Active Fixed Income: Sind die guten Zeiten schon wieder vorbei?
Die Obligationenmärkte beendeten das Jahr 2023 spektakulär und warfen Ende 2023 die höchsten Renditen seit der Finanzkrise ab. Der Performance- Sprung im vierten Quartal bestätigt die Qualität von Obligationen als Einkommensquelle, aber auch als potenzielles Instrument für Kapitalwachstum.
Die Konjunkturabkühlung hatte massgeblichen Anteil an der Kursentwicklung, doch vielleicht noch wichtiger war der neue Tonfall der Zentralbanken, die einen möglichen Kurswechsel andeuteten: Stand bisher die Inflationsbekämpfung an erster Stelle, könnten die Notenbanken zukünftig mehr auf das Konjunkturumfeld achten. Die Märkte haben auf den Stimmungsumschwung reagiert und deutliche Zinssenkungen eingepreist. Aus den Kursen lässt sich jetzt vor allem das Szenario einer sanften Landung und einer milden Rezession ableiten, für alternative Szenarien und insbesondere für einen erneuten Anstieg der Inflation bleibt dagegen in den Bewertungen wenig Spielraum.
Risiken
Trotz höherer Renditen sehen wir nach wie vor viele beunruhigende Signale, insbesondere aufgrund der schwächeren und uneinheitlichen Konjunkturentwicklung. Die Risikoaufschläge für Unternehmensobligationen sind weiterhin äusserst knapp, weshalb das Risiko von Verlusten im Falle einer Rezession vor allem im unteren Rating- Segment höher ist. Sollten die Zinsen wieder sinken, müssten Regierungen auch weniger für ihre Schulden zahlen, doch die eigentlichen Kernprobleme bleiben aus unserer Sicht unangetastet. An den Märkten könnte dies zu Nervosität führen und die Renditen auf Staatsobligationen in die Höhe treiben, gleichzeitig könnte der Inflationsrückgang über dem Niveau der langfristigen Zentralbankziele zum Stillstand kommen.
Kunal Mehta, Head of Fixed Income, VanguardGeldmarkt- und andere Cash-Instrumente werfen hohe Renditen ab – zumindest so lange, bis die Zentralbanken die Zinsen senken. Anleger müssen sich daher aktuell die Frage stellen, ab wann sie sich eine höhere Verzinsung für einen längeren Zeitraum sichern sollten.
Gedanken und Einschätzungen
Geldmarkt- und andere Cash-Instrumente werfen hohe Renditen ab – zumindest so lange, bis die Zentralbanken die Zinsen senken. Anleger müssen sich daher aktuell die Frage stellen, ab wann sie sich eine höhere Verzinsung für einen längeren Zeitraum sichern sollten. Bisher haben wir zum Ende des Zinserhöhungszyklus eine Erhöhung des Duration-Exposure empfohlen und halten an dieser Empfehlung weiterhin fest. Anleihen werden aus unserer Sicht ihre Eignung als wertvolle Quelle laufender Erträge und zur Diversifizierung eines Aktien-Exposure erneut unter Beweis stellen. Zukünftig könnte ihr Potenzial sogar noch wachsen, allerdings müssen sich Anleger auf dem Weg dahin auf mehrere «Unebenheiten» in der Wirtschaft einstellen. Letztlich wird es sich als wichtiger erweisen, Verlustrisiken zu vermeiden, Einkommen zu erzielen und Potenzial auszuschöpfen, das sich aus steigender Marktvolatilität und auseinanderdriftenden Kreditprofilen ergibt.
Inflation und Zinsen: Haben die Renditen ihren Höhepunkt erreicht?
Anfang 2023 zogen viele Anleger Geld von den Obligationenmärkten ab, flüchteten – wohl aus Angst vor steigenden Zinsen – in sicherere Geldmärkte und warteten in einem volatilen Marktumfeld im weiteren Verlauf des Jahres auf den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg. Wer diesen Zeitpunkt Mitte Oktober gekommen sah, musste mit ansehen, wie die Renditen auf zehnjährige US-Staatsobligationen bis Mitte Dezember von 5 auf 4% fielen. Fallende Renditen hatten einen deutlichen Kurssprung zur Folge, der Bloomberg Global Aggregate Bond Index (USD Hedged) stieg zwischen dem 16. Oktober 2023 und dem 29. Dezember 2023 um 6,2%.1 Diejenigen, die ihr Geld in Geldmarktinstrumenten sicher geparkt hatten, mag dabei das Gefühl überkommen haben, etwas verpasst zu haben.
Prognosen – Zinssenkungen zu erwarten
In den USA dürfte die Kerninflation im vierten Quartal kontinuierlich gesunken sein und sich bis Ende 2024 dem Fed-Ziel von 2% nähern. Wir erwarten Zinssenkungen, die im Falle einer Rezession sogar deutlicher ausfallen könnten; eine Rückkehr zum Niedrigzinsumfeld halten wir jedoch für unwahrscheinlich. Ausserdem erwarten wir einen Anstieg der Zinsstrukturkurve, wenn die kurzfristigen Zinsen sinken. Das Wachstum im vierten Quartal hat gegenüber dem Höchststand im Vorquartal abgenommen, Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Rezession sehen wir dennoch kaum. Nach dem Inflationsrückgang in der zweiten Jahreshälfte 2023 stellte die Fed die Möglichkeit einer Normalisierung der Geldpolitik im neuen Jahr in Aussicht, sofern sich die Kerninflation innerhalb einer Spanne von 2 bis 2,5% bewegt. Die Staatsobligationenmärkte haben daraufhin deutliche Zinssenkungen in diesem Jahr eingepreist, sich aber inzwischen wieder auf ein weniger aggressives Tempo eingestellt.