Frühstartrente: Deutschland schickt Sechsjährige an die Börse

Während sechsjährige Kinder in Deutschland dem ersten Schultag entgegenfiebern, denkt der Staat schon an ihren Lebensabend. Die Frühstartrente soll es richten.

Die Vorsorge für ein finanziell sorgenfreies Alter rangiert in der Politik, aber auch bei Banken und Versicherungen weit oben. Die 13. AHV-Rente ist nur eine Erleichterung zweiter Wahl. Jede und jeder weiss, dass über die zweite und dritte Säule private Vorsorge getroffen werden muss, soll es auf dem Rentnerkonto nicht knapp werden.

Der Umfang der staatlichen Förderung zeigt, dass die Frühstartrente eine Kaltstartrente darstellt. Sie macht nur Sinn, wenn die Sparphase der Jungen durch die Eltern oder andere wohlmeinende Geldgeber etwa in der Verwandtschaft kräftig verstärkt wird.

Jürgen Dunsch

Mit dem privaten Sparen muss früh begonnen werden. In Deutschland werden jetzt besonders harte Nägel eingeschlagen. Ab dem kommenden Jahr soll es die sogenannte Frühstartrente geben. Die Eckdaten zeigen, dass nicht gekleckert wird. Wenn für Kinder und Jugendliche ein spezielles Sperrdepot bei einer Bank angelegt wird, zahlt der Staat dort zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr 10 Euro im Monat ein. So entsteht bis zur Volljährigkeit ein Grundstock von 1'440 Euro, Geld, das in Fonds und ETF angelegt ist. Die Kosten dürfen dabei höchstens ein Prozent betragen.

Auszahlung erst mit 65 Jahren
So weit, so gut. Aber auf die Auszahlung müssen die jungen Leute bis zum 65. Lebensjahr warten. Thema ist nicht eine spezielle Sparförderung, sondern die Bildung einer Zusatzrente, die dafür die Kapitalmärkte anzapft. Das ist eine alte und sinnvolle Forderung von Experten. Aber die neue Abfederung für das Alter birgt Tücken. Die Übergangsphase ist dabei das kleinste Problem. Wenn die Förderung ab dem kommenden Jahr einsetzt, dann nach dem Stand der Dinge zunächst nur für die Sechsjährigen. Ältere Kinder gehen leer aus. Wichtiger sind die grundsätzlichen Fragen. Der Umfang der staatlichen Förderung zeigt, dass die Frühstartrente eine Kaltstartrente darstellt. Sie macht nur Sinn, wenn die Sparphase der Jungen durch die Eltern oder andere wohlmeinende Geldgeber etwa in der Verwandtschaft kräftig verstärkt wird. Zugleich sind die jungen Erwachsenen zu Eigenbeiträgen aufgerufen, um später über ein gut gefülltes Depot zu verfügen. Aber wollen sie das? Im Übergang zur Selbstständigkeit stehen andere Ausgaben im Vordergrund: ein Auto, die erste eigene Wohnung, Zusatzqualifikatonen oder auch Reisen, um die Welt zu erkunden. Von einer Familiengründung ist dabei noch gar nicht die Rede. Im Gegensatz dazu liegen die Renten noch weit weg. Da bedarf es schon einer deutlichen Verstärkung des Sparwillens unter den Frühstartern. Dies gilt noch mehr, wenn die Depots durch einen Börsencrash zumindest vorübergehend Federn lassen müssen. Geld-Erziehung ist nötiger denn je. Da nützt auch die Steuerfreiheit der Erträge in der Ansparphase für die Frühstartrente nur begrenzt, von der Belastung des Staatshaushalts trotz der Miniförderung ganz abgesehen.

Altersvorsorge für Erwachsene
Zeitgleich mit der Frühstartrente soll für Erwachsene auch das sogenannte Altersvorsorgedepot eingeführt werden. Das ebenfalls aktienorientierte Sammelbecken ist Nachfolgerin der Riester-Rente, die weit hinter den Erwartungen zurückblieb und ein Warnzeichen für die staatlichen Altersvorsorger darstellt. Auch das neue Spar-Modell wird staatlich gefördert, allerdings erst mit Beginn des Berufslebens. Damit entsteht zum Beispiel für Studenten nach dem 18. Lebensjahr eine Lücke bis zum Erreichen der Altersvorsorge für Erwachsene. Das klingt nach einer lässlichen Sünde, macht die beiden miteinander verknüpften Sparpläne indes nicht attraktiver.

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