Besser als erwartet, schlimmer als befürchtet
Die nackten Zahlen sprechen eigentlich eine deutliche Sprache: Es war ein gutes erstes Quartal, besser als man erwarten konnte. Von der befürchteten Rezession ist bislang – trotz aller Risiken – nichts zu sehen. Zu milde war der Winter, zu stark der Arbeitsmarkt und in der Folge der Konsum. Aber auch für Anleger war es ein guter Jahresauftakt.
Praktisch alle Anlageklassen lagen im Plus, teilweise deutlich. Amerikanische und deutsche Staatsanleihen legten um 3% bzw. 2.5% zu, Schweizer Eidgenossen gar um mehr als 4%. Noch besser sieht es auf der Aktienseite aus. Von der Schweiz (SPI +5.9%) über die Eurozone (Euro Stoxx +12.0%) und die USA (S&P 500 +7.5%) bis hin zu Japan (Topix +7.1%) und Asien (MSCI Asia ex Japan +4.3%) legten alle wichtigen Märkte zu.
Thomas Heller, Chief Investment Officer, Belvédère Asset ManagementDie Notenbanken werden die Leitzinsen bis zum Sommer ein letztes Mal erhöhen, zu Zinssenkungen – wie derzeit vom Markt erwartet – wird es hingegen nicht kommen.
Eine gewisse Erholung war nach dem miserablen Anlagejahr 2022 zwar zu erwarten gewesen, das Ausmass hat allerdings überrascht. Die Aktienrally und der Rückgang der langfristigen Zinsen im Januar waren massgeblich geprägt von der Erwartung, die Notenbanken – allen voran die amerikanische Fed – würden ihren Zinserhöhungszyklus früher beenden und im Jahresverlauf die Leitzinsen womöglich bereits wieder senken. Als sich diese Hoffnungen zusehends zerschlugen, wich die Dynamik aus den Märkten. Es folgte ein turbulenter März. Es begann mit der Schieflage der vergleichsweise unbekannten amerikanischen Silicon Valley Bank (SVB) und endete mit der «Zwangsübernahme» der Credit Suisse (CS) durch die UBS. Sowohl um die SVB wie auch um die CS stand es schlechter als befürchtet und führte zu deren Untergang. Ohne das Eingreifen der Notenbanken und weiterer amtlicher Stellen hätte sich das Ganze zu einer echten Bankenkrise ausweiten können. Die Geschichte rund um die CS wird zwar ein politisches und juristisches Nachspiel haben. Für die Märkte ist sie hingegen wohl ausgestanden. Im US-Bankensektor ist zuletzt etwas Ruhe eingekehrt, ganz vom Tisch sind die Risiken allerdings nicht. Das Quartalsende verdeutlichte dennoch einmal mehr, wie schnell die Anleger vergessen. Die Turbulenzen im Finanzsektor haben erneut die Erwartung geweckt, die Fed würde bereits im Juli mit Zinssenkungen beginnen. Diese Zinsphantasie hat wiederum die Aktienmärkte beflügelt und für einen versöhnlichen Quartalsabschluss gesorgt.
Wie geht es nun weiter? Trotz der insgesamt positiven Marktentwicklung im ersten Quartal herrscht keine Euphorie. Die Stimmung wirkt angeschlagen. Gibt es keine weiteren «Unfälle» à la SVB oder CS, halten wir an unserer bisherigen Einschätzung fest: Die Wachstumsabschwächung setzt sich fort, es kommt aber zu keiner Rezession – zumindest nicht in diesem Jahr. Die Inflation geht (langsam) zurück. Die Notenbanken werden die Leitzinsen bis zum Sommer ein letztes Mal erhöhen, zu Zinssenkungen – wie derzeit vom Markt erwartet – wird es hingegen nicht kommen. Für grosse Sprünge an den Aktienmärkten fehlen damit die Auslöser. Trotz aller Unruhen in den letzten Wochen gilt unser Anfang Jahr skizziertes Szenario für Konjunktur und Märkte somit weiterhin. Die Risiken sind allerdings gestiegen.