US-Wirtschaft wächst, obwohl der Jobmotor stottert
Die jüngsten Konjunkturdaten zeichnen ein gemischtes Bild der US-Wirtschaft. Auf der Wachstumsseite stieg der ISM Manufacturing PMI im Juli deutlich auf 55,6 Punkte nach 53,3 Punkten im Juni und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2022.
Der Index misst das Ausmass der von den befragten Unternehmen gemeldeten Verbesserung der Geschäftstätigkeit, wobei ein Wert über 50 auf eine Expansion des Sektors hindeutet. Noch wichtiger ist, dass die Verbesserung breit abgestützt war: Die Produktionskomponente sprang auf 58,5 Punkte, die Auftragseingänge stiegen auf 56,7 Punkte, während sowohl die Auftragsbestände als auch die Exportaufträge um jeweils 4,5 Punkte zulegten. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass das verarbeitende Gewerbe, das lange unter einer schwächeren Nachfrage und der restriktiven Geldpolitik gelitten hatte, seine Rolle als Wachstumstreiber allmählich wieder aufnimmt. Gleichzeitig erfolgt die Erholung vor dem Hintergrund weiterhin solider Produktivitätszuwächse und moderater Lohnstückkosten, was auf eine Verbesserung der Angebotsseite ohne unmittelbares Wiederaufflammen des Inflationsdrucks schliessen lässt. Mit anderen Worten: Die US-Wirtschaft scheint weiterhin in der Lage zu sein, reales Wachstum zu generieren. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass das verarbeitende Gewerbe, das lange unter einer schwächeren Nachfrage und der restriktiven Geldpolitik gelitten hatte, seine Rolle als Wachstumstreiber allmählich wieder aufnimmt. Gleichzeitig erfolgt die Erholung vor dem Hintergrund weiterhin solider Produktivitätszuwächse und moderater Lohnstückkosten, was auf eine Verbesserung der Angebotsseite ohne unmittelbares Wiederaufflammen des Inflationsdrucks schliessen lässt. Mit anderen Worten: Die US-Wirtschaft scheint weiterhin in der Lage zu sein, reales Wachstum zu generieren.
Arthur Jurus, Chief Investment Officer, ODDO BHFDie US-Wirtschaft scheint weiterhin in der Lage zu sein, reales Wachstum zu generieren.
Demgegenüber sendete der Arbeitsmarktbericht für Juli deutlich besorgniserregendere Signale hinsichtlich der Verfassung der US-Wirtschaft. Die Zahl der Beschäftigten ausserhalb der Landwirtschaft ging um 23’000 Stellen zurück und blieb damit deutlich hinter den Markterwartungen zurück, die mit einem Zuwachs von rund 80’000 Stellen gerechnet hatten. Über diese negative Überraschung hinaus deuten die Abwärtsrevisionen für Mai und Juni in Höhe von insgesamt 103’000 Stellen darauf hin, dass die Abschwächung des Arbeitsmarktes stärker ausfällt als bisher angenommen. Der Dreimonatsdurchschnitt des Beschäftigungsaufbaus liegt nun nur noch bei 20’000 Stellen, verglichen mit mehr als 100’000 vor den Revisionen. Dies deutet darauf hin, dass sich die USA einem nahezu stagnierenden Beschäftigungswachstum nähern. Zwar sank die Arbeitslosenquote leicht auf 4,1%, diese Verbesserung ist jedoch vor allem auf einen Rückgang der Erwerbsbevölkerung und nicht auf eine tatsächliche Stärkung des Arbeitsmarktes zurückzuführen. Darüber hinaus hat sich das Lohnwachstum spürbar verlangsamt, was auf nachlassende Anspannungen am Arbeitsmarkt hindeutet. Vor diesem Hintergrund passten die Investoren ihre Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik an: Die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September fiel von 64% auf 43%, da die Märkte zunehmend davon ausgehen, dass eine weitere Straffung die bereits sichtbare Abschwächung der Arbeitsnachfrage verstärken könnte.
Arthur JurusDemgegenüber sendete der Arbeitsmarktbericht für Juli deutlich besorgniserregendere Signale hinsichtlich der Verfassung der US-Wirtschaft.
Die zunehmende Divergenz zwischen den Aktivitätsindikatoren aus den Unternehmensumfragen und den offiziellen Arbeitsmarktdaten zählt derzeit zu den wichtigsten Themen für Investoren. Einerseits deutet der starke Anstieg des ISM-Index darauf hin, dass die wirtschaftliche Aktivität robust bleibt und die Unternehmen weiterhin von einer Verbesserung bei Aufträgen und Produktion profitieren. Andererseits sprechen die deutlich schwächeren Beschäftigungsdaten, die negativen Revisionen der Vormonate sowie das nachlassende Lohnwachstum für eine vorsichtigere Personalpolitik der Unternehmen. Diese Konstellation könnte auf einen Wandel des wirtschaftlichen Umfelds hindeuten: Anstatt auf einen abrupten Nachfragerückgang zu reagieren, scheinen die Unternehmen ihre Produktion durch Produktivitätssteigerungen erhöhen zu wollen, während sie gleichzeitig ihre Personalbestände stabil halten. Die zentrale Frage für die kommenden Monate wird daher sein, ob die Schwäche am Arbeitsmarkt begrenzt bleibt oder allmählich auf den privaten Konsum übergreift, der nach wie vor die wichtigste Stütze des US-Wachstums darstellt. Für die Federal Reserve erschwert diese Situation die geldpolitische Steuerung erheblich: Die Widerstandsfähigkeit der Konjunktur spricht gegen eine schnelle Lockerung der Geldpolitik, während die schrittweise Abschwächung des Arbeitsmarktes die Argumente für weitere Zinserhöhungen schwächt. Insgesamt scheint sich die US-Wirtschaft in Richtung einer sanften Landung zu bewegen, deren Glaubwürdigkeit jedoch massgeblich davon abhängen wird, ob sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Quartalen stabilisiert.
Für Investoren besteht die wichtigste Erkenntnis dieser Daten darin, dass die US-Wirtschaft in eine Phase moderateren Wachstums eintritt, ohne dass derzeit Anzeichen für einen ausgeprägten wirtschaftlichen Abschwung erkennbar sind. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit über den zukünftigen Kurs der Geldpolitik hoch und dürfte die Volatilität an den Anleihemärkten aufrechterhalten. In diesem Umfeld erscheint ein aktives Durationsmanagement weiterhin sinnvoll, zumal die langfristigen US-Renditen durch strukturelle Faktoren wie steigende Staatsdefizite, Investitionen in künstliche Intelligenz, die Energiewende, Infrastrukturprojekte sowie höhere Verteidigungsausgaben dauerhaft erhöht bleiben könnten.
An den Aktienmärkten stützen die robuste Konjunkturentwicklung und die anhaltend hohen Produktivitätszuwächse weiterhin die Gewinnaussichten der Unternehmen. Gleichzeitig veranlasst die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft die Marktteilnehmer jedoch dazu, ihre Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Zinssenkungen nach unten anzupassen, wodurch die Realzinsen auf einem erhöhten Niveau bleiben. Auch wenn dieses Umfeld grundsätzlich mit weiterem Gewinnwachstum vereinbar ist, begrenzt es die Möglichkeit einer zusätzlichen Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren. Die weitere Entwicklung der Aktienmärkte dürfte daher stärker von der Gewinnentwicklung der Unternehmen als von einer durch sinkende Zinsen getriebenen Neubewertung der Bewertungen abhängen.
[Dieser Artikel wurde gemeinsam mit Paula Achim verfasst.]