Ralph Hamers kocht offenbar auch nur mit Wasser
Ralph Hamers ist mit viel Vorschusslorbeeren als CEO der UBS gestartet. So eilte ihm der Ruf eines digitalen Vordenkers der Finanzindustrie voraus. Entsprechend hoch war die Erwartungshaltung an den neuen operativen Lenker der Schweizer Grossbank. Möglicherweise zu hoch, denn bis dato vermag er noch nicht wirklich zu überzeugen.
Kurz nach seinem Amtsantritt wurde Ralph Hamers bereits von dunklen Schatten der Vergangenheit eingeholt. Im Raum steht eine unschöne Geldwäscherei-Untersuchung gegen seinen vormaligen Arbeitgeber, die von der niederländischen Staatsanwaltschaft neu aufgerollt wurde. Auch wenn eine Verurteilung Hamers für ein vermeintliches Fehlverhalten aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich erscheint, belastet die Affäre sein Ansehen. Umso wichtiger wäre ein Befreiungsschlag im Rahmen der von Branchenbeobachtern allseits erwarteten Neuausrichtung der UBS gewesen. Dieser ist allerdings bis dato ausgeblieben. Hamers agiert derzeit eher farblos.
Das Drehen an der Kostenschraube ist keine Strategie
Die Strategie des Niederländers besteht offenbar im Wesentlichen darin, Kosten über einen grösseren Personalabbau einzusparen. Damit reiht er sich in die Reihe von Bankenchefs ein, die mangels alternativer Ideen an der Kostenschraube drehen. Das dürfte sich zwar mit Sicherheit positiv auf das Balance-Sheet der Bank auswirken. Eine Strategie, die langfristig neue Erträge und nachhaltiges Wachstum sichert, ist es nicht.
Jürgen Schrempp, Ex-Vorstandsvorsitzender Daimler Benz AGMan braucht Mut – allerdings muss Mut auf einer guten Strategie basieren.
Gleiches gilt für den von ihm propagierten Slogan «Connecting people for a better world». Was die UBS der Welt – oder zumindest ihrem Zielpublikum – damit sagen will, bleibt mirakulös. Privat- oder Firmenkunden dürften mehr an tragfähigen Anlage- und Finanzierungslösungen interessiert sein und weniger an einer Bank, die sich mit Worthülsen von der Konkurrenz abheben will.
Agil und effizient war gestern
Die UBS müsse agiler und effizienter werden. Es gälte Prozesse zu vereinfachen und mehr Roboter einzusetzen, liess Hamers im Rahmen der Jahresberichterstattung der Bank im Februar verlauten. Eine sicherlich korrekte Analyse, wie sie wohl für alle grossen Finanzinstitute zutreffen dürfte. Und genau das ist der Punkt. Hamers operiert mit Begrifflichkeiten, die zwischenzeitlich hinlänglich bekannt sind. Er bleibt inhaltlich an der Oberfläche und beschränkt sich auf Schlagworte, die bestenfalls auf eine allgemeine Zustimmung stossen. Was das aber genau für die Kunden und Mitarbeitenden der UBS bedeutet und welche konkreten Massnahmen er einzuleiten gedenkt, verrät er nicht. Hamers wäre vor diesem Hintergrund gut beraten, substanziell nachzulegen, sichtbare Akzente zu setzen und Farbe zu bekennen, ansonsten bleibt sein strategisches Wirken ein schales Wässerchen.