Satire: Inside Bank Rupp & Cie – Networking

Inside Bank Rupp & Cie (bæŋkrʌptsi) ist eine satirische Kolumne und handelt vom Innenleben einer Bank und anderen Unzulänglichkeiten des Lebens. Heute zum Thema Firmenanlass ...

«Der kocht auch nur mit Wasser», bemerkte Carlo Leutenegger süffisant lächelnd zum leicht untersetzten Mann mit dem spärlichen Haarkranz, während er mit dem Kopf zu Hans «Joe» Spalinger deutete. Der CEO der Bank Rupp & Cie stand, umringt von einer stattlichen Anzahl von Bewunderern, im Zentrum des festlich geschmückten Saals und parlierte über die Welt und vor allem über sich selbst.

Leutenegger wähnte den Mann im unmodischen grauen Anzug im mittleren Kader. Höchstens vierte Führungsstufe, was im fortgeschrittenen Alter nichts anderes als Abstellgleis bedeutete. Auf alle Fälle keine Mitfahrgelegenheit nach oben. Da war Leutenegger sich sicher. Die wirklich bedeutenden Gesichter der zweiten Führungsstufe und natürlich der Geschäftsleitung kannte er nämlich bestens. Schliesslich machte er Tag für Tag fast nichts anderes, als die wichtigen von den unwichtigen Menschen zu unterscheiden.

Und jetzt lief ihm gleich beim ersten offiziellen Firmenanlass dieser Volksläufer über den Weg, derweil sich direkt hinter ihm Henry P. Stoll, Chef Firmenkunden, mit seinem Smartphone und einem Glas Champagner langweilte.

«…. und vermutlich erst noch mit lauwarmem Wasser», erwiderte der Mann grinsend. «Sie kennen ihn also?», fuhr er nach einem Schluck Champagner fort.

Leutenegger zog die Augenbrauen geheimnisvoll hoch, bevor er antwortete: «Das gilt doch für alle dort oben!», sagte er mit ernster Miene.

«Als Jungbanker hat man in diesen Dingen vielleicht noch einen ungetrübteren und schärferen Blick», entgegnete der Mann nach einem kurzen Moment des Schweigens.

Leutenegger zuckte lässig mit den Schultern. Aus diesem Blickwinkel hatte er die Sache noch gar nie betrachtet.

Er nickte zufrieden.

«Und wie sehen Sie denn Ihre eigene Karriere bei der Rupp?», fragte der Mann nach einer weiteren Pause.

Noch bevor Leutenegger antworten konnte, entdeckte er an einem der hinteren Stehtische die Kollegen Rutishauser und Bamert, die ihn blöd angafften und Faxen machten.

«Kindsköpfe!», brummelte er und leerte sein Glas in einem Zug.

Jedenfalls dauerte es, bis er die gestellte Frage beantwortete: «Ganz nach oben», sagte er mit selbstbewusster Stimme und imitierte mit der flachen Hand einen langen und steilen Abflug.

«Aha», bemerkte der Mann nach der eindrucksvollen Performance trocken.

«CEO, CHO oder so», fügte Leutenegger zum besseren Verständnis hinzu.

«Aha», sagte der Mann abermals. «Dann sollte man sich Ihr Gesicht wohl besser merken», ergänzte er, bevor er sich zügig verabschiedete.

Endlich konnte sich Leutenegger für einen Zwischenstopp zu seinen beiden Kollegen gesellen.

«Und?» fragte Bamert aufgeregt, noch bevor er Leutenegger mit einem äusserst coolen Handschlag begrüsste.

«Was und?»

«Wie dein Vorstellungsgespräch war, will er wissen», schaltete sich Kollege Rutishauser ins Gespräch ein.

«… vorher, mit Zaugg», präzisierte er, weil Leutenegger noch immer begriffsstutzig in die Welt hinausschaute.

«Zaugg?», fragte er.

«Ja, mit Charles Zaugg, dem Verwaltungsratspräsidenten der Bank.»

Hauptbildnachweis: Walter Hollenstein