Buchtipp – Petra Morsbach: «Justizpalast»
Der 2017 veröffentlichte und mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis ausgezeichnete Roman «Justizpalast» zeigt ein erstaunlich genaues Bild der deutschen Justiz, geschrieben von der Autorin Petra Morsbach. Sie wird hier ihren Charakteristika wieder voll und ganz gerecht: präzise Darstellung verschiedener Milieus, Beobachtungsgabe, Humor und Einfühlungsvermögen.
Die vermeintlich trockene Geschichte einer trockenen Richterkarriere mit unzähligen trockenen Rechtsfällen kommt alles andere als trocken daher. Die Protagonistin Thirza Zorniger aus komplizierten Familienverhältnissen – Eltern aus der Münchner Bohème, aufgezogen vom gestrengen Grossvater und den umsorgenden ostpreussischen Tanten – wird, angetrieben von ihrem Streben nach Gerechtigkeit, nach Stationen am Familiengericht, bei der Staatsanwaltschaft, in der Gnadenabteilung und am Amtsgericht, schliesslich Vorsitzende Richterin im Münchner Justizpalast. In diese Rahmengeschichte mit Rückblenden, Abschweifungen und Vorgriffen flechtet die Autorin geschickt und mit eindrücklicher Detailgenauigkeit unzählige Rechtsfälle und Episoden ein. Hinter jedem Fall stecken Menschen, Angeklagte, Anklagende, Richter, Rechtsanwälte, Staatsanwälte, mit ihren Motivationen und Intensionen, die lebendig und wirklichkeitsnah dargestellt werden. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges Gesamtbild der deutschen Justiz mit ihren aktuellen Problemen und ein spannender, humorvoll erzählter und sehr lesenswerter Roman.
Der Onliner-Kommentar dazu: (auch für Nicht-Juristen) sehr lesenswert.
