Bank Rupp & Cie – Executive Summary

Inside Bank Rupp & Cie (bæŋkrʌptsi) ist eine satirische Kolumne und handelt vom Innenleben einer Bank und anderen Unzulänglichkeiten des Lebens. Heute zum Thema «Executive Summary» ... oder wie man Satzfehler und andere Schwächen korrigiert.

«Wir möchten abschliessend auf die enormen und mannigfaltigen Herausforderungen bei der Umsetzung von Projekten dieser Grössenordnung hinweisen und erachten vor diesem Hintergrund insbesondere den von der Geschäftsleitung vorgegebenen Zeitplan als unrealistisch», las Peter «Pedro» Zeller aus dem Executive Summary des provisorischen Zwischenberichts vor.

«Puh …», reagierte Bruno Gerber ziemlich emotional, bevor auch Markus Merz, der dritte Mann im Projektausschuss Albatros, seinen Kommentar abgab.

«Puh …», sagte auch er, bevor er mit den Fingern seiner linken Hand nervös auf der Tischplatte zu trommeln begann.

Für einen Moment sassen sich die drei Mitglieder des Ausschusses sprachlos gegenüber. Die Stille im Sitzungszimmer wurde einzig von einer sich mit schrillem Ton ankündenden Textnachricht unterbrochen.

Es war Gerber, der die Fassung als erster wiedererlangte. «Wir müssen das Ganze umschreiben», hielt der Vorsitzende kurz und knapp fest.

«Unbedingt!», pflichtete Merz ihm bei. «Wer hat diesen Quark übrigens verbrochen?», fragte er vorwurfsvoll in die Runde.

«Vermutlich Rutishauser, der juristische Mitarbeiter im Projektteam», murmelte Zeller.

«Saufrech, so etwas in unserem Namen überhaupt vorzuschlagen», sagte Gerber.

«Saufrech und verantwortungslos!», ergänzte Merz.

«Wenn der Chief Operating Officer das zu lesen bekommt, wackeln uns nicht bloss die Ohren», bemerkte Gerber, der Reto B. Meiers komplexe Persönlichkeitsstruktur nur allzu gut kannte.

«So was zu schreiben, gerade in diesen Zeiten. Ein richtiger Hosenscheisser, dieser Rutishauser!» Merz konnte sich kaum erholen.

Dann meldete sich auch Zeller zu Wort. «Aber ein bisschen recht hat er ja, der Rutishauser, wenn wir ehrlich sind. Ich meine, das Projekt läuft bis anhin alles andere als optimal, und ein wenig absichern gegen oben schadet gewiss nicht ...», sagte er und verzog dabei sein Gesicht.

«Aber darum geht es doch nicht!», fuhr Gerber ihm schroff ins Wort. «Oder möchtest du im Zwischenbericht deines grössten und teuersten Projekts einen derart beunruhigenden Bockmist lesen müssen?»

Zeller senkte wortlos seinen Blick und starrte auf das Notebook.

«Das Ganze muss viel frischer und positiver daherkommen», fand auch Merz.

«Also, was schlagt ihr konkret vor?», fragte Zeller, ohne aufzuschauen.

«Warum sagen wir nicht einfach Wichtigkeit anstatt Herausforderung. Inhaltlich ist das ja sozusagen das Gleiche», schlug Gerber vor. Anschliessend schaute er zu Merz und dann zu Zeller.

«Einverstanden?», fragte er mit fester Stimme nach, als niemand reagierte.

«Doch, stimmt eigentlich», gab Merz nach einer kurzen Denkpause von sich.

Auch Zeller nickte nun verhalten.

«Und den kritischen Satzteil mit dem Zeitplan lassen wir ganz weg. Meier und die anderen aus der Geschäftsleitung würden das mit Sicherheit persönlich nehmen», sagte Gerber und machte mit den Korrekturen gleich weiter.

«Und möchten möchten wir auch nicht.» Zeller musste ob seiner eigenen Bemerkung grinsen.

«So, wie lautet der Satz neu?», fragte Gerber daraufhin betont ernst.

«Wir möchten abschliessend auf die enorme und mannigfaltige Wichtigkeit bei der Umsetzung von Projekten dieser Grössenordnung hinweisen», gab Zeller den korrigierten Text ziemlich wortgenau wieder.

«Pedro, nimm dich zusammen!», wies Gerber ihn barsch zurecht, worauf jener den Schlusssatz nochmals leicht anpasste.

«Wir möchten abschliessend auf die mannigfaltige Wichtigkeit dieses Projekts hinweisen», las Zeller die finale Fassung von seinem Notebook ab.

«Passt doch!», sagte Gerber freudestrahlend.