Keine Jagdgründe für Headhunter
Bei CEO-Wechseln stehen externe Kandidaten klar in der zweiten Reihe. Vorrang geniessen eigene Bewerber, wie auch die SMI-Unternehmen belegen.
Davon träumt jeder Personalvermittler: Er hilft, den CEO-Posten in einem Grossunternehmen zu besetzen. So offenbar geschehen, als 2017 der Top-Job im Nahrungsmittelriesen Nestlé zu besetzen war. Der Siegerkranz ging dann an Mark Schneider vom deutschen Gesundheitskonzern Fresenius. Als erste Andockstation in Vevey hatte im September davor ein Verwaltungsratsmandat gedient. Die Hoffnung in den Mann aus dem Nachbarland und aus der fremden Branche war gross, die spätere Enttäuschung ebenso, so dass er im September 2024 den Chefsessel räumen musste. Nachfolger wurde das Nestlé-Urgestein Laurent Freixe.
Nur drei Externe in den Schweizer Blue Chips
Das Spitzenamt geht an Bewerber aus den eigenen Reihen – das ist der Normalfall in den Grosskonzernen. Da glaubt man zu wissen, was man bekommt, neue Impulse von aussen sind dagegen weniger gefragt. Diese erhalten global tätige Konzerne sowieso, lautet die Überzeugung. Die Blue Chips im SMI-Index belegen das deutlich. Vor Nestlé hatte ABB im August mit Morten Wierod auf einen Kandidaten zurückgegriffen, der sein ganzes Berufsleben in diesem Konzern verbracht hat. Dabei hatte der Vorgänger Massstäbe gesetzt. Björn Rosengren kam zwar direkt von der Sandvik-Gruppe, brachte aber ABB in seinen gut vier Jahren grundlegend voran. Aufgabe erfüllt: Ein Mandat für einen Wandel im Unternehmen gehört oftmals zu den Erwartungen an einen Externen.
Jürgen Dunsch, WirtschaftsjournalistVon den 20 im SMI vertretenen Unternehmen haben nur drei ihren CEO-Posten einer zuvor woanders tätigen Person anvertraut.
Das Gesamtbild sieht so aus: Von den 20 im SMI vertretenen Unternehmen haben nur drei ihren CEO-Posten einer zuvor woanders tätigen Person anvertraut. Es sind dies Hanneke Faber bei Logitech mit ihrem Computerzubehör, Wolfgang Wienand beim Pharmalieferanten Lonza und Arnd Kaldowski im Hörgerätehersteller Sonova. Nimmt man die Grenzfälle der Job-Wechsel hinzu, landet man bei der Zahl sechs. Die Änderungen verlaufen dabei nicht nach einem klaren Muster, sondern zeigen durchaus unterschiedliche Ausprägungen. Hanneke Faber stiess im Dezember 2023 zu der nach dem Corona-Boom schwer gebeutelten Logitech. Bis dahin hatte sie die Lebensmittelsparte von Unilever geleitet, empfahl sich aber mit einem ganzen Fächer unterschiedlicher Managementfunktionen. Wolfgang Wienand wurde im Juli dieses Jahres in einer Hau-Ruck-Aktion vom Konkurrenten Siegfried zu Lonza, der weitaus bedeutenderen Verlockung unter den Pharmalieferanten, gelotst. Zuvor hatte die Führung mehrmals gewechselt. Arnd Kaldowski amtiert schon seit April 2018 bei Sonova. Eingestiegen war er dort im Oktober 2017 als COO. Dabei machte das Unternehmen schon klar, dass dies nur als Vorstufe zum Top-Job gedacht war. Nach einer Art Probezeit sah diese Warteposition nicht aus.
Die Rückkehrer Ermotti und andere
Bei den Grenzfällen stellte sich die Bewährungsfrage gar nicht, handelte es sich doch um Rückholaktionen von früheren Spitzenleuten in den jeweiligen Konzernen. Konkret betrifft dies die SMI-Grössen Kühne+Nagel und Zurich Insurance. Bei dem Logistikriesen in Schindellegi steht Stefan Paul seit August 2022 an dessen Spitze. Zuvor hatte er seit 2013 den Landverkehr geleitet. Paul ist mit dem Eintrittsjahr 1990 ein alter Fahrensmann im Konzern. Aber 1997 zog es ihn weg von Schindellegi, und es dauerte 16 Jahre, bevor er den neuerlichen Lockrufen erlag. Auch Mario Greco hatte sich schon einmal bei Zurich Insurance bewährt, ehe er im März 2016 den Spitzenjob antrat. Dies war zwischen 2007 und 2012 gewesen, als er die Sparten Global Life und danach General Insurance verantwortete. Anschliessend ging er zum Konkurrenten Generali in Italien. Gehört nicht auch Sergio Ermotti in die Kategorie der Rückkehrer? In jedem Fall. Aber der Rückruf aus dem «Ruhestand» zu einer um die Credit Suisse erweiterten UBS gehört als von ihm empfundener «Call of Duty» auf jene Liste von Karrieren, die den Rahmen der gängigen Wechselfälle von Managern sprengen.