Fünf Grundsätze für die Geldanlage im Jahr 2025

2025 dürfte sich das Investmentumfeld rasant ändern. Die Konjunkturaussichten dürften sich verbessern, vor allem in den USA, und in vielen Branchen könnten sich interessante Chancen ergeben, beispielsweise in der Industrie und im Energiesektor. Viele Investoren haben jedoch noch immer Bedenken. Dabei sind die langfristigen Aussichten gut. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir fünf Grundsätze, die Anleger bei der Geldanlage im Jahr 2025 und darüber hinaus im Kopf behalten sollten.

No 1: Willkommen in der Benjamin-Button-Wirtschaft
In dem Film «Der seltsame Fall des Benjamin Button» aus dem Jahr 2008 wird der Protagonist immer jünger. Aus einem alten Mann wird ein Baby. Die US-Konjunktur scheint dieselbe Entwicklung zu nehmen – mit sehr realen Auswirkungen für Investoren. Statt der üblichen vier Zyklusphasen, wie wir sie seit der Nachkriegszeit kennen, scheint für die US-Wirtschaft auf die Spätphase jetzt wieder die mittlere Phase zu folgen. In einer mittleren Zyklusphase steigen in der Regel die Unternehmensgewinne, die Kreditnachfrage nimmt zu, der Kostendruck lässt nach, und die Geldpolitik neutralisiert sich allmählich. All dies haben wir 2024 erlebt. Ich glaube, dass den USA jetzt ein mehrjähriger Aufschwung bevorsteht. Vielleicht lässt sich die Rezession noch bis 2028 vermeiden. Für US-Aktien sind dies gute Aussichten: In der Vergangenheit sind sie in mittleren Phasen um durchschnittlich 14 Prozent p.a. gestiegen – erheblich stärker als in Spätphasen.

No 2: Neue Wachstumsphase durch die Renaissance der Industrie
Die Produktivität der US-Industrie steigt wieder. Überall in den USA werden Investitionen getätigt, die die lokale Wirtschaft ankurbeln und von denen ausgewählte Unternehmen profitieren. Ein Beispiel ist der Ausbau einer Halbleiterfabrik von TSMC in Arizona für 65 Milliarden US-Dollar, wodurch Tausende von Arbeitsplätzen in der Fertigung und auf dem Bau entstehen dürften. Derlei Investitionen finden sich jedoch nicht nur in den USA. Europa kommt der Bau neuer Datenzentren, die steigende Reisenachfrage und der Ausbau erneuerbarer Energien europäischen Industriekonzernen zugute. Und in den Emerging Markets sorgt die Repatriierung der Lieferketten für das Entstehen neuer Handelszentren. Diese Trends sorgen auf Jahrzehnte für Anlagechancen, und wir stehen erst am Anfang. Grosse leistungsfähige Industriekonzerne in den USA und Europa festigen ihre Präsenz in Bereichen, die weltweit langfristiges Wachstum in Aussicht stellen.

Langfristig sind die Märkte stabil. Und in der Regel sind Investoren belohnt worden, wenn sie kurzfristige Unsicherheiten ignoriert und an ihren langfristigen Zielen festgehalten haben.

Jeremy Chapuis, Financial Intermediaries Switzerland, Capital Group

No 3: KI-Megatrend könnte die Aktienkurse auf Jahre hinaus in die Höhe treiben
Künstliche Intelligenz begeistert die Öffentlichkeit und Investoren gleichermassen und weckt Zukunftsfantasien. Völlig überbewertet? Wahrscheinlich. Künftig noch mehr Chancen? Wahrscheinlich auch das. Die Märkte neigen dazu, Megatrends kurzfristig über- und langfristig zu unterschätzen. Eine der spannendsten Eigenschaften von KI ist, dass man ihre künftige Bedeutung nur schwer abschätzen kann. Sie kann unzählige menschliche Aufgaben übernehmen. Der Markt kann daher extrem gross werden. Hinzu kommt: Der Ausbau der Datenzentren erfordert enorme physische Ressourcen, darunter Kupfer und viel Strom. Die wachsende Nachfrage danach ist ein Segen für Unternehmen aus traditionellen Wirtschaftszweigen, beispielsweise Versorger, Industrieunternehmen und Bergbaugesellschaften.

No 4:
Neue Therapien sorgen für ein goldenes Zeitalter der Gesundheitsversorgung
2025 werden nach unserer Einschätzung Pharmaunternehmen genau unter die Lupe genommen. Nach den US-Wahlen im letzten Jahr hat die Unsicherheit im Zusammenhang mit der künftigen Regulierung des Sektors für einen starken Rückgang bei Gesundheitsaktien gesorgt. Aber nach diesem Ausverkauf sind viele Titel nun günstig bewertet, und daraus ergeben sich Chancen für langfristige Investoren. Dazu zählen beispielsweise Pharmaunternehmen oder Arzneimittelhersteller, die der Markt übersehen hat, weil sie keine Mittel zum Abnehmen anbieten. Wir halten insbesondere Ausschau nach Anlagen in Dividendenzahler, die der Markt bislang vernachlässigt hat. Die grössten Pharmakonzerne haben mehr als 200 Arzneimittel in der Pipeline. In den nächsten zehn Jahren könnten Therapien gegen Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Sichelzellenanämie und Muskeldystrophie entstehen. Wir stehen möglicherweise am Anfang eines goldenen Zeitalters der Gesundheitsversorgung – für Patienten wie Investoren.

No 5:
Es gibt immer Gründe, nicht zu investieren
Es gab und gibt es immer gute Gründe, gerade jetzt nicht zu investieren. Die Vergangenheit zeigt jedoch: Langfristig sind die Märkte stabil. Und in der Regel sind Investoren belohnt worden, wenn sie kurzfristige Unsicherheiten ignoriert und an ihren langfristigen Zielen festgehalten haben. Was wäre passiert, wenn Sie am Neujahrstag 2020 alle heraufziehenden Probleme ignoriert hätten und investiert geblieben wären? Seitdem ist der S&P 500 Index immerhin um über 100 Prozent gestiegen.

Hauptbildnachweis: Freepik