Endlich wieder langweilig: Die Ökonomie des Jahres 2026

2026 dürfte ein Jahr werden, in dem sich die bisher von politischen Risiken, Zöllen und makroökonomischer Unsicherheit geprägte Lage spürbar aufhellt. Entscheidend ist dabei, dass die Wachstumserwartungen trotz anhaltender Handelsstreitigkeiten, geopolitischer Konflikte und weiterhin erhöhter Inflation insgesamt positiv bleiben.

Global wird ein Wachstum von rund drei Prozent erwartet. Die Prognosen deuten auf ein solides Plus in den USA, eine leichte Stabilisierung in Europa und weiterhin hohe Wachstumsraten in den grossen Schwellenländern hin. Viele institutionelle Kunden sehen wieder ein Umfeld, in dem Wachstum, Zinsen und Inflation besser planbar sind und damit mehr Rücken- als Gegenwind.

Mehr Planbarkeit bei Handelspolitik und Investitionen
Ein wesentlicher Grund für die aufgehellten Aussichten ist die nachlassende handelspolitische Unsicherheit. Nachdem die im Frühjahr 2025 angekündigten US-Zölle die Märkte kurzfristig stark bewegten, haben spätere Abkommen und eine klarere Linie in der Handelspolitik den Kurs beruhigt. Die Zolldebatte ist nicht verschwunden, aber sie ist berechenbarer geworden. Das hilft Unternehmen, wieder längerfristige Entscheidungen zu treffen. Das wirkt sich positiv auf Investitionen aus, weil Unternehmen Projekte leichter kalkulieren können.

Die Gewinnschätzungen für 2026 fallen konstruktiv aus: In den USA wird ein Anstieg von rund 14 Prozent erwartet, in Europa von gut 11 Prozent und in den Schwellenländern von mehr als 17 Prozent.

Arne Tölsner, Head of Client Group DACH, Capital Group

Zinsen als Rückenwind, aber nicht als Selbstläufer
Zugleich geht der Markt davon aus, dass die geldpolitische Straffung nachlässt und das Zinsumfeld verlässlicher wird. Dabei ist weniger die exakte Zahl möglicher Zinsschritte entscheidend als die Richtung: Eine verlässlichere Zinslandschaft und eine klarere Sicht bei der Handelspolitik dürften die Bereitschaft der Unternehmen erhöhen, wieder langfristige Projekte anzuschieben. Staatliche Ausgabenprogramme, insbesondere in den USA, könnten die wirtschaftliche Aktivität zusätzlich stützen.

Gewinne im Fokus: Treiber für 2026 sind breiter als nur Technologie
Für die Aktienmärkte ist vor allem entscheidend, wie sich die Unternehmensgewinne entwickeln. Am Ende zählt, ob Unternehmen ihre Ergebnisse steigern und wie nachhaltig dieses Wachstum ist. Rückenwind kommt dabei aus mehreren Quellen: weniger politischer Nebel bei Zöllen, eine Belebung industrieller Aktivität, Investitionen in Kapazitäten und Infrastruktur sowie Effizienzgewinne in vielen Branchen. Die Gewinnschätzungen für 2026 fallen entsprechend konstruktiv aus: In den USA wird ein Anstieg von rund 14 Prozent erwartet, in Europa von gut 11 Prozent und in den Schwellenländern von mehr als 17 Prozent. Künstliche Intelligenz bleibt dabei ein wichtiger Investitionsimpuls, etwa über Ausgaben für Rechenzentren, Halbleiter und digitale Infrastruktur, sie ist jedoch nur ein Teil eines breiteren Bildes. Hervorzuheben ist, dass der nächste Schub an den globalen Aktienmärkten nicht allein von wenigen grossen Technologiewerten getragen wird. Vielmehr profitiert eine breite Basis an Unternehmen, die Produktivität steigern, Kosten senken oder neue Erlösquellen erschliessen.

Anspruchsvolle Bewertungen sprechen für aktives Management
Trotz des konstruktiven Grundtons sollten positive Signale nicht mit grenzenlosem Optimismus zu verwechseln. Viele Aktienmärkte sind anspruchsvoll bewertet, Rücksetzer gehören in solchen Phasen zum normalen Verlauf. Kurzfristige Volatilität stellt aus unserer Sicht weniger ein Risiko dar, sondern vielmehr eine Quelle von Einstiegsgelegenheiten – vorausgesetzt, man kann Einzeltitel sauber unterscheiden. Das spricht für einen aktiven Ansatz, der Chancen gezielt nutzt und Risiken differenziert steuert.

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