Künstliche Intelligenz befeuert nachhaltige Finanzen
Wie kann Künstliche Intelligenz (KI) zu mehr Nachhaltigkeit in der Schweizer Finanzindustrie beitragen? Ein neuer Bericht von Swiss Sustainable Finance (SSF) untersucht den Einsatz von KI entlang eines «Daten-Entscheidungs-Ablaufs». Die sich neu eröffnenden Möglichkeiten werden mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis und Forschung veranschaulicht.
Der neueste SSF-Bericht untersucht, wie Künstliche Intelligenz (KI) zu mehr Nachhaltigkeit in der Schweizer Finanzindustrie beiträgt. Diese Technologie wird im Finanzbereich bereits seit Jahren eingesetzt, zum Beispiel beim Erstellen von Risikomodellen oder zur Betrugsaufdeckung. In der nachhaltigen Finanzwirtschaft gewinnen KI-Anwendungen nun rasant an Bedeutung.
Romain Leroy-Castillo, Director Artificial Intelligence and Education, Swiss Sustainable Finance (SSF)Analysten können jetzt plausibilisieren, ob Nachhaltigkeitsaussagen von Unternehmen zutreffen, welche Auswirkungen Green Bonds haben, oder welcher Fortschritt bei einem CO2-Projekt tatsächlich nachweisbar ist.
Es gibt aber noch kaum Publikationen, welche den Nutzen der Technologie für alle Finanzbereiche erläutern. Sabine Döbeli, CEO SSF, freut sich, diese Lücke zu schliessen. «Wir untersuchen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz entlang eines «Daten-Entscheidungs-Ablaufs». Dieser Aufbau erlaubt, KI-Anwendungen über verschiedene Geschäftsbereiche hinweg einheitlich abzubilden. Leserinnen und Leser erhalten Einblick in komplexe Anwendungsbereiche und anhand praktischer Beispiele Anregungen für den Einsatz im eigenen Bereich.» SSF hat für die Erstellung des Berichts mit zahlreichen Experten aus Forschung und Praxis gearbeitet.
Zugang zu neuen Daten dank generativer KI
Die Möglichkeiten der KI-Instrumente entwickeln sich rasant. Bis vor kurzem undenkbar, heute Realität: Nützliche Daten lassen sich aus Unternehmensberichten, Memos, Videos, Bildern, Tonnachrichten und Sozialen Medien ziehen, filtern und aufbereiten. Die Fortschritte der generativen KI machen es möglich, innert kürzester Zeit riesige Datenmengen zusammenzutragen und daraus die relevanten Informationen zu extrahieren. «Der Zugang zu verschiedensten Datenquellen ermöglicht neue Auswertungen und Analysen», erklärt Romain Leroy-Castillo, Director Artificial Intelligence and Education, und Autor des Berichts. «Analysten können jetzt zum Beispiel plausibilisieren, ob Nachhaltigkeitsaussagen von Unternehmen zutreffen, welche Auswirkungen Green Bonds haben, oder welcher Fortschritt bei einem CO2-Projekt tatsächlich nachweisbar ist. Das wird die Glaubwürdigkeit von nachhaltigen Finanzen stärken.»
Zusammenarbeit von Mensch und Maschine
Der Theorieteil wird mit praxisbezogenen Beispielen ergänzt. Die befragten Finanzunternehmen und Forschungsinstitute gewähren Einblick in ihre Projekte und ihr Vorgehen in der Praxis. Ob es sich um «die Vereinfachung des Bewertungsprozesses der doppelten Wesentlichkeitsprüfung» oder «Satellitenbilder und Computervision zur Bewertung der gefährdeten biologischen Vielfalt handelt» – sämtliche Beispiele belegen, dass KI Arbeitsabläufe substanziell vereinfacht, beschleunigt oder sogar beides. Romain Leroy-Castillo weist auf einen entscheidenden Umstand hin: «Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben betont, dass in ihren Projekten die Menschen entscheidend bleiben, für die Prozessabwicklung oder in der Leitung derselben.» KI-Modelle werden in Zukunft wesentlich verfeinert werden, davon ist der Autor überzeugt. Auch von handelnder KI (agentic AI) werde einiges erwartet, doch noch seien die meisten Anwendungen in den Kinderschuhen. Bereits jetzt diskutiert werden müssten Fragen der Ethik und Verantwortlichkeit. Der Bericht bietet dafür eine gute Ausgangslage. Wer die Geschichte der Technologie nachlesen möchte, findet dazu im Studienanhang einen Überblick.
Der SSF-Bericht «How Artificial Intelligence Contributes to Effective Sustainable Finance» findet sich hier.