Julius Bär: Das Benko-Kreditdebakel ist für Romeo Lacher noch nicht ausgestanden

Nun also doch. Die personellen Konsequenzen, die im Rahmen des Benko-Kreditdebakels angezeigt waren, von Julius Bär aber lange Zeit vehement negiert wurden, haben sich letzte Woche überraschend doch noch materialisiert. Die rote Karte ging an Philipp Rickenbacher, der die Bank verlassen musste. Mit dem Platzverweis an die Adresse des CEOs hat sich Romeo Lacher, seines Zeichens Chairman von Julius Bär, allerdings bestenfalls etwas Zeit erkauft. Seine eigene unrühmliche Rolle in der Causa Benko macht er damit nicht ungeschehen.

Wenn Fehler passieren, muss jemand die Verantwortung übernehmen. Das gilt nicht nur, aber im Besonderen, im Bankgeschäft, das von Vertrauen und von einer guten Corporate Governance lebt. Der Verwaltungsrat von Julius Bär hat diese Notwendigkeit im Zusammenhang mit dem Benko-Kreditdebakel, welches die Bank einen monströsen Abschreiber von 606 Millionen Franken – und damit nahezu einen halben Jahresgewinn kostete – massiv unterschätzt. Offenbar waren die Verantwortlichen lange Zeit der Meinung, dass sich die geplatzte Benko-Kreditbombe aussitzen lässt. Eine fatale Fehleinschätzung, namentlich auch von Chairman Romeo Lacher, einem überaus erfahrenen und auf dem Schweizer Finanzplatz bestens vernetzten Strippenzieher. Der frühere Credit-Suisse-Topmanager und ehemalige Präsident der Börsenbetreiberin SIX besetzt in der Schweizer Wirtschaft mehrere Schlüsselpositionen und weiss es eigentlich besser.

Wenn über eine dumme Sache endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterfrisst.

Wilhelm Busch, Dichter und Zeichner (1832 – 1908)

Romeo Lacher’s zögerliche Haltung dürfte im Wesentlichen in seiner eigenen unrühmlichen Rolle in der Causa Benko begründet sein. Von den insgesamt fünf am Kreditentscheid beteiligten Personen, war er, Kraft seiner Rolle als Präsident des Verwaltungsrates, die höchste bankinterne Instanz, welche das Signa-Geschäft abnickte. Natürlich kann man argumentieren, dass zuvor ein Chief Risk Officer (Oliver Bartholet), eine Finanzchefin (Evangelia «Evie» Kostakis), ein inzwischen geschasster CEO (Phillipp Rickenbacher) sowie der Vorsitzender des Governance- und Risikoausschusses im Verwaltungsrat (David Nicol), der sich nicht mehr zur Wiederwahl stellt, die toxische Kundenbeziehung mit Réne Benko im Vorfeld geprüft und – aus welchen Gründen auch immer – für unbedenklich befunden haben. Und doch kann er sich nicht darauf berufen und sich unbeschadet aus der Affäre ziehen. Er war im Bilde und hat den fragwürdigen Geschäftsentscheid mitgetragen. Punkt.

Kommt diese unschöne Episode in der Geschichte von Julius Bär mit einem Platzverweis des CEOs nun zu einem Ende? Nein. Es ist kaum vorstellbar, dass Romeo Lacher jetzt einfach wieder zum Tagesgeschäft zurückkehren kann. Zu gross – und zu bekannt – ist sein Involvement in das Geschehen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass er die angekündigte, externe Suche nach einem Nachfolger von Philipp Rickenbacher begleitet und den neuen Mann – es darf gerne auch eine Frau sein – einführt, um dann im spätestens im Frühjahr 2025 seinen Posten ebenfalls zu räumen. Vielleicht spekuliert er darauf, dass bis zu diesem Zeitpunkt Gras über die Sache gewachsen ist und ihm seine Kritiker die Gnade des Vergessens zuteil werden lassen. Darauf verlassen sollte er sich aber nicht.

Hauptbildnachweis: Bloomberg