Belastbarkeit unter allen Umständen – Warum Investoren Schwellenländer wieder berücksichtigen
Die Stabilisierung der geopolitischen Lage, die Solidität der Fundamentaldaten und die Attraktivität der Bewertungen sprechen zunehmend für ein selektives Engagement in Schwellenländern.
Das globale makroökonomische Umfeld scheint sich in einer Phase bedeutender Umbrüche zu befinden. Nach mehreren Jahren, die von geopolitischer Volatilität und restriktiver Geldpolitik geprägt waren, zeichnen sich nun Anzeichen einer Stabilisierung in beiden Bereichen ab. Die wichtigsten Unsicherheitsfaktoren – von Zollstreitigkeiten bis hin zu regionalen Krisenherden – scheinen sich zu entschärfen, während wichtige Volkswirtschaften, darunter die USA und China, erste Anzeichen einer Wiederannäherung zeigen. Gleichzeitig ermöglichen die nachlassende Inflation und die gesunkenen Energiepreise den Zentralbanken eine schrittweise Rückkehr zu einer neutralen Geldpolitik. Zusammengenommen deuten diese Entwicklungen auf ein Jahr hin, das weniger von Umbrüchen als vielmehr von einer Neukalibrierung geprägt sein wird – ein Umfeld, das für die Schwellenländer zunehmend günstig ist.
Weiter ausgeprägte regionale Unterschiede
Ein Basisszenario für 2026 geht von einem weitgehend stabilen globalen Wachstum aus, das nahe am Trend liegt. Investitionen bleiben ein zentrales Thema, angetrieben durch KI-bezogene Investitionen, den Ausbau der Infrastruktur und Verteidigungsausgaben. Davon dürften asiatische Technologie-Lieferketten, osteuropäische Hersteller und Rohstoffexporteure in Lateinamerika und Afrika profitieren. Während der zentrale Ausblick konstruktiv ist, bleibt das plausibelste Tail-Risiko ein schwächer als erwartetes Wachstum, das möglicherweise durch Anpassungen am Arbeitsmarkt im Zusammenhang mit KI-getriebenen Produktivitätssteigerungen oder einer erneuten Stärke des US-Dollars ausgelöst wird.
Warren Hyland, Portfolio Manager, Muzinich & Co.Insgesamt erweisen sich die Argumente für ein Engagement in Schwellenländern als überzeugend.
Die regionalen Unterschiede werden jedoch weiterhin ausgeprägt sein. In Asien steht China weiterhin vor einem schwierigen Umstrukturierungsprozess, wobei Überkapazitäten in der Industrie, anhaltende Spannungen im Immobiliensektor und ein fragiles Verbrauchervertrauen das Wachstum belasten. Im Gegensatz dazu tritt Indien offenbar in eine «Goldilocks»-Phase ein, die durch eine starke Binnennachfrage, Finanzreformen, geldpolitische Lockerungen und steigende Reallöhne gestützt wird. Das Wachstum dürfte mit rund 6,5% robust bleiben, während sich die Inflation allmählich in Richtung des Ziels der Zentralbank normalisiert. In anderen Teilen Asiens bleiben die Aussichten eng mit dem globalen Exportzyklus verbunden. Während der Beitrag des Technologiezyklus nach einem starken Jahr 2025 wahrscheinlich nachlassen wird, dürfte eine Erholung der Nicht-Technologie-Exporte, die den Grossteil des Handels in der Region ausmachen, positive Auswirkungen auf die inländischen Investitionen und die Beschäftigung haben.
Reflationäre Tendenzen
In Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika verschiebt sich das Wachstum hin zu einem eher reflationären Profil. Mittel- und Osteuropa profitiert weiterhin von EU-Mitteln und steigenden Verteidigungsinvestitionen, während mögliche politische Veränderungen in Ungarn erhebliche fiskalische Unterstützung freisetzen könnten. Im Nahen Osten stellen niedrigere Ölpreise für einige Produzenten, insbesondere Saudi-Arabien, eine Herausforderung dar, aber die fiskalische Lage bleibt anderswo, insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten, stabil. In Afrika sticht Südafrika hervor, unterstützt durch verbesserte Handelsbedingungen, geldpolitische Lockerung und Haushaltskonsolidierung. Die Aussichten für Lateinamerika werden zunehmend von der Politik geprägt. In mehreren Ländern zeichnet sich eine allmähliche Verlagerung hin zu einer marktfreundlicheren, orthodoxen Wirtschaftspolitik ab, die Investitionen und Reformdynamik unterstützt. Insbesondere Argentinien scheint gut positioniert zu sein, um seine Strukturreformagenda fortzusetzen, während Mexiko bis zum Abschluss der USMCA-Überprüfung wahrscheinlich weiterhin durch Handelsunsicherheiten eingeschränkt sein wird. Aus einer Bottom-up-Perspektive bleiben die Fundamentaldaten der Schwellenländer weiterhin günstig. Die Bilanzen von Staaten und Unternehmen sind im Allgemeinen gesund, die Auslandsverschuldungsquoten stabil und die Verschuldung im Investment-Grade-Unternehmenssegment nahe ihren zyklischen Tiefstständen. Die Rating-Dynamik ist stark, die Ausfallraten bleiben begrenzt und die Risiken scheinen eher auf idiosynkratische als auf systemische Ereignisse ausgerichtet zu sein.
Starke Argumente für Schwellenländer
Auch die technischen Faktoren bleiben günstig. Nach der positiven Entwicklung im Jahr 2025 dürften die Zuflüsse in Hartwährungskredite aus Schwellenländern im Jahr 2026 weiter zunehmen, unterstützt durch lockere Finanzierungsbedingungen, attraktive Diversifizierungsvorteile und im Vergleich zu den Industrieländern nach wie vor überzeugende Bewertungen. Insgesamt erweisen sich die Argumente für ein Engagement in Schwellenländern als überzeugend. Angesichts sich stabilisierender makroökonomischer Bedingungen, robuster Fundamentaldaten, unterstützender technischer Faktoren und potenziell attraktiver risikobereinigter Bewertungen sind die Schwellenländer gut positioniert, um 2026 eine prominentere Rolle in globalen Portfolios zu spielen. Für Anleger liegen die Chancen in einem selektiven Engagement über Regionen, Sektoren und Kapitalstrukturen hinweg.