Julius Bär und die Kunst, aus Fehlern zu lernen – irgendwann
Fünf Enforcementverfahren in weniger als zehn Jahren. Bei Julius Bär darf man inzwischen von einer eingespielten Zusammenarbeit mit der FINMA sprechen. Nur beim eigentlichen Lernprozess scheint die Bank etwas mehr Anlauf zu benötigen. Die Aufsicht attestiert erneut schwere Mängel bei Risikomanagement, Kreditvergabe und Geldwäschereibekämpfung. Man kennt das Muster – nur die Fälle wechseln.
Im Zentrum stehen zwei Kapitel. Erstens das Private-Debt-Geschäft: Julius Bär vergab acht Kredite an einen europäischen Konzern und dessen Gründer, deren Volumen zeitweise über 1 Milliarde Franken lag – obwohl Strukturen, Kontrollen und Personal dafür laut FINMA nicht ausreichten. Interne Limiten wurden ignoriert, Klumpenrisiken nicht korrekt gemeldet und Warnsignale grosszügig übersehen. Das Resultat: Ein Engagement von 586 Millionen Franken musste vollständig abgeschrieben werden.
FINMADie hat FINMA schwere Verletzungen der geldwäschereirechtlichen Pflichten und schwere Mängel im damit verbundenen Risikomanagement festgestellt.
Zweitens die Geldwäscherei-Compliance bei Kunden im Umfeld zweier russischer Kunden, die als Political Exposed Persons (PEPs) besonderen Sorgfaltspflichten seitens der Bank unterliegen. Die Herkunft der Vermögen wurde unzureichend geprüft, negative Medienberichte und verdächtiges Verhalten nicht kritisch genug gewürdigt, Meldepflichten wurden verletzt. Besonders bemerkenswert: Eine KYC-Ausnahme wurde mit der Empfehlung eines Mitarbeiters begründet, der enge persönliche Beziehungen zur Familie des Kunden unterhielt. Compliance ist eben eine Frage der Perspektive – und offenbar manchmal auch der Bekanntschaft.
Die FINMA reagiert mit einem umfangreichen pädagogischen Programm: 250 Millionen Franken zusätzliche Eigenmittel, Genehmigungspflicht für Ausschüttungen, Berichte über Risiko- und Compliance-Kultur bis 2032 und rund 10 Millionen Franken Gewinnabgabe. Das Private-Debt-Geschäft wurde eingestellt, die Kontrollen wurden verstärkt und das Management weitgehend erneuert. Nach fünf Verfahren darf man hoffen, dass diesmal tatsächlich etwas hängen bleibt.
Zumindest hat Julius Bär inzwischen verstanden, dass sich gewisse Geschäftsmodelle nicht allein mit Ertrag, Wachstum und einem freundlichen Kundenberater betreiben lassen. Ob diese Erkenntnis auch in den hinteren Reihen der Organisation angekommen ist, wird die FINMA bis 2032 überprüfen.
Das Verfahren ist damit abgeschlossen. Die Geschichte noch nicht: Gegen drei ehemalige Mitarbeitende laufen bereits weitere Verfahren. Bei Julius Bär bleibt also immerhin eines konstant: Die nächste Lektion ist schon angekündigt.