Satire: Inside Bank Rupp & Cie – Gewinnwarnung
Inside Bank Rupp & Cie (bæŋkrʌptsi) ist eine satirische Kolumne und handelt vom Innenleben einer Bank und anderen Unzulänglichkeiten des Lebens. Heute zum Thema vertrauensbildende Massnahmen.
Heiko Schmidt spazierte gemächlich und mit hohlem Kreuz durch das merkbar in die Jahre gekommene Personalrestaurant. Schon nach den ersten Schritten glaubte der Finanzchef zu spüren, wie sich die bewundernden Blicke der subalternen Kolleginnen und Kollegen in seinen Rücken bohrten. Ein- oder zweimal meinte er sogar, seinen Namen aus dem monotonen Stimmengewirr herauszuhören.
Schmidt hatte schon beinahe den Ausgang des mit grellem Neonlicht und orangen Plastikstühlen ausgestatteten Saals erreicht, als er unvermittelt vor einem der letzten Tische stehen blieb.
«Grüezi miteinander, Dr. Heiko Schmidt», sagte er zu den sichtlich überraschten Mitarbeitern, deren Gespräch ob des hohen Besuchs sogleich verstummte. Ohne eine Antwort abzuwarten, nahm der Finanzchef auf einem freien Stuhl Platz und lehnte sich begutachtend über das Tablett mit dem exotischen Gericht. Er runzelte die Stirn und ärgerte sich einmal mehr über den angeordneten Botengang. Den dritten in dieser Woche. Und dies alles wegen ein paar läppischen Milliönchen, wo doch die Konkurrenz regelmässig Milliarden versenkte.
Im Saal roch es nach verbranntem Frittieröl, Knoblauch und anderen, undefinierbareren Düften.
«Ausgezeichnet!», begann Schmidt das aufgebürdete Mitarbeitergespräch nach einem ersten Versuchsbissen. Er hielt seine beladene Gabel demonstrativ in die Höhe.
Am Tisch wurde ehrfürchtig genickt.
«Schon toll, was die Bank uns Mitarbeitern alles bietet», wiederholte er das Lob nach einem zweiten, deutlich kleineren Bissen.
«… fair, divers, compliant und erst noch nachhaltig gesund. Das Menüangebot, meine ich», schob er nach, als die Reaktionen ausblieben.
«So wie unsere Bank!». Er lächelte gequält.
Dann sprach er von der Eigenkapitalquote und von anderen Kennzahlen, die er kleinlich genau vom Display seines Smartphones ablas.
Der langfädige, mit unzähligen Füllwörtern gespickte Vortrag wollte kaum enden.
«Wie gesagt, äh, unser Kapitalpuffer ist, äh, extrem solid», hielt er am Schluss fest.
«Grundsolid!»
«Keine Frage, äh!», sagte er und nickte bestärkend in die Runde, bevor er ein erlösendes «so» hinhauchte.
Darauf nahm er einen letzten Phantombissen vom lauwarmen Nasi Goreng und wischte sich mit der Papierserviette eilig den Mund ab.
«Uf Wiederluege», sagte er in übertriebenem Schweizerdeutsch und ward nach wenigen Augenblicken nicht mehr gesehen.
Die Kolleginnen und Kollegen sahen sich verwundert an.
«Soso», sagte nun auch Felix Amstutz, der Dienstälteste am Tisch. «Wir haben also ein, äh, gröberes Problem im Hause.»