Buchtipp – Christian Haller / Trilogie des Erinnerns: Die verschluckte Musik, Das schwarze Eisen, Die besseren Zeiten
In drei autobiografisch inspirierten Romanen erzählt der Aargauer Autor Christian Haller aus drei Perspektiven die Geschichte einer Schweizer Familie in den 1920er bis 1950er Jahren, zusammengefasst in der «Trilogie des Erinnerns».
Der erste Roman «Die verschluckte Musik» ist die Geschichte der Mutter des Erzählers, Tochter eines Schweizer Textilindustriellen, aufgewachsen in Bukarest, die als junge Frau in die Schweiz zurückkehren muss. Sie träumt von einem mondänen, grossbürgerlichen Leben, wie sie es in ihrer Kindheit und Jugend erlebt hat, und verkümmert in der Enge der Schweizer Provinz.
Im zweiten Roman «Das schwarze Eisen» arbeitet sich der Grossvater mit unerschöpflicher Energie und Rücksichtslosigkeit aus ärmsten Verhältnissen zum erfolgreichen und geachteten Stahlindustriellen hoch. Er ist ein hartherziger Patriarch, der die Geschicke der ganzen Familien mit unerbittlich strenger Hand lenkt.
Der letzte Teil der Trilogie «Die besseren Zeiten» schliesslich zeigt die Perspektive des Vaters, der sich trotz Gespür für wirtschaftliche Strömungen und Verkaufstalent weder gegen seinen autoritären Vater noch später gegen einen vermeintlichen Geschäftsfreund durchsetzen kann und sich so den in diesen Jahren des Wirtschaftswunders greifbaren Erfolg verbaut.
In diesem Generationen überspannendem Romanwerk gelingt es dem Autor, mit wortgewaltiger Sprache und in für jeden Teil eigener Tonalität, äusserst präzise Persönlichkeitsbilder aufzuzeigen und zugleich eine ganze Epoche der Schweizer Geschichte zu umreissen. Man spürt die Figuren (trotz Interpretationsspielraum in den Beziehungen zueinander) genau, gerade auch ihre Nöte und Unzulänglichkeiten. Obwohl – vermutlich deswegen – allen drei Teilen etwas Beklemmendes anhaftet, tut dies dem Lesegenuss dieses sehr bemerkenswerten Romanwerks keinen Abstrich.
