Schweizer Wirtschaft 2026: Ein verlässlicher Wachstumsmotor in Europa
Die Schweizer Wirtschaft sollte 2026 insgesamt eine respektable Leistung zeigen, auch wenn nicht alle Faktoren in die gleiche Richtung weisen.
Positiv dürfte sich aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtungen die Konjunkturstimulierung in den europäischen Nachbarländern, besonders in Deutschland, auswirken. Auch das (vielleicht nicht endgültige) Verhandlungsergebnis zur Zollerhöhungsproblematik mit den USA dürfte weniger negative Effekte auf die Exportdynamik haben, als früher angenommen wurde, sofern es Bestand hat. Der Anstieg der Energiepreise infolge des Irankrieges, die sich inzwischen wieder deutlich normalisiert haben, sowie die etwas höhere Arbeitslosigkeit dürften kurzfristig noch bremsend wirken. Die Arbeitslosigkeit ist im historischen Vergleich jedoch nicht auf einem hohen Niveau. Die Binnennachfrage wird von der guten Baukonjunktur und dem durch tiefe Zinsen ebenfalls begünstigten Privatkonsum unterstützt. Daher sollte die Schweizer Konjunktur 2026 insgesamt ihrem langjährigen positiven Trend folgen können.
Die Schweizer Wirtschaft zeigte 2025 mit +1,4 % ein noch besseres Wachstum als die +1,2 % des Jahres 2024. Weniger willkommen war die gestiegene Arbeitslosigkeit, welche zum einen partiell von der CS-Integration in die UBS und zum anderen von der Exportproblematik in die USA beeinflusst wurde. Die Schweizer Arbeitslosigkeit liegt aber im historischen Vergleich nicht auf sehr hohem, sondern eher mässigem Niveau. Insgesamt war das Wirtschaftswachstum 2025 von den recht dynamischen Dienstleistungssektoren geprägt. Der Privatkonsum ist weiterhin robust, was in Zusammenhang mit der generell gesunkenen Inflation steht. Der Irankrieg hat die Energiepreise ansteigen lassen, doch die Schweiz ist im Vergleich zu anderen europäischen und vor allem asiatischen Ländern weniger abhängig von Öl und Gas dank einem recht diversifizierten Energiemix.
Gérard Piasko, Chefökonom, Maerki Baumann & Co.Das Schweizer Wirtschaftswachstum dürfte ohne eine weitere Eskalation im Nahen Osten dem positiven Trend folgen.
Zwar wird die Konjunktur hierzulande nicht wie diejenige der USA stark durch Investitionen in Technologie angetrieben, kann aber von den Konjunkturmassnahmen der europäischen Nachbarländer, besonders jenen Deutschlands, dieses Jahr sowie auch nächstes Jahr profitieren. Die höheren Regierungsausgaben für Verteidigung vieler europäischer Länder und deutlich steigende Infrastrukturinvestitionen in Deutschland dürften auch hierzulande positive Wachstumsimpulse generieren. Die genauen Auswirkungen der US-Zollentscheidungen im Pharmasektor sind noch nicht vollständig klar, auch wenn Novartis und Roche bekanntlich im letzten Dezember eine Einigung mit der US-Regierung erzielt haben. Dies, weil im April 2026 neue US-Zölle von 15 % annonciert wurden, die der Bundesrat als zusätzliche Belastung bezeichnet hat.
Die Inflation hat in der Schweiz seit 2024 kontinuierlich von 1 % gegen 0 bis 0,5 % tendiert, was Diskussionen um die Wiedereinführung von negativen Leitzinsen auslöste. Für die Schweizerische Nationalbank scheint dies aber eine unwillkommene Massnahme. Sie birgt für den Bankensektor Nachteile und ist auch gar nicht nötig, solange die Inflation in der Tendenz eher seitwärts oder gar leicht aufwärts zeigt. Eine Inflationstendenz zwischen 0 % und 0,5 % sollte im Jahresverlauf von 2026 nicht überraschen, sofern es nicht zu unerwarteten externen Einflussfaktoren, zum Beispiel noch mehr geopolitischen Eskalationen oder rezessiven Signalen, kommt. Die Schweizer Industrieproduktion hat sich in letzter Zeit wieder moderater gezeigt, könnte jedoch von den deutschen Stimulierungsmassnahmen ebenfalls positiv beeinflusst werden. Die Binnennachfrage ihrerseits wird in der Schweiz historisch meist vom gut laufenden Bausektor sowie dem wachsenden Privatkonsum getragen. Dies könnte sich 2026 fortsetzen, denn die gesunkenen Leitzinsen stellen für beide Wirtschaftszweige eine Unterstützung dar.
Auch wenn eine stärker als erwartet ausfallende Wirtschaftsleistung der EU den Euro stützen könnte, hat der Schweizer Franken im Vergleich zu anderen Währungen nach wie vor einige sehr positive Faktoren aufzuweisen. Als Erstes hat die Schweiz ein ausgeglichenes Budget und nicht wie die USA oder auch die Eurozone ein steigendes Budgetdefizit. Als Zweites liegt die Staatsverschuldung der Schweiz in Prozent des Bruttoinlandproduktes viel tiefer als in allen anderen wichtigen Ländern. Dies zeigt die Fiskalkapazität der Schweiz, die im Falle einer globalen oder inländischen Nachfrageschwäche erheblichen Raum für eine Wachstumsstimulierung bietet. Und drittens ist die Inflation in der Schweiz verglichen mit anderen Ländern nach wie vor sehr tief. Sie ist sogar die niedrigste aller Industrieländer, also der der OECD, der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Eine im Ländervergleich tiefe Inflation und eine niedrige Staatsverschuldung sowie ein ausgeglichener Finanzhaushalt wirken historisch als Stabilitätsanker für den Schweizer Franken, was Schweizer Anlagen für ausländische Investoren besonders interessant macht.
Fazit: Auch wenn es – wie in anderen Ländern – in der Schweiz konjunkturelle Herausforderungen gibt, dürfte das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen in etwa dem langfristigen positiven Trend folgen.