Hohe Schuldenlast – droht den USA eine Finanzkrise?

Die USA muss in den kommenden Jahren Schulden in Billionenhöhe refinanzieren – und dieses Jahr erst noch zu einem höheren Zinssatz. Das ist für die Regierung von Donald Trump eine Herausforderung.

In den vergangenen Tagen hatten es US-Präsident Donald Trump und sein Berater Elon Musk eilig, die geplante Massenentlassung im Staatsapparat der USA voranzutreiben. Ein Grund dafür ist, dass die USA unter einer billionenschweren Schuldenlast ächzt. Aktuell beläuft sich die Bruttoverschuldung auf rund 36'000 Milliarden US-Dollar, davon sind knapp 28'000 Milliarden US-Dollar als Anleihen ausstehend. Alleine dieses Jahr müsste ein Drittel davon – also 9'000 US-Milliarden Dollar am Kapitalmarkt refinanziert werden (vgl. Grafik).

Refinanzierungsbedarf der USA

Zahlen ohne Berücksichtigung von Neuverschuldungsbedarf. Zahlen für 2036 beziehen sich auf 2036 und die folgenden Jahre. Quelle: Bloomberg

Gemäss Berechnungen des VZ bezahlen die USA derzeit auf diese Anleihen einen durchschnittlichen Zins von 3,1 Prozent. Bei einer Refinanzierung würde jedoch ein höherer Zins von gegen 4,2 Prozent anfallen. Das bedeutet: Die US-Regierung wird zukünftig pro Jahr rund 100 Milliarden US-Dollar mehr Zins bezahlen müssen. Zusätzlich kommt dieses Jahr eine Neuverschuldung von konservativ geschätzten 1'000 Milliarden US-Dollar hinzu. In Anbetracht dieser Zahlen scheinen die bisherigen Sparmassnahmen des Department of Government Efficiency (DOGE) ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein.

Das Problem von Präsident Trump liegt auf der Hand: Zum ohnehin schon hohen Haushaltsdefizit kommen die höheren Finanzierungskosten.

Robert Leitner, Leiter Research, VZ VermögensZentrum

Das Problem von Präsident Trump liegt auf der Hand: Zum ohnehin schon hohen Haushaltsdefizit kommen die höheren Finanzierungskosten. Das setzt Trump unter Druck, eine schnelle Lösung zu finden. Nicht zuletzt forderte er die Notenbank auf, sie solle die Zinsen weiter senken – bislang jedoch ohne Erfolg. Die gute Nachricht ist: Eine Schuldenkrise droht nicht. Dafür haben die USA zu viele Vermögenswerte auf der Haben-Seite. Dazu zählen ihre Goldbestände, die Ländereien, die Infrastruktur, ihr Auslandsvermögen und die Rohstoffreserven. Auch das Besteuerungspotenzial in den USA ist sehr gross. Trump möchte allerdings nicht das Tafelsilber verscherbeln oder das Wirtschaftswachstum gefährden – bis jetzt. Lieber will der Staat bei Ausgaben wie den Beamten und USAID sparen oder die Staatsschulden mit Ideen, wie man das eigene Staatsgebiet vergrössern könnte, verwässern.

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