US-Dollar, Öl, Gold: Warum sich vertraute Zusammenhänge verschieben
Der Konflikt im Nahen Osten hat die Finanzmärkte durchgerüttelt – und dabei die Preisdynamik dreier globaler Assets spürbar verändert: US-Dollar, Öl und Gold. Gerade in derartigen Schockphasen zeigt sich, wie schnell sich bekannte Muster verschieben können. Für Anleger ist das eine Erinnerung daran, Portfolios so robust zu bauen, dass sie nicht ausschliesslich auf historischen Korrelationen beruhen. Für Multi-Asset-Investoren rücken damit Absicherungs- und Positionierungsfragen wieder stärker in den Vordergrund.
Traditionell bewegen sich US-Dollar und Ölpreis häufig gegenläufig: Wird der Dollar stärker, tendiert Öl zur Schwäche – und umgekehrt. Umso auffälliger ist die gleichzeitige Aufwärtsbewegung beider Grössen zu Beginn der kriegerischen Eskalation am Persischen Golf. Die Änderung dieses Zusammenhangs erinnert daran, wie instabil Finanzmarkt-Beziehungen in Krisen werden können und wie rasch sie sich unter Umständen unter Stress neu sortieren. Zeitgleich hat sich die historisch inverse Beziehung zwischen Dollar und Gold zuletzt verfestigt: Ein stärkerer Dollar ging mit fallenden Goldnotierungen einher. Diese Tendenz beider Grössen verlief somit spiegelbildlich zu der vor dem Konflikt, als der Dollar längere Zeit schwächelte und der Goldpreis zu anhaltender Stärke tendierte.
Gregor Hirt, CIO Multi Asset, Allianz Global InvestorsAktuell spricht vieles für einen anhaltend positiven Ausblick für Rohstoffe. Dies gilt einschliesslich Öl, das durch eine weiterhin erhöhte Risiko-Prämie gestützt wird und damit als geopolitische Absicherung in Portfolios dienen kann.
Unseres Erachtens stecken hinter diesen Preisdynamiken drei Ursachen. Erstens wird Öl derzeit zunehmend als rein geopolitisches Asset gehandelt, das hochsensibel auf Versorgungsrisiken reagiert. Der Preissprung von rund 60 Prozent im März spiegelte eine erhebliche Bedrohung der internationalen Energieversorgung wider, ausgelöst durch Blockaden der Strasse von Hormus und Störungen der Energieproduktion im Nahen Osten. Steigende Ölpreise haben weltweit den Inflationsdruck erhöht und den Aufwärtstrend bei Energiekosten weiter verstärkt. Zweitens wurde der Status des US-Dollars als sicherer Hafen zumindest kurzfristig reaktiviert. Gleichzeitig profitierte die US-Währung von den höheren Energiepreisen. Da die USA inzwischen ein bedeutender Nettoexporteur von Öl sind, verbessern steigende Energiepreise tendenziell die Terms of Trade der Vereinigten Staaten gegenüber vielen anderen Ländern. Zudem können sie die globalen Finanzierungsbedingungen straffen. Beide Faktoren stützen kurzfristig den Dollar. Zusätzlich halfen sogenannte Carry-Trades, bei denen Investoren die erwarteten Zinsvorteile in den USA gegenüber anderen grossen Volkswirtschaften ausnutzen. Drittens wurde die Wahrnehmung von Gold als politisch neutrales Krisen-Asset auf die Probe gestellt. Kurzfristig verhielt sich das Edelmetall zuletzt eher wie ein taktisches Asset, das vor allem auf Liquidität, Renditen und Positionierung reagiert. In einer Phase, in der Korrelationen unter Druck geraten und Diversifikationsbausteine gleichzeitig schwächeln, fiel der Goldpreis zeitweise zusammen mit dem anderen Vermögenswerten, die in Phasen von Risikoscheu üblicherweise gefragt sind. Die Unterperformance von Gold erklärt sich zum Teil dadurch, dass Investoren nach der zuvor starken Rallye Gewinne mitgenommen haben, um Liquidität aufzubauen oder Margin Calls auf Aktienpositionen zu decken. Ausserdem scheint es, als hätten einige Zentralbanken grössere Volumina verkauft. Hinzu kommt die Erwartung, dass Notenbanken ihre Zinsen anheben müssen, um die inflationären Effekte höherer Energiepreise zu dämpfen. Höhere Zinsen bedeuten höhere Anleiherenditen – und machen zinstragende Anlagen im Vergleich zu Gold somit für einige Investoren wieder attraktiver.
Was bedeuten diese Verschiebungen für die Investment-Positionierung
Aktuell spricht vieles für einen anhaltend positiven Ausblick für Rohstoffe. Dies gilt einschliesslich Öl, das durch eine weiterhin erhöhte Risiko-Prämie gestützt wird und damit als geopolitische Absicherung in Portfolios dienen kann. Entscheidend ist die Dauer der Störung der Energieversorgung: Sie wird massgeblich bestimmen, wie lange die Ölpreise auf einem erhöhtem Niveau bleiben. Beim US-Dollar hingegen spricht längerfristig weiterhin vieles für eine Abschwächung. Treiber sind fiskalische Belastungen in den USA und eine graduelle Diversifikation weg von US-Assets. Auch wenn die kurzfristige Dynamik tendenziell günstig wirkt, dürfte dies nicht von Dauer sein. Für Anleger bleibt somit taktische Flexibilität im Währungsmanagement zentral – selbst dann, wenn die strategische Sicht in die entgegengesetzte Richtung weist. Für Gold schliesslich sollte der mittelfristige Ausblick weiter steigender Notierungen intakt bleiben. Hierfür sprechen neben strukturellen Faktoren wie der Nachfrage von Zentralbanken sowie fiskalischen Sorgen und De-Dollarisierungstendenzen auch klassische Treiber wie ein erwartet schwächerer US-Dollar, fallende Realrenditen und Käufe privater Investoren. Kurzfristig dürfte es wichtig sein, ETF-Flüsse von Privatanlegern sowie technische Signale im Auge zu behalten. Gegebenenfalls können sich sogar auf etwas niedrigeren Niveaus als aktuell wieder interessante Einstiegspunkte ergeben.