Schach – das älteste Brettspiel der Welt
Auf der ganzen Welt spielen unzählige Menschen das Strategie-Brettspiel mit einer uralten Geschichte. Geschichtsforscher glauben, dass Schach vor dem 6. Jahrhundert nach Christus in Indien und Persien entstanden ist – als unblutiges Kriegsspiel. Andere glauben, dass es in China erfunden wurde, bevor es sich nach Westen ausbreitete.
Im Mittelalter galt Schach als das Spiel der Könige, weshalb es speziell in Europas Königshäusern weit verbreitet war. In Adelskreisen stand das Schachspiel für Kultiviertheit und war Ausdruck einer gehobenen Ausbildung. Deshalb wurden edle Damen und Herren bereits in jungen Jahren in das Spiel eingeführt. Die Schachregeln entwickelten sich dabei nach und nach weiter. Ihren heutigen Stand erreichten sie ungefähr im 15. Jahrhundert. Was heute noch gilt: Wer Schach spielt, schärft seinen Geist und insbesondere sein strategisches Denken. 1742 wurde das Brettspiel deshalb vom Buchhändler und Verleger Johann Heinrich Zedler als eines der edelsten und geistreichsten Spiele bezeichnet.
Beliebtes Spiel bei den Rittern
Im 11. Jahrhundert gehörte das Schachspiel zu den sieben Künsten der Ritter. Nebst Reiten, Schwimmen, Schiessen, Ringen, Vogelfang und Saitenspiel war Schach ein Zimmersport für kalte Winterabende oder für schlechtes Wetter. Priestern hingegen war das Schachspiel, warum auch immer, verboten. Gemäss einer Überlieferung soll deshalb ein unbekannter Geistlicher im 12. Jahrhundert ein faltbares Brett entwickelt haben, das zusammengeklappt den Anschein von zwei Büchern erweckte und schnell versteckt werden konnte – eine schlaue Idee, die sich bis heute durchgesetzt hat.
Sprichwort aus IndienDas Schachspiel ist ein See, in welchem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann.
Erste Spielfiguren in Mesopotamien
Die ersten Schachsteine dürften um 3000 vor Christus entstanden sein. Sie bewegten sich in einer Grösse von 1 bis 3 Zentimeter und waren zweifarbig. Detailreicher waren Steine, die man 500 Jahre später gefunden hat. Die ersten Schachfiguren, die man definitiv dem Spiel zuordnen konnte, bestanden mehrheitlich aus Tierknochen und wurden in Form geschnitzt. Im Mittelalter wurden dann hochwertige Figuren aus Holz hergestellt, ab dem 13. Jahrhundert auch aus Ton. Bemerkenswert ist der Umstand, dass über die Jahrhunderte zunehmend filigranere und kunstvollere Schachfiguren angefertigt wurden. Es entstanden eigentliche Kunstwerke, die oftmals auch den Wohlstand der Besitzer zum Ausdruck bringen sollten.
Dame stärker als der König
Schachfiguren stehen bis heute als Sinnbild für einen Hofstaat und eine Armee in einem traditionellen Königreich. Das Spiel setzt sich aus dem König, der Dame, zwei Türmen, zwei Läufer, zwei Springern und acht Bauern zusammen. Die Schachfiguren werden von zwei Spielern abwechslungsweise über die 64 Felder gezogen. Der König ist die wichtigste Figur, der interessanterweise nur von der Dame geschlagen werden kann. Der Bauer gilt als die schwächste Figur beim Schachspiel, ist aber nicht zu unterschätzen und wurde schon als «Seele des Schachspiels» bezeichnet, da er sich in eine beliebige Figur wandeln kann, falls er das gegnerische Ende des Schachbrettes erreicht.
Das erste Schachturnier
1851 wurde das erste offizielle Schachturnier in der Geschichte durchgeführt. Die «unsterbliche Partie» gehört zu den berühmtesten Schachpartien, die jemals gespielt wurden. Die Freundschaftspartie fand zwischen den beiden Mathematik Professoren Adolf Anderssen und Lionel Kieseritzky in London statt. Adolf Anderssen war einer der stärksten Spieler seiner Zeit und wurde nach diesem Sieg als Schach-Weltmeister gefeiert. Kieseritzky lebte in Frankreich und unterrichtete Schachspieler. Heute gilt der 31-jährige Norweger Magnus Carlsen als bester Schachspieler der Welt.