Englisch im deutschen Text – Lektion 2: Freundliche M&A
Anglizismen und überhaupt Fremdsprachiges kann man auf zwei Arten im deutschen Text unterbringen: Entweder man übernimmt ein Wort unverändert – der Merger –, oder man betrachtet den Ausdruck als gut verständlich und behandelt ihn nach den Regeln des Deutschen – die Akquisition. Die Grenze ist fliessend.
Der Merger: Übernahme des Originals
Nicht geläufige fremdsprachige Ausdrücke und Zitate werden in Originalschreibweise übernommen, angeführt (oder kursiv gesetzt) und wenn nötig übersetzt:
– Sie nennt den Mix «strategy and serendipity» (Strategie und Glück).
– Das sei ein Mix aus Strategie und Glück (engl. strategy and serendipity).
Die Akquisition: Integration ins Deutsche
Ausdrücke, die geläufig und im Deutschen etabliert sind (mit oder ohne Dudeneintrag), schreibt und flektiert man grundsätzlich wie deutsche Ausdrücke.
Gross-/Kleinschreibung: Nomen sowie das Adjektiv in einer Fügung aus Adjektiv und Nomen grossschreiben, mehrteilige Nomen koppeln.
– das Investment, das Angel-Investment
– das Private Equity, die Private-Equity-Firma (mit weiterem Nomen durchkoppeln!)
Flexion: Mit Genitiv-s und Plural-s flektieren.
– des Investments
– die/der/den Investments
Manchmal ist das Genitiv-s in Fügungen aus Adjektiv und Nomen laut Duden fakultativ, manchmal nicht – also am einfachsten generell setzen.
– des Private Equity(s), die Private Equitys
Auch Nomen auf -y werden im Deutschen mit Plural-s, nicht wie im Englischen auf -ies, gebildet. Ausnahme: Nomen in mehrteiligen Fügungen.
– der Whiskey, die Whiskys
– die Grand Old Whiskies
Bei Wortauslaut auf -ch können Genitiv und Plural auch auf -es lauten, in mehrteiligen Fügungen nur so.
– des Coachs, die Coachs (auch: des Coaches, die Coaches)
– die Smart Watches
Bei Nomen auf -er empfiehlt der Duden den Plural auf -s nur teilweise. Also am besten generell endungslos respektive nur mit Dativ-n flektieren.
– die Influencer, den Influencern
– die Sneaker, den Sneakern
Und ein «no-brainer»: Bei Nomen auf s-Auslaut entfällt wie bei anderen Fremdwörtern das Genitiv-s, der Plural lautet wie im Englischen: -es.
– des Cyberspace, die Cyberspaces
Merken muss man sich eigentlich nur etwas (und zwei Ausnahmen)
Die Regel: Etablierte englische Nomen sowie Fügungen aus Adjektiv und Nomen schreibt man gross und flektiert sie mit Genitiv-s und Plural-s (in allen Kasus).
Ausnahme 1: Nomen auf -y oder -ch in mehrteiligen englischen Fügungen nach Englischregeln:
– die Grand Old Whiskies
– die Team-Coaches
Ausnahme 2: Nomen auf -er im Plural am besten generell endungslos respektive mit Dativ-n:
– die Leader
– die Sneaker
Happy M&A!
PS:
Schottischer Whisky ohne e, irischer und amerikanischer mit: der Whiskey, die Whiskeys, die Grand Old Whiskeys. Ich merks mir so: schottisch ohne e.
Apropos: British English (empfohlen): lexico.com; American English: merriam-webster.com; andere Sprachen: de.pons.com.
