von Julius Bär, setzt bei der Besetzung der obersten HR-Funktion auf einen Branchenwechsel: Die frisch berufene Francis Hoefman kommt aus der Konsumgüterindustrie. Erfahrung im Banking und Vertrautheit mit dem Schweizer Finanzplatz gehören nicht zu ihrem bisherigen beruflichen Profil. Offenbar zählen solche Details bei der Suche nach der idealen Personalchefin weniger als die Hoffnung auf frische Perspektiven.

Natürlich ist ein Wechsel aus einer anderen Branche kein Makel. Internationale HR-Erfahrung kann wertvoll sein – und Banker sind nicht automatisch bessere Personalmanager. Doch wer die Personalpolitik einer Schweizer Privatbank verantwortet, sollte mehr mitbringen als die Fähigkeit, globale Organisationen zu führen. Es geht um Vergütungssysteme, Risikokultur und regulatorische Besonderheiten, die sich nicht einfach mit einem neuen Organigramm aus der Welt schaffen lassen.

Stefan Bolliger beweist Mut zur eigenen Risikoposition: Mit einer branchenfremden Managerin an der Spitze des Personalwesens setzt er auf einen Transfer, dessen Mehrwert sich erst noch erweisen muss.

Reto Giudicetti, The Onliner

Pikant ist die Personalrochade auch deshalb, weil Guido Ruoss zuletzt offenbar nicht mehr ganz unangefochten im Sattel sass. Nach elf Jahren an der Spitze des Personalwesens verlässt der langjährige Julius-Bär-Kenner nun die Bank – und macht Platz für eine Managerin aus der Konsumgüterindustrie. Stefan Bollinger nutzt die Gelegenheit also für einen Neuanfang. Ob das ein gezielter strategischer Bruch ist oder bloss der nächste Personalwechsel im Zeichen des Erneuerungswillens, bleibt offen.

Bollinger darf selbstverständlich auf externe Talente setzen. Er sollte dann allerdings erklären können, welchen konkreten Mehrwert diese Besetzung für Julius Bär schafft. «Frische Perspektiven» sind schliesslich noch kein Geschäftsmodell. Und internationale Erfahrung ersetzt nicht automatisch jene Kenntnisse, die man braucht, um die Eigenheiten einer Schweizer Privatbank zu verstehen.

Vielleicht gelingt Hoefman der Transfer tatsächlich. Dann wäre die Skepsis schnell vergessen. Bis dahin stellt sich allerdings die Frage, ob bei Julius Bär die Anforderungen an eine Schlüsselposition sorgfältiger definiert wurden als die Begründung, weshalb ausgerechnet diese Kandidatin sie erfüllen soll.

Julius Bär hat in jüngerer Vergangenheit bereits kostspielig erfahren, wohin eine Fehleinschätzung personeller Risiken führen kann – wenn auch noch vor Stefan Bollingers Amtsantritt. Der heutige CEO beweist nun Mut zur eigenen Risikoposition: Mit einer branchenfremden Managerin an der Spitze des Personalwesens setzt er auf einen Transfer, dessen Mehrwert sich erst noch erweisen muss. Banking-Erfahrung und Vertrautheit mit dem Schweizer Finanzplatz? Offenbar verzichtbare Sicherheiten. Bei den Kunden minimiert Julius Bär Risiken – bei der eigenen Personalpolitik offenbar vor allem die Anforderungen.

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