Satire: Inside Bank Rupp & Cie – Chef-Sache

Inside Bank Rupp & Cie (bæŋkrʌptsi) ist eine satirische Kolumne und handelt vom Innenleben einer Bank und anderen Unzulänglichkeiten des Lebens. Heute zum Thema Wertschätzung.

«KB» sagte Hans «Joe» Spalinger, Chef der Bank Rupp & Cie, mittlerweile zu jedem, der es hören wollte. Und auch zu allen anderen, die ihn mit irgendwelchen Anfragen oder Ähnlichem behelligten.

Natürlich sagte er nicht «KaBe», sondern – der Corporate Language angepasst – «KeiBee». Schlicht «KeiBee», mit einem langgezogenen Oxford-Bee.

Besonders resolut war Spalingers Standardantwort, wenn er vom Human Workforce Management angegangen wurde. Mitarbeiterbegrüssungen, Jubiläumsschreiben, Neujahrsansprachen, Motivationsschreiben und dergleichen: «KeiBeeeeeee!»

Noch deutlicher wurde er, wenn er sich mit Analysten herumschlagen sollte. «Voll KeiBee», sagte er dann. Diese schreibenden Windfahnen mochte er noch weniger als die Personalabteilung.

Spalingers Allüren sprachen sich rasch herum. Zuerst innerhalb der Chefetage und bald schon im ganzen Bankhaus.

Irgendwann bekam auch Verwaltungsratspräsident Charles «Charlie» Zaugg von Spalingers ständigen Verweigerungen Wind, worauf er ihn zu einem allgemeinen Austausch einlud.

«Gut siehst du aus», begrüsste er ihn, bis er nach einer guten halben Stunde S&C (Smalltalk & Coffee) endlich zur Sache kam. Sie waren mittlerweile beim spätmorgendlichen Cognac angelangt.

«Und? Alles in Ordnung in der Bank?», fragte er Spalinger, worauf dieser kommentarlos nickte.

«Und bei dir persönlich?», fragte er weiter.

«Yep», antwortete Spalinger schnippisch, während er demonstrativ sein weisses Einstecktuch zurechtzupfte. Die ausgebliebene Bonuserhöhung war nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Wertschätzung, da war er mit sich absolut eins, sah trotz schlechtem Geschäftsgang anders aus.

«Wirklich?»

"Doch, doch...", brummelte Spalinger mit beleidigtem Unterton.

Darauf setzte längeres Schweigen ein.

«Was heisst eigentlich KaBe?», fragte Zaugg nach einer gefühlten Ewigkeit.

«KeiBee», korrigierte Spalinger den Verwaltungsratspräsidenten.

«Also, was heisst KeiBee?», fragte Zaugg nochmals.

«Kein Bock», antwortete er kurz und bündig.

«Kein Bock auf was?»

Spalinger zuckte mit den Schultern.

«Analystentreffen?»

Spalinger winkte vehement ab, er wollte fast nicht mehr damit aufhören.

«Projekte?»

Spalinger nuschelte etwas Unverständliches vor sich hin. Nichts Positives jedenfalls, wenn man seinem Gesichtsausdruck glaubte.

«Talentförderung?»

Jetzt fluchte Spalinger sogar ein wenig.

«Filialschliessungen…?»

Spalinger schüttelte den Kopf.

«… oder -Eröffnungen?»

«Pah. Ist doch eh das Gleiche», bemerkte er.

«Oder das Aufsetzen von grosszügigen Bonusprogrammen?», fragte Zaugg mit unterdrücktem Lächeln.

«Nö, auch nicht», schwindelte Spalinger. Er, dessen normaler Arbeitstag im Wesentlichen mit dem Ausdenken von kreativen High End-Entlohnungsmodellen ausgefüllt war.

«Journalistenanfragen?»

Genervt schoss Spalinger von seinem Stuhl auf und verzog sein Gesicht zu einer hässlichen Fratze. «Ganz schlimm», sagte er, nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte.

Daraufhin hielt Zaugg inne. Er benötigte einen Augenblick, bis er seine Gedanken gesammelt hatte.

«Du jetzt also auch», sagte er mit resignierter Stimme, «… erwartest auch nur noch Sinnstiftendes, Spassbetontes und Unterhaltsames bei der Arbeit!»

Spalinger zuckte ein weiteres Mal mit den Schultern. Einen Moment lang schien es, als wollte er noch etwas anmerken. Doch er liess es dabei bewenden.

Die von ihm angedachte strikte Trennung von Arbeit und Freizeit und die damit verbundene frühe Tagfertigkeit, neuerdings auch Work-Life-Separation genannt, würde Zaugg ohnehin sehr bald selbst bemerken.