Partners Group: Wie weiter nach dem Kurs-Fiasko?
Die Börse reagierte harsch auf eine Meldung von Bloomberg, dass der Zuger Privatmarktspezialist Partners Group die Rücknahmen bei einem seiner Private-Equity-Fonds beschränkt hat. Bis Börsenschluss summierte sich das Kursminus auf über 16 Prozent. Das aktuelle Kursniveau von rund 687 Franken liegt so tief wie letztmals im Corona-Frühling 2020. In der Zwischenzeit kletterte der Kurs zunächst auf über 1’600 Franken, bevor er in den vergangenen Monaten deutlich zu korrigieren begann.
Der Entscheid von Partners Group trifft auf einen Markt, der gegenüber illiquiden Anlageklassen seit längerem empfindlich reagiert. Deshalb mag die negative Reaktion der Börse nicht überraschen – höchstens das Ausmass. Erst vor einem Monat stand das Unternehmen im Fokus eines US-Leerverkäufers. Dieser hatte Partners Group vorgeworfen, Beteiligungen in seinen Fonds zu hoch zu bewerten und inkonsistente Finanzkennzahlen auszuweisen. Jüngst versuchte das Management zurückzuschlagen und kündigte an, mit rechtlichen Mitteln gegen diese Vorwürfe vorzugehen.
Thomas Züttel, Anlage-Experte, VZ VermögensZentrumPartners Group steht mit dieser Entwicklung nicht allein. Die gesamte Branche der Privatmarktanlagen ist seit geraumer Zeit unter Beobachtung des Markts.
Grundsätzlich ist das Vorgehen von Partners Group im aktuellen Fall für die Branche nicht unüblich. Gemäss einem Anlegerschreiben sind bei Partners Group beim entsprechenden Fonds Rücknahmebegehren von 9,8 Prozent des Fondsvolumens eingegangen . Gemäss den Vertragsbedingungen werden diese jedoch auf 5 Prozent pro Quartal limitiert. Die Massnahme ist für die betroffenen Anleger zwar einschneidend, ist im Bereich der Privatmarktanlagen allerdings nicht ungewöhnlich. Gerade bei sogenannten Evergreen-Fonds, also Produkten ohne feste Laufzeit, sind Rücknahmebeschränkungen üblich. Sie sollen verhindern, dass Vermögenswerte unter Zeitdruck verkauft werden müssen und dadurch die verbleibenden Anleger benachteiligt werden.
Eine akute Schieflage des Fonds lässt sich daraus nicht zwingend ableiten. Nach Angaben des Unternehmens verfügt das Vehikel über eine Liquidität von rund 15 Prozent des Nettovermögens sowie über eine ungenutzte Kreditlinie in derselben Grössenordnung. Die unmittelbare Herausforderung liegt daher weniger in der Zahlungsfähigkeit als in der Signalwirkung. Wenn ein grosser und bekannter Anbieter wie Partners Group bei einem Flaggschiffprodukt die Rücknahmen begrenzt, verstärkt das die Nervosität im Markt. Solche Schritte nähren die Sorge, dass auch andere Fonds unter Druck geraten könnten. In einem ohnehin angespannten Umfeld können daraus Überlauf-Effekte entstehen. Partners Group steht mit dieser Entwicklung nicht allein. Die gesamte Branche der Privatmarktanlagen ist seit geraumer Zeit unter Beobachtung des Markts. Höhere Zinsen, schwächere Bewertungen und geopolitische Unsicherheiten haben das Umfeld erschwert. Besonders im Bereich der Privatkredite war es zuletzt zu Turbulenzen gekommen; inzwischen greift die Skepsis auch auf Private Equity über. Für Partners Group ist die Rücknahmebeschränkung operativ nachvollziehbar. An der Börse wird ein solcher Schritt aber zunächst als Warnsignal gelesen.
Ob die heftige Marktkorrektur gerechtfertigt ist, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen. Vorerst steht das Unternehmen vor allem vor einer Vertrauensfrage. Solange diese gegenüber den Anlegern nicht beantwortet ist, dürfte die Aktie zu keiner markanteren Erholungsbewegung ansetzen.