Buchtipp – Francesca Melandri: «Über Meereshöhe»
In diesem weniger bekannten Roman erzählt die durch «Alle, ausser mir» auch einem breiten deutschsprachigen Publikum bekannt gewordene italienische Schriftstellerin Francesca Melandri mit grosser Sensibilität und poetischer Kraft von der zufälligen Begegnung unterschiedlicher Menschen während einer stürmischen Nacht auf einer exotisch duftenden Gefängnisinsel.
Über «Alle, ausser mir» (Sangue giusto) von Francesca Melandri wurde (zu Recht) viel geschrieben. Weniger bekannt ist der Roman «Über Meereshöhe» (Più alto del mare) der gleichen Autorin. Es ist die Geschichte von zwei namenlosen Inhaftierten in einem Hochsicherheitstrakt auf einer Gefängnisinsel (vermutlich Asinara im Nordwesten von Sardinien, von wo aus man nachts die Lichter der Raffinerien von Porto Torres sieht) und ihren Besuchern. Ohne den Maestrale, der zu einem Sturm aufkommt und eine rechtzeitige Rückfahrt mit der Fähre verhindert, hätten sich Luisa, die Ehefrau eines Mörders, und Paolo, der Vater eines politischen Attentäters, nie kennengelernt. Sie müssen zusammen in einem Notquartier auf der Insel übernachten und werden vom Strafvollzugsbeamten Pierfrancesco Nitti betreut und bewacht. Die nur zwei Tage dauernde Begegnung dieser drei ganz unterschiedlichen Menschen – und das Schicksal ihrer Familien vor dem politischen Hintergrund Italiens im Jahr 1979 – werden in dieser berührenden Geschichte über die Menschlichkeit mit viel Tiefe und poetischer Kraft erzählt.
Der Onliner-Kommentar dazu: Sehr lesenswert.
