Zinspause in den USA, Zinsrisiken in der Schweiz
Die US-Notenbank Fed lässt ihre Leitzinsen unverändert. Gemäss Migros Bank entsteht daraus kein unmittelbarer Handlungsdruck für die Schweizerische Nationalbank (SNB). «Eine erste SNB-Zinserhöhung erwartet wir weiterhin frühestens Mitte 2027», sagt Santosh Brivio. Für den Leiter des Economic Research der Migros Bank ist die Pause in den USA allerdings kein Signal für sinkende Schweizer Finanzierungskosten: «Erhöhte oder weiter steigende Kapitalmarktzinsen bleiben ein Risiko», hält er fest.
Die amerikanische Notenbank Fed belässt ihr Leitzinsband bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Damit bestätigt sie die Erwartungen der Migros Bank. «Nach der Erhöhung im September wartet die Fed zunächst ab, wie sich die bereits erfolgte Straffung auf die Wirtschaft auswirkt. Angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks hält sie sich weitere Zinserhöhungen offen», so Brivio.
Santosh Brivio, Leiter Economic Research, Migros BankEine erste SNB-Zinserhöhung erwartet wir weiterhin frühestens Mitte 2027.
Für die Schweizer Geldpolitik steht jedoch die eigene Ausgangslage im Vordergrund. Mit einer Jahresteuerung von 1,0 Prozent im September liegt die Inflation weiterhin im Bereich der Preisstabilität. «Die SNB muss die amerikanische Inflation nicht mit Schweizer Zinsen bekämpfen. Entscheidend sind die Preisentwicklung hierzulande und der Franken – nicht der Sitzungskalender der Fed», urteilt Santosh Brivio.
Schweizer Zinsen: «Die Pause ist kein Rabattversprechen»
Ein vorerst unveränderter Schweizer Leitzins bedeutet allerdings nicht, dass auch die Finanzierungskosten am Kapitalmarkt stabil bleiben oder sinken. Insbesondere bei längerfristigen Finanzierungen bleibt das internationale Zinsumfeld relevant. Die erste Marktreaktion auf den Fed-Entscheid unterstreicht diese Unterscheidung: Während die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen von rund 4,77 auf 4,70 Prozent sank, stieg die zehnjährige Rendite leicht auf etwa 5,04 Prozent. Die kurzfristigen Zinssorgen nahmen damit etwas ab, die Unsicherheit am langen Ende blieb bestehen. «Eine Zinspause in Washington ist noch kein Rabattversprechen für Schweizer Hypotheken», sagt Brivio. «Die SNB kann stillhalten, während die längerfristigen Finanzierungskosten unter Druck bleiben.» Eine automatische oder gleich starke Übertragung der amerikanischen Zinsentwicklung auf Schweizer Hypothekar- und Sparzinsen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Der Franken bleibt die entscheidende Verbindung
Für die Schweiz ist der Wechselkurs ein zentraler Übertragungskanal der amerikanischen Geldpolitik. Entsprechend betont Brivio: «Die grosse Zinsdifferenz stützt grundsätzlich den Dollar gegenüber dem Franken. Eine weitere US-Zinserhöhung könnte diesen Effekt verstärken. Ein schwächerer Franken verteuert allerdings die Einfuhren und kann damit den Inflationsdruck in der Schweiz erhöhen.» Für den Experten ist klar: «Der Franken ist für die SNB keine Nebensache, sondern Teil der geldpolitischen Gleichung. Eine Abschwächung verteuert die Importe. Eine erneute Flucht in den Franken würde dagegen Deviseninterventionen wieder stärker in den Fokus rücken.» Die SNB muss deshalb die Wechselkursentwicklung und die heimischen Inflationsaussichten gemeinsam beurteilen. Ein weiterer Zinsschritt der Fed wäre für sich allein kein Grund, die Schweizer Leitzinsen ebenfalls anzuheben.
Migros Bank erwartet weitere US-Zinsschritte
Die amerikanische Ausgangslage bleibt widersprüchlich: Einer überraschend hohen September-Inflation steht ein Beschäftigungszuwachs von lediglich 29’000 Stellen gegenüber. Gleichzeitig halten Zölle, Energiepreise und der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz den Preisdruck aufrecht. Zwei Mitglieder des Fed-Entscheidungsgremiums sprachen sich bereits heute für eine weitere Zinserhöhung aus. Das Economic Research der Migros Bank erwartet noch einen Fed-Zinsschritt bis Ende 2026 und einen zusätzlichen im ersten Quartal 2027. Danach dürfte der Spielraum für weitere Erhöhungen begrenzt sein, zumal die Bank mit einer Abschwächung des US-Wachstums rechnet. «Die Fed kauft sich Zeit, sie gibt noch keine Entwarnung», resümiert Brivio. «Für die Schweiz heisst das: geldpolitisch eigenständig bleiben – und bei Franken und Kapitalmarktzinsen wachsam.»