Vermögen am Golf suchen eine neue Heimat
Die Kämpfe am Persischen Golf dürften bei den dort liegenden Vermögen zu einem Aderlass führen. Nutzniesser wären andere Offshore-Plätze wie Singapur, Hongkong und die Schweiz.
Ende Februar begann der Krieg zwischen den USA und Israel mit dem Iran am Persischen Golf. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) wurden in die Kämpfe hineingezogen, die Bilder verschreckter Ausländer in Dubai und Abu Dhabi gingen um die Welt. Nun zeigt sich: Ihre Verunsicherung führt offenbar zu grösseren Vermögenstransfers. Sicher ist sicher. Hauptprofiteure dürften die grossen Offshore-Finanzplätze Hongkong, Singapur und die Schweiz sein. Für Singapur berichtet die Zeitung Straits Times, im März hätten die dort gehaltenen Einlagen gegenüber dem Vorjahresmonat um 66,2 Milliarden Singapur Dollar oder umgerechnet 40 Milliarden Franken auf 2,1 Billionen Singapur Dollar zugenommen. Für die Hälfte des Anstiegs, einem Plus von gut 5 Prozent, zeichneten dabei sogenannte «non-resident deposits» verantwortlich.
Auch Gold wird abgezogen
Das ist vorläufig nur eine Kurzzeitaufnahme. Ob daraus ein Trend wird, bleibt offen. Allerdings erreichte die Einfuhr von Gold, der klassischen Vorsichtskomponente von Geldanlegern, aus den Emiraten dem Bericht zufolge ein Fünf-Jahres-Hoch von knapp 1500 Kilo im Wert von 220 Millionen US-Dollar. Zuvor hatte schon die Agentur Reuters von Fluchtgedanken vor allem asiatischer Anleger näher zu ihren Heimatländern berichtet. Noch 2025 zeigten Dubai und Abu Dhabi mit 11,1 Prozent Wachstum der Offshore-Vermögen eine besonders kräftige Dynamik. Hongkong schaffte 10,7 Prozent, Singapur 10,3 Prozent und die Schweiz mit ihrer stärkeren Konzentration auf Europa 7,6 Prozent, gibt die Unternehmensberatung Boston Consulting in ihrer jüngsten Studie zu diesem Thema an.
Jürgen Dunsch, Wirtschaftsjournalist FAZ et al.Die jährliche Studie der Boston Consulting Group platziert für Ende 2025 Hongkong mit 2,95 Billionen Dollar gebuchter Vermögen erstmals, wenn auch nur hauchdünn vor der Schweiz (2,94 Billionen Dollar).
Singapur liegt hierbei nahe, gilt sie doch als die Schweiz Asiens. Zuletzt hatte die Kreditbewertungsagentur Fitch im April das AAA Rating für den Stadtstaat erneuert. Auch die stabilen Aussichten wurden bestätigt. Das solide Bankensystem ist dabei eingebettet in eine starke politische Struktur.
Hongkong erstmals vor der Schweiz
Neben Singapur lockt offenbar Hongkong überdurchschnittlich viele Gelder vor allem von reichen Chinesen an. Geld ist bekanntermassen ein flüchtiges Gut, es zieht schneller um als die Anleger. Hongkong, die Schweiz und Singapur sind die drei grössten Offshore-Finanzplätze auf der Welt und liegen in dieser Kategorie deutlich vor den USA. Die Vereinigten Arabischen Emirate rangieren auf Platz sieben. Die langfristigen Perspektiven sind dabei noch wichtiger als die kurzfristigen Bewegungen. Die jährliche Studie der Boston Consulting Group platziert für Ende 2025 Hongkong mit 2,95 Billionen Dollar gebuchter Vermögen erstmals, wenn auch nur hauchdünn vor der Schweiz (2,94 Billionen Dollar). 2030 sollen die Chinesen die Europäer dann klar auf den zweiten Rang verwiesen haben.