Washingtons Schuldenpoker: Der nächste Zündstoff für die Märkte
Der Sieg der Demokraten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat bedeutet eine Rückkehr zu einer geteilten Regierung in Washington. Anleger haben dies in der Vergangenheit oft als positiv für die Märkte angesehen, da ein politischer Stillstand das Risiko weitreichender politischer Veränderungen begrenzen kann. Diese Annahme verdient jedoch eine erneute Überprüfung.
Ein erster möglicher Konfliktherd für den neuen Kongress wird die Schuldenobergrenze sein, die aktuellen Prognosen zufolge etwa Mitte bis Ende 2027 erreicht werden dürfte. Die Republikaner fordern höhere Verteidigungsausgaben, während die Demokraten die Kürzungen bei Medicaid durch die Regierung rückgängig machen wollen. Ein Kompromiss in letzter Minute könnte beide Forderungen berücksichtigen. Nach unseren Schätzungen würde dies das Haushaltsdefizit um rund 1% des Bruttoinlandprodukts ausweiten.
George Brown, Senior Economist, SchrodersDie Republikaner fordern höhere Verteidigungsausgaben, während die Demokraten die Kürzungen bei Medicaid durch die Regierung rückgängig machen wollen.
Das zentrale Problem ist dabei nicht die zusätzliche Verschuldung selbst, sondern das Signal, das sie hinsichtlich der fiskalischen Disziplin sendet. Wenn politische Kompromisse zunehmend zu höheren Defiziten statt zu einer Haushaltskonsolidierung führen, könnten Investoren eine höhere Laufzeitprämie verlangen, um langfristige US-Staatsanleihen zu halten. Daraus ergibt sich ein zweistufiges Risiko für US-Staatsanleihen. Zunächst könnten die Renditen sinken, da die Anleger mit geringeren kurzfristigen fiskalischen Impulsen rechnen. Mit näher rückenden Verhandlungen könnten sie jedoch wieder steigen. Eine höhere Laufzeitprämie würde dabei zu einer steileren Zinskurve führen. Die Beschränkungen durch den Kongress könnten ausserdem dazu führen, dass Präsident Trump stärker von seinen exekutiven Befugnissen Gebrauch macht, wie bereits nach 2018.
Anleger sollten das Wahlergebnis nicht allein unter dem Gesichtspunkt direktionaler Marktpositionierungen betrachten. Das grössere Risiko besteht in einer anhaltenden Zunahme der politischen Unsicherheit mit Auswirkungen auf US-Staatsanleihen, den US-Dollar sowie die Sektorpräferenzen innerhalb der Aktienmärkte.