UBS: Effizienz ohne Moral
Die UBS beweist einmal mehr eindrucksvoll, wie sich Rekordgewinne und Massenentlassungen zu einem harmonischen Gesamtbild fügen lassen. Im vierten Quartal 2025 flossen 1,2 Milliarden US-Dollar Reingewinn in die Kassen, im Gesamtjahr gar üppige 7,8 Milliarden US-Dollar. Eine Leistung, die selbstverständlich nach einer angemessenen Würdigung verlangt – vorzugsweise in Form einer Dividendenerhöhung von 22 Prozent sowie offensiv zurückgelegter Mittel für weitere Ausschüttungsorgien im mittleren Zehnprozentbereich. Auch Aktienrückkäufe von drei Milliarden US-Dollar dürfen da nicht fehlen. Wer Erfolg hat, soll ihn schliesslich auch feiern. Am besten unter sich.
Dass parallel dazu erneut Stellen gestrichen werden sollen, vorzugsweise in der Schweiz, wirkt da fast wie ein logistisches Detail. Man muss schliesslich irgendwo sparen, wenn man Aktionäre wirklich glücklich machen will. Effizienz beginnt bekanntlich beim Personal – auch dann, wenn es gerade nicht an finanziellen Mitteln mangelt.
Die letzte verbliebene Schweizer Grossbank präsentiert sich also in blendender Verfassung. Das ist beruhigend, denn eine schwächelnde UBS wäre für die Schweiz unerquicklich. Noch erfreulicher ist die Lage für die Aktionäre, die – vorbehaltlich der formalen Zustimmung an der Generalversammlung – einer finanziellen Aufwertung ihrer Geduld entgegensehen dürfen. Dividendenfantasien, Rückkäufe, Rückstellungen: Der Geldhahn ist weit offen. Die Zufriedenheit dürfte sich bis in die Teppichetage der UBS ziehen.
Henry Ford, US-amerikanischer Erfinder und AutomobilpionierEin Geschäft, das nur Geld einbringt, ist ein schlechtes Geschäft.
Der operative Steuermann, Sergio Ermotti, plant derweil weitsichtig und macht aus seinen Ambitionen auf den Chairman-Posten der UBS keinen Hehl. Sein Nachfolger muss zwar noch gefunden werden, doch das ist eher eine akademische Frage – besonders angesichts eines internen Talentpools, der durch seine Überschaubarkeit besticht. Dass keiner der kursierenden Kandidaten wirklich überzeugt, passt ins Bild einer Organisation, die offenbar lieber abbaut als aufbaut.
Bleiben die Verlierer dieses beeindruckenden Erfolgsmodells: weitere bis zu 10'000 Mitarbeitende, die nach Abschluss der Integration überflüssig sein werden. Natürlich handelt es sich um Doppelspurigkeiten. Natürlich wurde das alles frühzeitig kommuniziert. Und natürlich ist die ökonomische Logik makellos. Effizienz kennt eben keine Heimat.
Die UBS betont bei jeder Gelegenheit ihre unverbrüchliche Verbundenheit mit dem Schweizer Finanzplatz – was man nach der staatlichen Steigbügelhilfe bei der Übernahme der CS fast schon als Mindestanforderung betrachten könnte. Die Begleiterscheinungen in Form eines massiven Stellenabbaus nimmt die Schweizer Grossbank dabei offensichtlich mit sportlicher Gelassenheit hin. Wer geglaubt hatte, Monopolnähe impliziere Verantwortung, wird nun endgültig eines Besseren belehrt: Das Gemeinwohl ist in der UBS-Logik keine relevante Kennzahl.
Besonders uncharmant wirkt der Umstand, dass Ermotti & Co. gleichzeitig von der Schweizer Politik Entgegenkommen bei den Eigenkapitalanforderungen erwarten – selbstverständlich im Namen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Gewinne privatisieren, Risiken verhandeln, Arbeitsplätze abbauen: ein Geschäftsmodell von bestechender Klarheit.
Das Bild, das die UBS damit abgibt, ist folgerichtig. Knallhart vielleicht. Sympathisch eher nicht. Partikularinteressen vor Gemeinsinn – keine neue Erkenntnis, gewiss. Aber vielleicht wäre gerade jetzt, hoch oben im Executive Floor, ein Moment des Innehaltens angebracht. Oder wenigstens eine kurze, kritische Selbstreflexion.