Zürcher Lebensqualität unter der Lupe

Die Menschen zieht es in die Städte. Gerne werben diese mit ihrer Lebensqualität. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Wer von Lebensqualität in den Städten redet, kommt leicht ins Fabulieren. Da geht es um die Qualität der Gastronomie, die Wohnsituation oder auch um die Anfahrtszeit zum Arbeitsplatz. Der Wohlfühl-Faktor ist eben sehr subjektiv. Dennoch werden immer wieder entsprechende Rankings veröffentlicht. Das sind Hinweise auf Lebensqualität, aber sie unterschlagen regelmässig so wichtige Faktoren wie die soziale Anbindung oder die Nähe zu interessanten Ausflugszielen. Auch zwei jüngst veröffentlichte Studien so unterschiedlicher Adressen wie das Lifestyle-Magazin «Monocle» und die Deutsche Bank Research leiden darunter. Immerhin liefern sie Anhaltspunkte, wie angenehm es sich in einer Stadt lebt.

Zürich mit einigen Schattenseiten
Das wichtigste Element vorweg. Zürich und Genf rangieren wie bei den früheren Erhebungen in den Top 10. Eitel Sonnenschein herrscht dennoch nicht. Für die Deutschbanker, die in ihrer Studie «Mapping the World`s Prices» insgesamt 69 Städte untersucht haben, sind die beiden Schweizer Metropolen – gemessen an der Lebenshaltung – die beiden teuersten Pflaster. Allerdings liegen sie auch bei den Gehältern nach Steuern und Mieten ganz vorne. Gelobt wird des Weiteren die feste Währung sowie die niedrige Inflation.

Zürich und Genf rangieren wie bei den früheren Erhebungen in den Top 10. Eitel Sonnenschein herrscht dennoch nicht.

Jürgen Dunsch, Wirtschaftsjournalist FAZ et al.

Der «Quality of Life Survey» von Monocle, der in der 19. Ausgabe im Wesentlichen auf den Rückmeldungen von Mitarbeitern in 40 Städten rund um den Globus beruht, ortet die Wohnsituation als grössten Schwachpunkt in Zürich. Hingegen sei der öffentliche Nahverkehr von Weltklasse. Das Magazin formuliert darüber hinaus zwei konkrete Ratschläge. Demnach sollte die Schweizer Wirtschaftsmetropole grundsätzlich Sonntagsverkäufe gestatten. Zugleich seien die Restaurants am späteren Abend ein Trauerspiel. Ein richtiges Essen nach 22 Uhr zu bekommen, stelle in der Stadt vielfach eine Herausforderung dar. Beide Studien platzieren Wien auf Rang vier in ihren Hitlisten und damit etwas besser als Zürich (Platz sechs bei Monocle und acht bei der Deutschen Bank). Deutsche Bank Research hebt dabei das Gesundheitssystem, den öffentlichen Verkehr, das zahlreiche Grün in der Stadt sowie die hohe Sicherheit hervor. Monocle in seinem betont subjektiven Ansatz betont die traditionelle Willkommenskultur der Wiener. Lob erhalten die zahlreichen Food-Festivals. Wer es individueller mag, der kann die Weinstuben und die «exzellenten» städtischen Freibäder besuchen. Der eingeschränkte Sonntagsverkauf lässt dagegen wie in Zürich zu wünschen übrig.

Grosses Lob für Tokio
Und wie sieht es in Tokio aus, bei der Deutschen Bank nicht in der Spitzengruppe, für Monocle indes die klare Nummer eins? In unsicheren Zeiten sei Japans Hauptstadt ein Hort von Stabilität, Ruhe und Sicherheit, lobt der Korrespondent des Magazins. Trotz seiner Grösse sei der Zehn-Millionen Moloch geprägt «von einem altmodischen Gemeinschaftsgefühl», führt er weiter aus. Kurz gefasst: eine Metropole mit Manieren. Auch Tokio hat Verbesserungsbedarf. So könnten die vielen Einkaufsviertel noch besser herausgeputzt werden. Ein No-Go sind für Monocle die immer zahlreicheren Speisekarten auf QR-Basis. Sie trübten das Gastro-Erlebnis im jeweiligen Restaurant. Habhafter als die Korrespondentenberichte sind die statistischen Angaben im jeweiligen Anhang. Mit 57 Prozent liegt der Pendleranteil im öffentlichen Verkehr ungefähr so hoch wie in Zürich. Unschlagbar niedrig ist hingegen die Mordrate, die mit 0,23 Personen per 100'000 Menschen angegeben wird. Entsprechend harte Daten für Zürich gibt es nicht, Fachleute siedeln die Rate im niedrigen einstelligen Bereich an.

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