Satire: Inside Bank Rupp & Cie – Risk Manager
Inside Bank Rupp & Cie (bæŋkrʌptsi) ist eine satirische Kolumne und handelt vom Innenleben einer Bank und anderen Unzulänglichkeiten des Lebens. Heute zum Thema «Abgehoben» ...
Vizedirektor Anton «Toni» Schälchli schaute demonstrativ und unnötig lange auf seine Armbanduhr, als Urs Huber um exakt halb acht Uhr im «Da Renzo» eintraf.
«Uff, gerade noch geschafft …», sagte Huber heftig schnaufend, während er versuchte, sich aus seinem dicken Wintermantel zu befreien.
«On time …», brummelte Schälchli zur Begrüssung, «bedeutet im Banking: zu spät.» Dann wandte er sich wieder dem Sportteil zu, den er just aufgeschlagen hatte.
«Hast du das schon gehört, das von diesem Schärmän …», platzte es aus Huber heraus, bevor er bereits unterbrochen wurde.
«Tschärmän!» korrigierte Schälchli ihn, ohne aufzuschauen.
«… also von diesem Bankpräsidenten, der die Quarantänevorschriften missachtet und frisch-fröhlich in der Welt herumfliegt?», fuhr Huber fort, kaum hatte er sich gesetzt.
«Sicher», antwortete Schälchli.
«Und?»
«Was und?», wiederholte der Vizedirektor schnippisch, «immerhin flog der gute Mann vorsichtshalber Privatjet und nicht Holzklasse.»
«Und du findest das in Ordnung?»
Schälchli gab ein saloppes «Pfff …» von sich und zuckte gleichgültig mit den Schultern.
«Ich meine, die Non-Compliance ist das eine, aber die unsinnige Erklärung, die er nachgeschoben hat ...». Huber tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn.
«Nur, weil du sie nicht verstehst», fuhr Schälchli ihm erneut dazwischen. Dieses Mal noch etwas schroffer.
«Du findest das Ganze also völlig logisch und normal?», fragte Huber nach.
«Zumindest nicht unlogisch!»
«Blödmann», hustete Huber darauf kräftig in die Armbeuge, worauf Besucher und Servicepersonal des Cafés ihn erschrocken anstarrten.
Im Lokal war es für ein paar Sekunden totenstill.
«Für mich ist so einer jedenfalls kein Risk Manager», flüsterte Huber nach dem atmosphärischen Unterbruch. «Definitiv nicht!»
«Natürlich nicht», erwiderte Schälchli wichtig. Er legte die Zeitung zur Seite und schaute zum Grossbildschirm, auf dem irgendeine Sportsendung lief. «Dafür wurde der Mann auch nicht engagiert!», ergänzte er nach einer kurzen Pause.
Huber wirkte jetzt noch irritierter. Er brauchte einen Moment, bis er seine Frage gedanklich ausformuliert hatte.
«Sondern?», fragte er.
«… als Risk Taker», entgegnete Schächli.
«Ja doch», insistierte er gereizt, weil Huber ihn noch immer blöd anstierte, «… als sogenannter Key Risk Taker*, der für die Bank aussergewöhnliche Risiken auf sich nimmt und dafür noch aussergewöhnlicher entlohnt wird.»