Warum eine Allokation in globale Fixed-Income-Strategien im heutigen Marktumfeld sinnvoll ist

Anleger sehen sich mit einem zunehmend komplexen und unvorhersehbaren makroökonomischen Umfeld konfrontiert. Sich verändernde Inflationsmuster, geopolitische Spannungen, divergierende Wachstumsraten und eine fluktuierende Geldpolitik sind nur einige der Kräfte, die die globale Anlagelandschaft aktuell umgestalten.

Das makroökonomische Umfeld ist unsicherer geworden. Anleger sollten sich deshalb auf verschiedene mögliche Entwicklungen im weiteren Jahresverlauf vorbereiten und mit ihren Portfolios flexibel darauf reagieren können. Globale Fixed-Income-Strategien bieten aus unsere Sicht nicht nur eine enorme Bandbreite an Anlagemöglichkeiten, sondern können zudem die Robustheit und Diversifizierung eines Portfolios verbessern.

Mehr Diversifikation
Für eine globale Fixed-Income-Strategie, gegenüber einem regional begrenzteren Ansatz, spricht nicht nur der Zugang zu einem Mehr an Wertpapieren: Die Stärke eines global diversifizierten Rentenportfolios liegt in der Fähigkeit, auf sehr unterschiedliche Rendite- und Risikotreiber zugreifen zu können. So gibt es häufig Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften und damit den Märkten in Bezug auf Inflation, makroökonomisches Umfeld und Stadium innerhalb des Zyklus.

In den letzten zehn Jahren hat sich das investierbare Fixed-Income-Anlageuniversum drastisch erweitert. Heute sind über 70 Emerging Markets in den Indizes enthalten, während es vor zehn Jahren gerade mal 20 waren.

Peter Becker, Fixed Income Investment Director, Capital Group

Diese Unterschiede ermöglichen es einem aktiven globalen Fixed-Income-Manager, robuste und diversifizierte Portfolios aufzubauen. Denn mit diesen Unterschieden kann die Korrelation zwischen globalen festverzinslichen Sektoren reduziert werden, die dann häufig gering oder manchmal sogar negativ sein kann. So bewegen sich beispielsweise Staatsanleihen der Industrieländer aus Asien, Europa und Nordamerika oft unabhängig voneinander, und zwar noch stärker als Hochzinsanleihen oder Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern. Bestimmte Paare, wie europäische Staatsanleihen und Schwellenländerwährungen, haben sogar die Tendenz, sich in entgegengesetzte Richtungen zu bewegen, was ihr Potenzial zum Risikoausgleich innerhalb eines Portfolios unterstreicht.

Ausweitung der globalen Anlagemöglichkeiten
In den letzten zehn Jahren hat sich das investierbare Fixed-Income-Anlageuniversum zudem drastisch erweitert – beispielsweise mit Blick auf die Schwellenländer. Heute sind über 70 Emerging Markets in den Indizes enthalten, während es vor zehn Jahren gerade mal 20 waren. In vielen dieser Länder haben sich tiefe und liquide lokale Anleihemärkte entwickelt, oft ohne Bindung an den US-Dollar mit frei schwankenden Währungen. Globale Anleger haben dadurch Möglichkeiten, Mehrwert zu erzielen und ihr Portfolio zu diversifizieren. Auch der Aufstieg Chinas und Indiens zu wichtigen Akteuren in globalen Anleiheindizes hat dem globalen Anleihe-Universum zusätzliche Tiefe verliehen. Chinas Gewicht in den globalen Benchmarks ist auf fast zehn Prozent angewachsen. Dies ist auch deshalb relevant, weil die Wirtschaftszyklen der USA und Chinas oft eine geringe oder negative Korrelation aufweisen. Auch indische Staatsanleihen, die 2024 in die globalen Schwellenländerindizes aufgenommen wurden, haben in der Vergangenheit eine geringe Korrelation zu anderen globalen Vermögenswerten gezeigt und bieten daher weitere Diversifizierungsvorteile. Rasch entwickelt haben sich ausserdem die globalen Derivatemärkte. Aktive Anleger können nun eine grössere Auswahl an derivativen Instrumenten sowohl zur Alpha-Generierung als auch zum Risikomanagement einsetzen.

Die Macht der Flexibilität
Darüber hinaus bringen aktive Manager mithilfe eines globalen Ansatzes ihre Ansichten nuanciert zum Ausdruck. Wer von der Stärke der US-Verbraucher überzeugt ist, kann in forderungsbesicherte Wertpapiere wie Autokredite oder Kreditkartenanleihen investieren. Umgekehrt können Skeptiker diese Vermögenswerte untergewichten und in Bereichen wie der Duration der Eurozone oder Schwellenländerwährungen nach Werten suchen. Strategien wie Renditekurven-Steepener – Positionen, die entweder von starkem oder schwachem Wachstum profitieren – können ein Portfolio in Phasen grosser Unsicherheit ebenfalls absichern. Durch eine sorgfältige Anwendung und Gewichtung der Strategien kann ein Manager sicherstellen, dass das Portfolio ein angemessenes Mass an Diversifizierung und das gewünschte Ex-ante-Risiko aufweist.

Fazit
Die Vorteile eines globalen Fixed-Income-Ansatzes gehen über die blosse Verfügbarkeit eines grösseren Pools von Anlagemöglichkeiten hinaus. Wichtig ist, dass das grössere Angebot an Möglichkeiten auch das Spektrum an Wertpapieren, Renditetreibern und somit die Diversifizierungsmöglichkeiten erweitert, wobei die Korrelationen zwischen verschiedenen Märkten oft gering oder sogar negativ sind. Diese Vielfalt ermöglicht den Aufbau von robusten und diversifizierten Portfolios. Das makroökonomische Umfeld ist zu Beginn des Jahres 2025 unsicherer geworden. Der Abwärtstrend bei der Inflation hält zwar an, aber der Weg zu den Zielen der Zentralbanken ist weniger klar vorgezeichnet. Dies hat in Verbindung mit Fragen um die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft und die Politik der neuen US-Regierung sowie den politischen Schwierigkeiten und schwachen Wirtschaftsdaten in Europa zu weiterer Unsicherheit geführt. Anleger sollten sich deshalb auf mehrere, mögliche Szenarios im Jahr 2025 vorbereiten. Sie müssen Wahrscheinlichkeiten abwägen und widerstandsfähige Anlageportfolios aufbauen, die bei dem aus ihrer Sicht wahrscheinlichsten Szenario gut abschneiden, aber auch die Möglichkeit haben, sich anzupassen, wenn sich die Dinge doch anders entwickeln. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die Erweiterung des Anlageuniversums und der Diversifizierungsmöglichkeiten durch einen globalen Ansatz für festverzinsliche Wertpapiere.

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