Neigt sich Teslas goldene Ära dem Ende zu?

Tesla hat den Markt für Elektrofahrzeuge lange Zeit dominiert, doch im Jahr 2025 sieht sich das Unternehmen mit sinkenden Verkaufszahlen, wachsender Konkurrenz und zunehmender Kritik an Elon Musk konfrontiert, so dass sich die Anleger fragen, ob seine goldene Ära zu Ende geht.

Der europäische Markt für Elektroautos boomt, aber Tesla profitiert nicht davon. Während Teslas Verkäufe einbrachen, stieg der Gesamtabsatz von Elektroautos in Deutschland um 54%, was bedeutet, dass das Unternehmen Marktanteile an Volkswagen, Seat und BMW verlor. Branchenanalysten verweisen auf Musks umstrittene politische Unterstützung, insbesondere in Deutschland, wo seine Unterstützung für die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) Teslas umweltbewusste Käufer verprellt hat. In China gingen die Verkäufe von Tesla im Januar um 11,5% zurück, während der Hauptkonkurrent BYD einen Anstieg von 48% verzeichnete. Ein Hauptgrund ist die Technologie und die Preisgestaltung – BYD bietet jetzt fortschrittliche KI-gestützte Selbstfahrfunktionen zu einem Bruchteil des Preises von Teslas Full Self-Driving (FSD) und ist damit eine attraktive Alternative für chinesische Verbraucher.

Das grösste Problem von Tesla ist derzeit die Preisgestaltung.

Jacob Falkencrone, Global Head of Investment Strategy, Saxo Bank

Auch Tesla hatte in China mit regulatorischen Hürden zu kämpfen, die die Einführung seiner selbstfahrenden Technologie verzögerten. In der Zwischenzeit hat BYD durch die Unterstützung der Regierung und die starke lokale Nachfrage einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Sogar in Teslas Heimatmarkt bahnt sich Ärger an. Die Verkäufe in Kalifornien gingen 2024 um 12% zurück, was den fünften Quartalsrückgang in Folge bedeutet. Dies ist ein grosses Warnsignal, da Kalifornien in der Vergangenheit der stärkste Markt für Tesla war. Ein Schlüsselfaktor? Die wachsende Konkurrenz durch etablierte Autohersteller wie Ford, GM und Rivian, die überzeugende neue EV-Modelle zu wettbewerbsfähigen Preisen auf den Markt bringen. Ausserdem hat Musks politische Einstellung viele Käufer in linksgerichteten Staaten wie Kalifornien abgeschreckt.

Das Musk-Problem: Wird der CEO von Tesla zur Belastung?
Elon Musks visionäre Führungsqualitäten waren für den Aufstieg von Tesla von zentraler Bedeutung, aber im Jahr 2025 werden seine politischen und persönlichen Kontroversen aus mehreren Gründen zu einem wichtigen Anliegen der Anleger. Musks enge Beziehung zur Trump-Administration wurde anfangs als potenzieller Vorteil angesehen, vor allem im Hinblick auf eine Lockerung der Vorschriften für selbstfahrende Autos. Sie hat jedoch auch Gegenwind ausgelöst, insbesondere nachdem die Regierung einen 5 Milliarden US-Dollar schweren Plan für die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge abrupt gestoppt hat, was der langfristigen Nachfrage von Tesla schaden könnte. Auch europäische Beamte nehmen eine härtere Haltung gegenüber Tesla ein, möglicherweise als Reaktion auf Musks zunehmendes Engagement in der US-Politik.

Obwohl die Tesla-Aktie im Vergleich zum Vorjahr immer noch im Plus liegt, hat sie sich im Jahr 2025 schlechter entwickelt als der breite Markt. Die Anleger sind zunehmend beunruhigt über Musks geteilten Fokus – er balanciert Führungsrollen bei Tesla, SpaceX, Neuralink und jetzt auch seine umstrittene Rolle in der Trump-Regierung aus. Einige Analysten betrachten Musk inzwischen eher als Risikofaktor denn als Vorteil, da die Marktbewertung von Tesla im Vergleich zu traditionellen Autoherstellern weiterhin extrem hoch ist.

Quellen: Saxo, Bloomberg

Bewertung: Tesla ist jetzt der Nachzügler unter den «Magnificent Seven»
Tesla gehörte lange Zeit zu den «Magnificent Seven», die in den letzten Jahren die Marktgewinne angeführt haben. Im Jahr 2025 ist Tesla nun jedoch der schlechteste Wert in der Gruppe. Die Aktien von Tesla sind seit ihrem Höchststand im Dezember um 25% gefallen und sind damit die schwächste Aktie der «glorreichen Sieben» in diesem Jahr. Andere Mitglieder wie Microsoft, Apple und Nvidia haben sich weiter erholt, während Tesla mit schwachen Umsätzen und den wachsenden Kontroversen um Musk zu kämpfen hat. Selbst nach dem jüngsten Kursrückgang bleibt Tesla die bei weitem teuerste Aktie der «Magnificent Seven» und wird mit einem etwa viermal so hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gehandelt wie der Durchschnitt der übrigen Gruppe. Dies hat bei den Anlegern zunehmend die Sorge geweckt, dass die Bewertung von Tesla angesichts des sich verlangsamenden Wachstums und der Ausführungsrisiken des Unternehmens immer noch zu hoch ist. Die Wall Street ist nach wie vor gespalten: Etwa die Hälfte der Analysten stuft Tesla als Kauf ein, während die andere Hälfte empfiehlt, das Unternehmen zu halten oder zu verkaufen. Trotz der sich abzeichnenden Herausforderungen ist Tesla noch nicht aus dem Rennen.

Das grösste Problem von Tesla ist derzeit die Preisgestaltung. Während die Konkurrenten billigere E-Fahrzeuge auf den Markt bringen, hat Tesla nur langsam ein echtes Massenmarktmodell auf den Markt gebracht. Das könnte sich bald ändern. Tesla plant, bis Mitte 2025 ein Elektroauto für weniger als 30’000 US-Dollar auf den Markt zu bringen, was die Nachfrage in preissensiblen Märkten deutlich ankurbeln könnte. Bei guter Umsetzung könnte dies das Wachstum von Tesla wieder ankurbeln und verlorene Marktanteile zurückerobern. Musk hat wiederholt behauptet, dass das FSD- und Robotaxi-Geschäft von Tesla in Zukunft das wertvollste Segment des Unternehmens sein wird. Trotz der Verzögerungen durch die Behörden und der Skepsis der Verbraucher plant Tesla, noch in diesem Jahr einen kommerziellen Robotaxi-Service anzubieten. Neben den Autos boomt auch das Energiegeschäft von Tesla. Die Produkte Powerwall und Megapack sollen bis 2025 um 50% wachsen und eine stabile Einnahmequelle darstellen.

Für Anleger werden die nächsten 6 bis 12 Monate entscheidend sein. Die Ergebnisse von Tesla im zweiten Quartal, die Fortschritte bei der FSD-Zulassung und die Einführung erschwinglicher Elektroautos werden darüber entscheiden, ob sich die Aktie erholt – oder ob sie weiterhin zu kämpfen hat.

Hauptbildnachweis: Tesla